Bayerische Volkspartei-Correspondenz (BVC)

Meldung der BVC über die Ernennung Gustav von Kahrs (1862-1934) zum Generalstaatskommissar, 27. September 1923 (aus dem Exemplar Karl Schwends)
BVC vom 1. August 1932; Auszug aus einer Verlautbarung Fritz Schäffers (1888-1967) am Tag nach der Reichstagswahl (31. Juli 1932), bei der die BVP von 28% auf 29,15% zugelegt hatte.

von Stefan Primbs

Die Bayerische Volkspartei-Correspondenz (BVC, auch: Bayerische Volkspartei-Korrespondenz) war der parteiamtliche, von der Bayerischen Volkspartei (BVP) zur Zeit der Weimarer Republik herausgegebene Pressedienst. Werktäglich lieferte die BVC – vergleichbar mit einer Presseagentur - ca. fünf eng beschriebene DIN A4-Seiten mit Artikeln sehr verschiedener Länge an ihre Abonnenten. Vom 15. November 1927 bis zur Einstellung im Juli 1933 kam der Dienst mehrfach am Tag heraus. Der Bezug war für die Redaktionen kostenpflichtig.

Der Parteileitung unterstellt

Die "Bayerische Volkspartei-Correspondenz" (BVC) ging aus der "Centrums-Parlaments-Correspondenz" (CPC) hervor, die 1903 von der Fraktion des bayerischen Zentrums im Landtag gegründet und finanziert worden war. Auch nach Gründung der BVP im November 1918, die als Nachfolgerin des bayerischen Zentrums angesehen werden kann, leisteten die Mitglieder der Landtagsfraktion bedeutende finanzielle Zuschüsse für den Unterhalt des Dienstes, der nun den Namen "Bayerische Volkspartei-Correspondenz" trug. Unterstellt war die BVC der Parteileitung, ihre Finanzen verwaltete das BVP-Generalsekretariat unter Anton Pfeiffer (1888-1957).

Mit Einrichtung eines Parteisekretariats in Berlin im Jahr 1925 gründete die BVP einen weiteren Pressedienst, die "Reichstagskorrespondenz der Bayerischen Volkspartei" (RVB). Die RVB hatte einen eigenen Chefredakteur, Georg Miesgang. Sie beschränkte sich in ihrer Berichterstattung weitgehend auf Reichstagsangelegenheiten.

Die Chefredakteure

Chefredakteur der BVC war zunächst Anton Linhart (geb. 1863, variierende Schreibweisen), der zuvor die CPC redigiert hatte und später die Münchner Redaktion der BVP-nahen Augsburger Postzeitung leitete (bis 1931) und dem Verband Bayerischer Landtagsjournalisten vorstand.

Am 1. November 1920 löste Karl Schwend (1890-1968) Linhart als Leiter der BVC ab. Er hatte Jura und Geschichte studiert und im Ersten Weltkrieg als Offizier gedient. Schwend leitete die BVC bis zur Einstellung des Dienstes zeitgleich mit der Auflösung der Partei 1933 (Auflösungserklärung vom 4. Juli 1933). Nach 1945 wirkte Schwend als führender Beamter in der Bayerischen Staatskanzlei, von 1950-1954 als deren Leiter. Als Verfasser des Werkes "Bayern zwischen Monarchie und Diktatur – Beiträge zur Bayerischen Frage in der Zeit von 1918-1933" (München 1954) schuf er zudem ein Standardwerk über die Epoche. Sein eigenes Exemplar der BVC (gebundene hektographierte Blätter), das ihm dafür neben den Regierungsdokumenten, zu denen er als Ministerialbeamter Zugang hatte, als Quelle diente, befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek.

Inhalte und Qualität der Berichterstattung

Die Themen der BVC-Artikel deckten die Bereiche Politik, Wirtschaft und Kultur ab. Zwar behandelten die Texte auch die Reichspolitik, doch lag der Schwerpunkt der Berichterstattung in Bayern. Die für den modernen Nachrichtenjournalismus kennzeichnende Trennung von Nachricht/Information und Kommentar/Meinung wurde in der Parteipresse der Weimarer Republik nicht eingehalten. So bemühten sich auch die Artikel der BVC erkennbar nicht um Objektivität. Politische Gegner wurden offen angegriffen – bis hin zur Diffamierung. Wertende Adjektive und Stilmittel wie Ironie machten auch in Berichten über scheinbar unpolitische Sachverhalte die Meinung der Partei deutlich. Oft wurden Reden und Stellungnahmen von BVP-Politikern und Gremien zu aktuellen Diskursen ganz oder auszugsweise im Wortlaut abgedruckt.

