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Klosterprozess Ludwigs des Bärtigen

Herzog Ludwig VII. der Gebartete von Bayern-Ingolstadt (reg. 1413-1443), in: Abbildungen bayrischer Regenten von Bavarus bis Sigmund. Desgleichen welfischer Fürsten, 16. Jahrhundert. (Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 2822, fol. 39)

von Werner Müller

Langwierige Serie von Prozessen, die mehrere Klöster aus dem Teilherzogtum Bayern-München seit 1425 gegen Herzog Ludwig den Bärtigen von Bayern-Ingolstadt (1365-1447, reg. 1413-1443) führten. Hintergrund waren zunächst die Schäden an Klosterbesitz, die während des Bayerischen Krieges (1420-1422) entstanden waren. Relativ rasch entwickelten sich aber die von Ludwig anstelle von Naturalleistungen eingeführten Geldabgaben ("Jägergeld") sowie die intensivierte Verwaltung zum eigentlichen Kern des Prozesses. Unterstützt wurden die betroffenen Klöster durch das Münchner Herzogshaus, wodurch sich der Konflikt nochmals verkomplizierte. Die Prozesse fanden vor päpstlichen, konziliaren und kaiserlichen Gerichten statt. Ludwig wurde im Verlauf des Konflikts mehrfach exkommuniziert und auch durch den Kaiser geächtet. Der Konflikt endete erst mit dem Tod Ludwigs, der sich wegen seines Vorgehens gegen die Klöster im Kirchenbann befand.

Ausgangslage

Bei der Landesteilung 1392 fiel per Losentscheid ein unglücklich zersplittertes Territorium, dessen Stücke sich in lang gestreckter Form von Ingolstadt bis ins Zillertal erstreckten, an Herzog Stephan III. (reg. 1375-1413), den Vater von Ludwig VII. (reg. 1413-1443, gest. 1447). Wie auch schon sein Vater fühlte sich Ludwig gegenüber den Vettern in München und Landshut benachteiligt, woraus bis zum Krieg sich steigernde Familienstreitigkeiten entstanden. Diese Spannungen führten nach dem Mordanschlag, den Heinrich XVI. der Reiche von Bayern-Landshut (reg. 1404-1450) auf dem Konstanzer Konzil (1414-1418) auf Ludwig verüben ließ, zur Todfeindschaft zwischen beiden Herzögen.

Ludwig der Bärtige war bei seinem langen Aufenthalt am französischen Hof mit modernen Verwaltungspraktiken vertraut geworden. Er geriet nach seinem Regierungsantritt mit einer Reihe von Klöstern in Streit um Steuern und Abgaben aller Art, insbesondere auch wegen des Jägergeldes. Ludwig wollte im Sinne einer Verwaltungsmodernisierung die bisherige Pflicht der Klöster, herzogliche Jagdgesellschaften zu beherbergen und zu verköstigen, in eine Geldabgabe, das Jägergeld, umwandeln. Die Verweigerung des Jägergeldes nahm er zum Anlass, die Klöster nun vermehrt mit Einquartierungen zu belasten, was wiederum zu heftigeren Klagen der Konvente führte.

Während seiner gesamten Regierungszeit sah sich Ludwig daher in Prozesse verwickelt, die eine Reihe von Klöstern gegen ihn vor der Kurie in Rom, den Konzilien von Konstanz und Basel (1431-1449) sowie dem Kaiser angestrengten. Dies mündete in eine bunte Abfolge von Urteilen, Appellationen, Exkommunikationen, Interdikten, angedrohter oder verhängter Reichsacht.

Die erste Phase der Auseinandersetzungen 1417-1425

Klöster, die Prozesse gegen Herzog Ludwig den Bärtigen von Bayern-Ingolstadt führten. (Gestaltung: Stefan Schnupp, Vorlage: Spindler/Diepolder, Bay. Geschichtsatlas, 21)

Den Auftakt machte Kloster Kaisheim (Lkr. Donau-Ries), das um seine Reichsfreiheit kämpfte. Auf Antrag des Klosters gebot das Konzil von Konstanz Ludwig und seinem gleichnamigen Sohn, Ludwig dem Höckrigen (reg. 1443-1445), am 26. März 1417 unter Androhung der Exkommunikation, von allen Einquartierungen und aller Wegnahme von Feldfrüchten und Einkünften des Klosters abzulassen. Das Konzil exkommunizierte Ludwig und seinen Sohn auf Antrag des Klosters und verhängte auch das Interdikt, als sie sich weigerten, auf ihre nach altem Herkommen und nach Gewohnheitsrecht erhobenen Leistungen und Abgaben des Klosters zu verzichten, zu denen neuerdings auch noch das Jägergeld kommen sollte.

