Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF München)

Das Logo der Hochschule für Fernsehen und Film. (© Hochschule für Fernsehen und Film)

von Judith Früh

Die Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München wurde am 19. Juli 1966 gegründet und am 6. November 1967 durch den bayerischen Kultusminister Ludwig Huber eröffnet. Unmittelbarer Vorläufer war das zehn Jahre zuvor eingerichtete Deutsche Institut für Film und Fernsehen (DIFF). Träger sind neben dem Freistaat Bayern die Landeshauptstadt München und der Bayerische Rundfunk (BR). Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) beteiligte sich mit einem Gründungszuschuss. Seit ihrer Gründung brachte die HFF mit ihrem vielfältigen Lehrangebot zahlreiche bekannte Film- und Fernsehgrößen hervor. Seit 2012 befinden sich die Räumlichkeiten der HFF am Bernd-Eichinger-Platz 1 im Münchner Kunstareal.

Vorläufer

Der Wunsch, sich dem populären Massenmedium Film akademisch zu nähern, keimte in München bereits wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Wintersemester 1950/51 formierte sich an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU München) eine Gruppe von filminteressierten Studenten: die Arbeitsgemeinschaft Film im zeitungswissenschaftlichen Institut, auch als "Studentische Filmfreunde" bekannt. Der Regisseur Eberhard Hauff (geb. 1932) übernahm im Jahr 1952 die Leitung mit dem Wunsch, "in München an der Universität ein Film-Studio und ein Filmseminar aufzubauen". Am 9. Februar 1953 wurde der Verein Studentische Filmfreunde e. V. gegründet, der in den Räumlichkeiten der Chronos-Film GmbH in der Aventinstraße unterkam und dort die technische Infrastruktur der Firma - etwa Schneidetische und Projektoren - nutzen konnte.

Neben den Studentischen Filmfreunden gab es eine weitere damit eng verbundene Filmbildungsstätte: Das Studio für Filmkunst in der Occamstraße in Schwabing, dessen Besitzer Fritz Falter (1919-2007) im Unterschied zu allen anderen Münchner Kinos laut Programmheft "filmische Kostbarkeiten" in Originalfassung im Tagesprogramm spielte und das Studio damit als erstes Repertoire-Kino in Deutschland etablierte. Es hatte zusammen mit dem Anfang der 1960er Jahre eröffneten Isabella-Kino und dem Kino Türkendolch eine große Bedeutung für Filmkunstinteressierte in München und setzte Impulse für künftige Filmschaffende.

Auf das Betreiben von Eberhard Hauff hin ging am 1. März 1954 aus den Studentischen Filmfreunden das Institut für Filmwesen (IFF) hervor, das laut Selbstauskunft "streng in Universitätsformen" organisiert war und eine Zusammenarbeit mit der LMU München bezweckte, um "das Wissen auf allen Gebieten des Films und des Fernsehens zu erweitern und zu vertiefen und dadurch deren Entwicklung zum Bildungs- und Kulturfaktor zu fördern". Unterstützt wurde die Gründung durch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus in Verbindung mit der LMU München, der Filmindustrie und der UNESCO in Paris. Institutionelles Vorbild für Lehrplan und Unterrichtsgestaltung waren bereits etablierte ausländische Filmhochschulen wie das Institut des Hautes Études Cinématographiques (IDHEC) in Paris oder das Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom. Im Jahr 1955 wurde das Institut für Filmwesen in den neu gegründeten Internationalen Verband der Filmhochschulen (CILECT) aufgenommen und damit als erste deutsche Lehreinrichtung dieser Art offiziell anerkannt.

Nachdem sich im Lauf der 1950er Jahre das Fernsehen in Deutschland immer stärker etablierte - im Jahr 1950 wurde die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) gegründet, 1957 die erste Teilnehmermillion erreicht - wurde dem Medium Fernsehen in der Lehre mehr Platz eingeräumt und die Organisationsform des Instituts nochmals verändert. In einem IFF-internen Protokoll vom 10. Januar 1956 wird von der bevorstehenden Gründung eines Vereins namens Deutsches Institut für Film und Fernsehen (DIFF) berichtet. Dessen Satzung wurde am 9. Mai 1956 genehmigt. Das Studium endete nun nach sechs statt bisher nach vier Semestern und sollte nach erfolgreicher Abschlussprüfung mit einem Diplom abgeschlossen werden. Die Ausrichtung des DIFF wurde auf eine Filmakademie festgelegt, was zugleich eine Fülle neuer Aufgaben bedeutete: Mit der Etaterhöhung und der staatlichen Anerkennung des Abschlusses musste ein kontinuierlicher Unterricht durch festbeschäftigte Dozenten und Assistenten einschließlich eines regulären Prüfungsverfahrens sichergestellt werden.