Rezeption

Auch ein großer Teil der neutralen und gegnerischen Presse bezog die BVC, denn der Pressedienst der wichtigsten bayerischen Regierungspartei hatte beste Beziehungen zu den politischen Entscheidungsträgern. Oft lieferte die BVC (auch in den Augen der gegnerischen Presse) aktuellere, fundiertere und detailliertere Informationen als die amtliche Bayerische Pressestelle, die das zeitweilige BVP-Mitglied Hans Eisele (1867-1957) leitete.

Die Bedeutung der BVC zeigt ein Gutachten aus dem Jahr 1920. Es gibt die Zahl ihrer Abonnenten mit 120 Zeitungen an; die Landeskorrespondenz der DDP hatte damals demnach 75, die der SPD 13 Bezieher (diese Zahlen sind nicht auf die folgenden Jahre übertragbar; vor allem die liberale Presse mit wichtigen Großstadtzeitungen verlor bis 1932 an Bedeutung zugunsten der nationalen Richtung; auch die Auflagenhöhe der Blätter ist hier nicht berücksichtigt).

Die meisten der BVC-Bezieher gehörten allerdings zur parteinahen Presse. Je nach Zeitpunkt der Zählung, Definition der Eigenständigkeit und Parteinähe waren das zwischen 120 und rund 160 Zeitungen; sie gehörten katholischen Verlegern und Verlagsgruppen oder waren im (Teil-)Besitz des Katholischen Preßvereins (u. a. der Bayerische Kurier) und katholischer Verbände wie dem Bayerischen Christlichen Bauernverein. Darunter waren viele kleine Heimatzeitungen in überwiegend katholisch geprägten Gebieten Bayerns. Bei Auflagen von zum Teil unter 10.000 hatten viele dieser Blätter kaum Geld für Redaktionspersonal. So druckten sie BVC-Texte ohne weitgehende redaktionelle Änderungen, auch als Leitartikel. Das ermöglichte der BVC den direkten, ungefilterten Zugang zum Leser. Nach einer Aufstellung für das Jahr 1932, bei einer geschätzten Gesamtauflage der Zeitungen in Bayern von rund 2,33 Mio., kam die relativ stabile BVP-nahe Presse auf eine Auflage von etwa 640.000; die SPD-Presse wird mit einer Auflage von rund 130.000 angegeben, der Bauernbund erreichte rund 150.000 Käufer, die NSDAP rund 160.000. Dabei ist zu beachten: Auflagenangaben aus der Weimarer Zeit - auch diese - gelten als weit überhöht (Größenordnung bis zu 25 %).

Die BVC als integrierender Faktor und als Propaganda-Instrument

Die BVC sorgte für die Geschlossenheit in der Berichterstattung der ihr nahe stehenden Presse und diente damit auch der inneren Integration der BVP-Anhängerschaft. Das war vor allem auch deshalb wichtig, weil die BVP - anders als etwa die SPD oder die NSDAP – keine parteieigene Zeitung besaß. Die parteinahen Heimatzeitungen hatten überdies in vielen kleineren Städten eine Monopolstellung inne, so dass sie (und damit die BVC-Texte) auch von Bürgern gelesen wurden, die nicht zu den Anhängern der BVP zählten.

Literatur

  • Paul Hoser, Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe der Münchner Tagespresse zwischen 1914 und 1934. 2 Bände, Frankfurt am Main 1990.
  • Matthias Lau, Pressepolitik als Chance. Staatliche Öffentlichkeitsarbeit in den Ländern der Weimarer Republik (Beiträge zur Kommunikationsgeschichte 14), Wiesbaden 2003.
  • Klaus Schönhoven, Die Bayerische Volkspartei 1924-1932 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 46), Düsseldorf 1972.

Quellen

  • Bayerische Volkspartei-Correspondenz, München 1921-1932.

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Empfohlene Zitierweise

Stefan Primbs, Bayerische Volkspartei-Correspondenz (BVC), publiziert am 29.1.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerische Volkspartei-Correspondenz (BVC)> (22.09.2017)