Geschwächt durch die Niederlage im Bayerischen Krieg (1420-1422) mit den Vettern in Landshut und München sowie deren Verbündeten, erklärte Ludwig der Höckrige sich bereit, alle konziliaren Entscheidungen gegen seinen Vater anzuerkennen und für deren Durchführung zu sorgen. Hierauf hob Kardinal Branda da Castiglione (1350-1443; Kardinal seit 1411) am 11. Juni 1423 die Exkommunikation und tags darauf das Interdikt auf.

Wohl ermuntert durch den Erfolg des Klosters Kaisheim erhoben nun die Klöster bzw. Stifte Fürstenfeld (Lkr. Fürstenfeldbruck), Indersdorf (Lkr. Dachau), Geisenfeld, Hohenwart, Münchsmünster, Scheyern (alle Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm), Ettal (Lkr. Garmisch-Partenkirchen) und das Angerkloster in München Ansprüche wegen der im Krieg erlittenen Schäden. Alle Klöster lagen außerhalb des Ingolstädter Territoriums, waren aber dort begütert.

Branda gebot als päpstlich bestellter Reformator und Visitator für das Reich daraufhin am 11. Oktober 1423 den ehemaligen Kriegsparteien, bei Vermeidung der Exkommunikation die Klöster schadlos zu stellen. Ludwig der Bärtige fühlte sich durch das Vorgehen eines von Branda eingesetzten Kommissars schikaniert, appellierte an Papst Martin V. (reg. 1417-1431) und bat, die strittigen Rechte aus der Vogtei dem weltlichen Gerichtsstand zu überlassen. Es ging den Klöstern offensichtlich also nicht nur um die Wiedergutmachung der erlittenen Kriegsschäden, sondern sie versuchten auch gleichzeitig althergebrachte Abgaben und Leistungen abzuschütteln, die im kanonischen Recht unbekannt, geschweige denn anerkannt waren.

Am 7. Mai 1425 verkündete Nikolaus von Respitz, Abt des Wiener Schottenklosters (reg. 1418-1428), als vom Konzil beauftragter Exekutor die erneute Exkommunikation Ludwigs unter Hinweis auf die hierauf sich möglicherweise anschließende Reichsacht. König Sigmund (reg. 1414-1439, Kaiser 1433) gebot am 4. Juni 1425 allen Reichsständen, Ludwig dazu zu zwingen, den Klöstern Genugtuung zu tun. Ludwig jedoch wandte sich erneut an den Papst und erreichte seine Lossprechung, die der Domdekan von Wien verkündete.

Die zweite Phase 1431-1447

Papst Martin V. (reg. 1417-1431). Kupferstich von Bernard Picart (1673-1733). Abb. aus: Jaques Lenfant, Histoire du Concile de Constance, Amsterdam 1727, vor 155. (Bayerische Staatsbibliothek, 4 Conc. 33-2 )
Papst Eugen IV. (reg. 1431-1447). (Österreichische Nationalbibliothek, PORT_00030573_01)

Nach dem Tod Papst Martins V., den Ludwig vom Konstanzer Konzil her kannte, sahen die Klöster Scheyern, Indersdorf, Fürstenfeld, Geisenfeld und das Angerkloster erneut eine Chance, ihre Ansprüche durchzusetzen. Auf ihr Betreiben verkündete der päpstliche Legat für das Reich am 27. September 1431, Ludwig sei, da er die Auflagen für die ausgesprochene Absolution nicht erfüllt habe, erneut in die frühere Exkommunikation zurückgefallen.