Zum Sommersemester 1957 wurde am DIFF der fachfremde Institutsleiter Prof. Dr. Otto Wilhelm Reuther (1890-1973) eingestellt, der an der Technischen Universität (TU) München eine außerplanmäßige Professur für Betriebswirtschaft innehatte und im DIFF einen Richtungsstreit zwischen einer wissenschaftlichen und einer filmpraktischen Ausrichtung anheizte. Nachdem bereits eine Reihe qualifizierter Dozenten ihren Rücktritt erklärt und sich viele Stimmen aus der Filmbranche gegen Reuther ausgesprochen hatten, erfolgte am 19. März 1958 der geschlossene und äußerst öffentlichkeitswirksame Austritt der Studenten des Oberkurses. Diese fühlten sich laut Selbstauskunft durch die "laienhaften Ambitionen der neuen Institutsleitung betrogen". Vermutlich war dies, noch vier Jahre vor den Schwabinger Krawallen, die erste spontane Protestbewegung von Studenten in Nachkriegsdeutschland. Otto Wilhelm Reuther, dessen Motivation für die Arbeit beim DIFF auch im Nachhinein unklar bleibt, wurde Ende 1958 pensioniert.

Die Hochschule für Fernsehen und Film an ihrem Standort in der Kaulbachstraße in München (bis 1988). (© Hochschule für Fernsehen und Film & Peter C. Slansky)
Die Hochschule für Fernsehen und Film in München-Giesing, wo sie sich von 1988-2011 befand. (© Claudia Schreyer)

Am 30. Juni 1958 wurde der Verein aufgelöst und inhaltlich sowie personell reorganisiert. Er nahm im Frühjahr 1959 seine Tätigkeit ohne Fachschulcharakter und in Anlehnung an die Universität bzw. Technische Hochschule wieder auf. Neben Prof. Dr. Clemens Münster (1906-1998), damaliger Fernsehdirektor des BR und späterer Präsident der HFF, traten hier bereits Dozenten in Erscheinung, die ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Gründung der HFF spielen sollten: Prof. Dr. Richard Theile (1913-1974), damaliger Direktor des Instituts für Rundfunktechnik, sowie Prof. Dr. Helmut Oeller (1922-2016), späterer Fernsehdirektor des BR und Präsident der HFF.

Gründung und Standorte der Hochschule für Fernsehen und Film

Aus dem reorganisierten DIFF ging am 19. Juli 1966 die Hochschule für Fernsehen und Film hervor, die am 6. November 1967 in der Aula der Akademie der Bildenden Künste eröffnet wurde. Prof. Dr. Otto B. Roegele (1920-2005), damals Ordinarius für Zeitungswissenschaft an der LMU München, wurde von Kultusminister Dr. Ludwig Huber (CSU, 1928-2003, Kultusminister 1964-70) zum ersten Präsident der HFF ernannt. Vizepräsident wurde Prof. Dr. Clemens Münster.

Kinosaal in der Hochschule für Fernsehen und Film in München-Giesing. (© Hochschule für Fernsehen und Film)

Bis 1988 war die HFF in der Kaulbachstraße und der Ohmstraße angesiedelt, aus Platzgründen wurde an weiteren Orten wie den Studios des BR am Rundfunkplatz und in Freimann, der Bavaria Film in Geiselgasteig und dem Prinzregententheater gelehrt und produziert. Mit dem Umzug in eine umgebaute ehemalige Fabrik in der Frankenthaler Straße in der Nähe des Bahnhofs München-Giesing verbesserten sich die räumlichen und technischen Bedingungen deutlich. Die Eröffnung des neuen Standorts erfolgte am 7. Dezember 1988 durch den bayerischen Wissenschaftsminister Wolfgang Wild (geb. 1930, Wissenschaftsminister 1986-1989).

Die Hochschule für Fernsehen und Film im Münchner Stadtbezirk Maxvorstadt vom Bernd-Eichinger-Platz gesehen. (© Hochschule für Fernsehen und Film & Jens Weber)

Bereits Ende der 1990er Jahre wurde ersichtlich, dass das Raumangebot am Standort Giesing mit der Entwicklung der Hochschule nicht Schritt halten konnte. Nach längerer Suche nach einem geeigneten Standort erfolgte am 14. November 2007 die Grundsteinlegung für einen Neubau der HFF im Münchner Kunstareal, den sich die Hochschule mit dem Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst (SMÄK) teilt. Im August 2011 fand der Umzug in das Gebäude an der Gabelsberger Straße statt. Zu Ehren des im Jahr 2011 verstorbenen HFF-Absolventen Bernd Eichinger (1949-2011) erhielt die Hochschule die neue Adresse Bernd-Eichinger-Platz 1. Offizielle Einweihung war am 7. Mai 2012.

Blick von der Gabelsbergerstraße auf die Hochschule für Fernsehen und Film in München. (© Melanie Meinig, industrieBAU)

Studium

Innenaufnahme der Hochschule für Fernsehen und Film, 2013. (© Hochschule für Fernsehen und Film & Robert Pupeter)

Für das erste Studienjahr der HFF, im sogenannten A-Kurs, wurden 15 weibliche und 40 männliche Studenten aufgenommen, die aus 290 Bewerbern ausgewählt worden waren - darunter befand sich mit Wim Wenders (geb. 1945) einer der bekanntesten späteren Absolventen.

Die HFF bot zu Beginn drei verschiedene Studienrichtungen an: Abteilung III "Film" unter der Leitung von Prof. Dr. Helmut Jedele (1920-2012), damals Generaldirektor der Bavaria-Ateliergesellschaft, Abteilung IV "Information, Dokumentation und Bildung im Fernsehen" unter der Leitung von Prof. Dr. Helmut Oeller, damals Direktor des Studienprogramms im BR-Fernsehen, sowie Abteilung V "Künstlerische Produktion im Fernsehen", später umbenannt in "Fernsehspiel" unter der Leitung von Prof. Dr. Clemens Münster. Hinzu kamen die für jeden Studenten obligatorisch zu durchlaufenden Abteilungen I: "Gesellschaftliche Kommunikation und Studium generale" unter der Leitung von Prof. Dr. Otto B. Roegele sowie die Abteilung II: "Technik" unter Leitung von Prof. Dr. Richard Theile. Ein Großteil der Dozenten waren Mitarbeiter der Rundfunkanstalten, die ihre Erfahrungen aus der beruflichen Praxis einbrachten. Zudem gab es einen starken akademischen Mittelbau mit hauptberuflichen Assistenten. Nach dem Ausscheiden von Prof. Dr. Clemens Münster wurde im Jahr 1974 die Abteilung "Fernsehspiel" aufgelöst und in die Abteilung III "Film" überführt.

Die Aula in der Hochschule für Fernsehen und Film, 2013. (© Hochschule für Fernsehen und Film & Robert Pupeter)

Anfangs wurden die Absolventen der Hochschule in der Branche noch mit Skepsis betrachtet: Die Aufbauphase der HFF fiel in die Zeit der Studentenunruhen, die Studenten waren entsprechend politisiert, wenngleich nicht so stark wie jene der "Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB)". Die Rundfunkanstalten befürchteten neben ideologischen Auseinandersetzungen aufgrund der akademischen Ausbildung auch Schwächen in der Praxis. Diese Haltung veränderte sich Mitte der 1970er Jahre, und die HFF etablierte sich infolgedessen als wesentliche Ausbildungsstätte für Film- und Fernsehschaffende in ganz Deutschland.

Bis zum Jahr 1988, als mit dem Umzug nach Giesing die neue Abteilung "Produktion und Medienwirtschaft" eröffnet wurde, war das Studium neben den beiden obligatorischen Abteilungen I (heute "Medienwissenschaft") und II (wie ehedem "Technik") auf die zwei alternativen Fachabteilungen "Spielfilm" sowie "Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik" beschränkt. Im Jahr 1992 wurde das Studium von sechs auf acht Semester ausgebaut und ein Diplomstudiengang eingeführt.