Hierauf wandte sich Ludwig an das seit dem 23. Juli 1431 in Basel tagende Konzil. Am 22. August 1431 aber entschieden die vom Konzil ernannten Richter, der Herzog sei aufgrund des Reichsrechts allen mit der Reichsacht verbundenen Zensuren und Strafen verfallen, worauf Kaiser Sigmund am 24. Februar 1434 die Reichsacht über Ludwig in aller Form verhängte. Da Ludwig sich auch einem von Sigmund gefällten Schiedsspruch in der Klostersache nicht fügen wollte, erklärte das Konzil, die früher ausgesprochene Exkommunikation sei nun wieder in Kraft. Nun appellierte Ludwig an den künftigen Papst und an den gewählten, aber noch nicht gekrönten König Albrecht II. (reg.1438-1439), deren Entscheidung er sich schon vorab unterwarf. Am 26. Oktober 1439 erfolgte erneut die Exkommunikation durch einen von Papst Eugen IV. (reg. 1431-1447) ernannten Richter. Das Konzil entschloss sich am 10. Oktober 1442, dem Herzog die Absolution zu erteilen.

Als Ludwig am 2. Mai 1447 in Burghausen in Gefangenschaft Heinrichs XVI. von Bayern-Landshut starb, befand er sich aber noch unter dem vom Papst ausgesprochenen Kirchenbann. Dies berichten Veit Arnpeck (gest. 1495) und Hans Ebran von Wildenberg (ca. 1426-1502) unabhängig voneinander in ihren Chroniken.

Bewertung

Der Streit zwischen Ludwig dem Bärtigen und den Klöstern hat seine Ursache also einerseits im Beharren Ludwigs auf hergebrachten gewohnheitsrechtlichen Leistungen der Klöster (zumeist hergeleitet aus der Vogtei) und andererseits im Bestreben der Konvente, Lasten wie Steuern, Abgaben, Scharwerk und insbesondere das Jägergeld abzuschütteln. Das Jägergeld hatte Ludwig in Verfolgung von Grundsätzen einer modernen Verwaltung, mit denen er in Frankreich vertraut geworden war, statt der bisher gebräuchlichen Beherbergung und Verköstigung herzoglicher Jagdgesellschaften einführen wollen. Seine Reaktion, bei Weigerung der Klöster diese vermehrt mit Einquartierungen zu belasten, führte dann zu einer weiteren Eskalation des Streits. Im Hintergrund schwingt stets auch die Zwietracht Ludwigs mit seinen Vettern in München mit, wodurch sich sämtliche im Münchner Territorium liegenden Konvente in ihrer intransigenten Haltung bestärkt gefühlt haben mögen. Dem Versuch Ludwigs, beide Konzilien gegen den jeweiligen Papst auszuspielen und umgekehrt, war nur zeitweiliger und begrenzter Erfolg beschieden.

Literatur

  • Siegfried Hofmann, Geschichte der Stadt Ingolstadt. 1. Band: Von den Anfängen bis 1505, Ingolstadt 2000.
  • Renate Kremer, Die Auseinandersetzungen um das Herzogtum Bayern. Ingolstadt 1438-1450 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 113), München 2000.
  • Werner Müller, Bayern und Basel. Studien zu Herzogshaus, Kirche und Konzil, in: Annuarium historiae concililliorum. Internationale Zeitschrift für Konziliengeschichtsforschung 29 (1997), 1-164 und 335-500, hier 117-141.
  • Theodor Straub, Bayern im Zeichen der Teilungen und Teilherzogtümer (1347-1450), in: Max Spindler (Hg.), Handbuch der Bayerischen Geschichte 2. Band, München 2. Auflage 1988, 246-249, 252-259.

Quellen

  • Johannes Haller, Gustav Beckmann u. a. (Hg.), Concilium Basiliense. Studien und Quellen zur Geschichte des Concils von Basel. 2.-5. Band, Basel 1896-1936.
  • Franz Palacky/Ernst Birk u. a. (Hg.), Monumenta Conciliorum generalium seculi decimiquinti. Concilium Basiliense. 1.-4. Band, Wien 1657/Basel 1935.

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Werner Müller, Klosterprozess Ludwigs des Bärtigen, publiziert am 19.12.2011; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Klosterprozess_Ludwigs_des_Bärtigen> (22.03.2019)