Seit dem Wintersemester 1997/98 gibt es zudem in Kooperation mit der Theaterakademie August Everding an der Bayerischen Theaterakademie einen auf zwei Jahre angelegten Aufbaustudiengang Theater-, Film- und Fernsehkritik, geleitet von Prof. Dr. Curt Bernd Sucher (geb. 1949).

Zwischenzeitlich hat sich das Studium unter dem Eindruck medialen Wandels und veränderter Markterfordernisse stark ausdifferenziert. Aktuell (Stand: 2017) kann man zwischen fünf Studiengängen wählen: Abteilung III "Kino und Fernsehfilm", Abteilung IV "Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik", Abteilung V "Produktion und Medienwirtschaft", Abteilung VI "Drehbuch" und Abteilung VII "Kamera". Die Lehrangebote der Abteilungen I: "Medienwissenschaft" und Abteilung II: "Technik" sind für alle Studierenden obligatorisch. Eine gesonderte Bewerbung für das Studium dieser Fächer ist nicht möglich. Die Abteilungen bieten in eigenen Lehrstühlen und Bereichen die Möglichkeit an, das Wissen während des Studiums zu vertiefen und zu spezialisieren: Lehrstuhl "VFX" (Abteilung II), Lehrstuhl "Montage" (Abteilung III und Abteilung IV), Bereich "Fernsehjournalismus" (Abteilung IV), Bereich "Werbung" (Abteilung V), Lehrstuhl "Creative Writing" (Abteilung VI) sowie Lehrstuhl "Bild, Licht, Raum" (Abteilung VII). Momentan (Stand: 2017) sind rund 350 Studierende eingeschrieben; die HFF hat zwischenzeitlich um die 1800 Absolventen.

Die Dozenten an der Hochschule sind teilweise haupt- und teilweise nebenamtlich tätig. Hauptamtliche zeichnen sich maßgeblich für die Lehre verantwortlich und sind ständige Ansprechpartner und Projektbetreuer für die Studierenden. Nebenamtliche sind fest in der Praxis verwurzelt und gewährleisten als externe Abteilungsleiter an der HFF München die direkte Vernetzung mit der Film-und TV-Branche. Das garantiert der Hochschule und den Studierenden den immer aktuellen Bezug zur Berufspraxis und sichert wertvolle Kooperationen.

Seit dem Amtsantritt von Prof. Bettina Reitz (geb. 1962) am 19. Oktober 2015 verfügt die Hochschule über eine hauptamtliche Präsidentschaft mit einer Amtszeit von vier Jahren.

Bedeutung

Bereits im Umfeld der Studentischen Filmfreunde e. V., dem ersten Vorläufer der HFF, und seinen Nachfolgeeinrichtungen IFF bzw. DIFF verkehrten spätere Größen des Neuen Deutschen Films wie Edgar Reitz (geb. 1932) oder sie nutzten die vorhandene Infrastruktur wie etwa Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) und Werner Herzog (geb. 1942). Auch Haro Senft (1928-2016), Mitinitiator und Vorstand von DOC 59 – Gruppe für Filmgestaltung, die im Jahr 1959 als gemeinnütziger Verein in München-Schwabing von Filmemachern gegründet wurde, gehörte dazu. Insgesamt acht der 26 Unterzeichner des als Geburtsstunde des Neuen Deutschen Films geltenden Oberhausener Manifests aus dem Jahr 1962, einer Initiative von DOC 59, waren Teilnehmer oder Studenten der Filmfreunde und ihrer Nachfolger. Die Stoßrichtung des Manifests war filmpolitisch - die filmkünstlerisch orientierten Unterzeichner wandten sich darin gegen das etablierte, wirtschaftlich erfolgreiche Nachkriegs-Unterhaltungskino. Insgesamt stellten die nicht-akademischen Vorläuferorganisationen der HFF ein Sammelbecken von Personen und Ideen dar, die mit dem Neuen Deutschen Film die deutsche Filmwirtschaft entscheidend verändern sollten.

Vom IFF bzw. DIFF führte jedoch inhaltlich kein direkter Weg zur HFF: Zu lange war der Zeitraum zwischen der Krise des DIFF im Jahr 1958 und der Eröffnung der HFF im Jahr 1967 - fast zehn Jahre, in dem das reorganisierte DIFF stark an Bedeutung verlor. Das nach 1958 nicht länger filmpraktisch orientierte Lehrangebot, beschränkt auf Vorlesungen und Vorträge mit einführendem Charakter, war für die erste Generation der Jungfilmer des Neuen Deutschen Films nicht weiter attraktiv. Sie durchliefen keine filmakademische Ausbildung und blieben größtenteils Autodidakten. Einige von ihnen stießen ins Umfeld des Instituts für Filmgestaltung an der Hochschule für Gestaltung Ulm (hfg ulm) vor, welches von 1963 bis zur Gründung der dffb in Berlin im Jahr 1966 und der HFF München 1967 die einzige Filmausbildungsstätte in der Bundesrepublik war. Alexander Kluge (geb. 1932) und Edgar Reitz betätigten sich dort selbst als Dozenten.

Zwar werden zwei Studenten des ersten Jahrgangs der HFF – Wim Wenders und Werner Schroeter, der nach wenigen Monaten sein Studium wieder abbrach – häufig dem Neuen Deutschen Film zugerechnet; letztlich blieben sich HFF und Neuer Deutscher Film aber fremd. Im Gegenteil: Die meisten HFF-Studenten der ersten beiden Jahrzehnte wandten sich explizit gegen den Neuen Deutschen Film, den sie für zu "verkopft", zu politisch und zu dialoglastig hielten. Das Interesse der Studenten galt stärker dem französischen, italienischen und amerikanischen Avantgarde-Kino jener Zeit. Mit Roland Emmerich (geb. 1955), der seine Karriere nach der HFF international in Hollywood fortsetzte, und Sönke Wortmann (geb. 1959) traten in den 1980er Jahren Filmemacher nach vorne, die sich deutlich zum publikumsaffinen, unterhaltenden Film bekannten. Wortmann beförderte mit seinem HFF-Abschlussfilm DREI D aus dem Jahr 1989, der für den Studenten-Oscar nominiert war, ebenso wie der HFF-Film ABGESCHMINKT von Katja von Garnier (geb. 1966) aus dem Jahr 1992, mit dem sie 1994 einen Studenten-Oscar gewann, den Komödienboom im deutschen Kino der 1990er Jahre. Bereits 1985 setzte die HFF-Absolventin Doris Dörrie (geb. 1955) mit ihrem Film MÄNNER erste Impulse für die deutsche Komödie.

Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche weitere und sehr vielfältige HFF-Filme für den renommierten Studenten-Oscar nominiert oder in Hollywood mit diesem ausgezeichnet: QUIERO SER von Florian Gallenberger (geb. 1972), der im Jahr 2000 den Studenten-Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film sowie den Oscar für den Besten Kurzfilm erhielt oder DIE GESCHICHTE VOM WEINENDEN KAMEL von Byambasuren Davaa (geb. 1971) und Luigi Falorni (geb. 1971), welcher 2005 als Bester Dokumentarfilm für den Oscar nominiert war. Im Jahr 2007 wurde der Abschlussfilm DAS LEBEN DER ANDEREN von Florian Henckel von Donnersmarck (geb. 1973) als Bester Fremdsprachiger Film mit dem Oscar ausgezeichnet sowie FAIR TRADE von Michael Dreher (geb. 1974) und MILAN von Michaela Kezele (geb. 1975) für den Studentenoscar nominiert. Lennart Ruff (geb. 1986) erhielt 2014 den Studenten-Oscar für seinen Kurzfilm NOCEBO. Zuletzt wurde INVENTION OF TRUST von Alex Schaad (geb. 1990) 2016 mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet. Neben dem Oscar (Academy Award) gibt es eine große Reihe weiterer renommierter Auszeichnungen und Preise für die Filme und das Lebenswerk der Studenten und Absolventen. So gewann TONI ERDMANN von der HFF-Absolventin Maren Ade (geb. 1976) neben zahlreichen anderen Preisen 2016 den Europäischen und 2017 den Deutschen Filmpreis und war für den Oscar als Bester Fremdsprachiger Film nominiert.

Seit dem ersten Ausbildungsjahr 1967 bringt die HFF eine Reihe von bekannten Film- und Fernsehgrößen hervor, die in unterschiedlichsten Funktionen in der Medienbranche erfolgreich sind. Viele davon erlangten schon zu Zeiten ihres Studiums Bekanntheit, andere rückten erst nach ihrer Hochschulzeit in den Vordergrund. Zu den bekannteren Absolventen und Absolventinnen zählen Wim Wenders, Franz Xaver Bogner (geb. 1949), Jakob Claussen (geb. 1961), Doris Dörrie (geb. 1955), Uli Edel (geb. 1947), Bernd Eichinger (1949-2011), Roland Emmerich, Tom Fährmann (geb. 1956), Max Färberböck (geb. 1950), Friedemann Fromm (geb. 1963), Hajo Gies (geb. 1945), Dominik Graf (geb. 1952), Nina Grosse (geb. 1958), Philip Gröning (geb. 1959), Nico Hofmann (geb. 1959), Nicolas Humbert (geb. 1958), Ralf Huettner (geb. 1954), Rainer Kaufmann (geb. 1959), Mika Kaurismäki (geb. 1955), Karl Walter Lindenlaub (geb. 1957), Caroline Link (geb. 1964), Joachim Masannek (geb. 1960), Vivian Naefe (geb. 1953), Uschi Reich (geb. 1949), Thomas Riedelsheimer (geb. 1963), Michael Schanze (geb. 1947), Hans-Christian Schmid (geb. 1965), Dorothee Schön (geb. 1961), Hito Steyerl (geb. 1966), Gabriele Walther, Egon Werdin (geb. 1954) und Sönke Wortmann; in den Jahren danach Abolventen und Absolventinnen wie Maren Ade (geb. 1976), Christian Becker (geb. 1972), Quirin Berg (geb. 1978), Bettina Brokemper (geb. unb.), Christian Ditter (geb. 1977), Frauke Finsterwalder (geb. 1975), Markus Förderer (geb. 1983), Florian Gallenberger, Dennis Gansel (geb. 1973), Esther Gronenborn (geb. 1966), Benjamin Heisenberg (geb. 1974), Florian Henckel von Donnersmarck (geb. 1973), Benjamin Herrmann (geb. 1971), Christoph Hochhäusler (geb. 1972), Vanessa Jopp (geb. 1971), Baran bo Odar (geb. 1978), Marcus H. Rosenmüller (geb. 1973), Alex Schaad (geb. 1990), Hans Steinbichler (geb. 1966), Tim Trageser (geb. 1969) und Max Wiedemann (geb. 1977).

Die HFF zählt heute zu den sieben Film-Fernseh-Ausbildungsinstitutionen in Deutschland, die Mitglied im Weltverband der Filmhochschulen (CILECT) sind.

Literatur

  • Juliane A. Ahrens/Judith Früh/Judith Westermann, Hochschule für Fernsehen und Film. 50 Jahre - 50 Filme. Eine unverschämte Auswahl, München 2017.
  • Judith Früh, Auch der Film braucht eine Theorie. Wege der Filmbildung im München der 1950er Jahre, in: Rolf Aurich/Ralf Forster (Hg.), Wie der Film unsterblich wurde. Vorakademische Filmwissenschaft in Deutschland, München 2015, 209-219.
  • Judith Früh/Catalina Torres (Hg.), Bilder aus der Zeit dazwischen. Die Filme der HFF München 1980-1989 (Die Filme der HFF München 2), München 2014.
  • Judith Früh/Helen Simon (Hg.), Bilder wilder Jahre. Die Filme der HFF München 1967-1979 (Die Filme der HFF München 1), München 2011.
  • Gerhard Fuchs (Hg.), HFF 40 Jahre/40 years, München 2007.
  • Philine Hofmann (Hg.), Hochschule für Fernsehen und Film München, München 1997.
  • Monika Lerch-Stumpf (Hg.), HFF-Guide. 1. Band: Kurs A bis Q, München 2007.
  • Monika Lerch-Stumpf (Hg.), HFF-Guide. 2. Band: Kurs R-Z, München 2011.
  • Peter Oeller (Hg.), 25 Jahre Hochschule für Fernsehen und Film München 67-92, München 1992.
  • Peter C. Slansky, Filmhochschulen in Deutschland. Geschichte - Typologie - Architektur, München 2011.

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Judith Früh, Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF München), publiziert am 23.10.2017 in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Hochschule_für_Fernsehen_und_Film_München_(HFF_München)> (23.11.2017)