Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Bayerische Benediktinerakademie

Willibald Wolfsteiner (1855-1942), erster "Abtprotektor" der Akademie (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann).
von Stephan Haering OSB

Die im Wesentlichen am klassischen Typus einer Akademie orientierte Einrichtung wurde 1921 von der Bayerischen Benediktinerkongregation begründet. Sie fördert wissenschaftliche und künstlerische Bestrebungen auf Gebieten, die im Interessenbereich des Benediktinerordens liegen. Der Wirkungskreis der Akademie ist der gesamte deutsche Sprachraum mit einem nicht zuletzt in deren Geschichte begründeten Schwerpunkt in Bayern.

Gründung, Vorbilder, Ziele

Das Generalkapitel der 1858 neu errichteten Bayerischen Benediktinerkongregation beschloss am 30. März 1921 die Gründung einer Bayerischen Benediktinerakademie. Es folgte damit einer Anregung von P. Laurentius Hanser (1875-1929) aus der Abtei Scheyern, der mit der Akademie an die gelehrten Gesellschaften aus der Zeit der Aufklärung anknüpfen wollte.

Das Vorbild für die Bayerische Benediktinerakademie war die Societas Litteraria Benedictino-Bavarica, deren förmliche Gründung das letzte Generalkapitel der alten Bayerischen Benediktinerkongregation im Jahr 1797 beschlossen hatte. Sie ging schon nach wenigen Jahren zusammen mit den Klöstern in der Säkularisation (1803) unter.

Als erster Sekretär der Bayerischen Benediktinerakademie erhielt Hanser vor allem von Abt Placidus Glogger (1874–1941) aus Augsburg Unterstützung, dem damaligen Abtpräses der Bayerischen Benediktinerkongregation. Als erster "Abtprotektor" der Akademie fungierte Abt Willibald Wolfsteiner (1855–1942) aus Ettal. Von der Gründungsidee ausgehend, befasste sich die Akademie bevorzugt mit der Geschichte des eigenen Ordens. Die Satzungen sahen aber auch in anderen Wissensgebieten mögliche Arbeitsfelder. Auf den jährlichen Tagungen widmete man sich tatsächlich von Anfang an nicht nur ordensgeschichtlichen, sondern auch anderen theologischen, philosophischen oder naturwissenschaftlichen Themen.

Struktur

Die Bayerische Benediktinerakademie ist als gelehrte Gesellschaft konzipiert, deren Mitglied man nicht durch Beitritt, sondern durch Zuwahl seitens der ordentlichen Mitglieder wird. Die Akademie umfasste von Anfang an ordentliche, außerordentliche und Ehrenmitglieder. Die ordentlichen und die außerordentlichen Mitglieder tragen die wissenschaftliche Arbeit der Akademie, während mit der Ehrenmitgliedschaft Verdienste anderer Art um die Akademie gewürdigt werden. Als ordentliche Mitglieder kamen anfänglich nur Mönche der Bayerischen Benediktinerkongregation in Frage, als außerordentliche andere Benediktiner. Ab den 1960er Jahren wurden jedoch in hoher Zahl auch Nichtbenediktiner als außerordentliche Mitglieder aufgenommen.

Bald nach der Gründung entstanden Abteilungen bzw. Sektionen, die jeweils ein besonderes Arbeitsfeld betreuten (z. B. Ordensgeschichte, Liturgie, Pädagogik). Derzeit gibt es vier Sektionen für die Bereiche Theologie, Philosophie, Geschichte und Künste. Die Akademie zählt gegenwärtig (Stand: 15. November 2005) 170 Mitglieder (90 ordentliche, 74 außerordentliche und sechs Ehrenmitglieder). Diese verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Sektionen:

Sektion Zahl der Mitglieder
Theologische Sektion 43
Historische Sektion 77
Philosophische Sektion 21
Künstlerische Sektion 23

Der überwiegende Teil der Mitglieder wohnt in Bayern.

Organe und Rechtsform

Die Akademie leitete anfänglich ein Abtprotektor, den das Generalkapitel bestimmte. Ihn unterstützte ein Sekretär. Der Akademische Rat, bestehend aus den Leitern der Abteilungen (Sektionen) und weiteren Mitgliedern, beriet den Abtprotektor. Der Vollversammlung der ordentlichen Mitglieder oblag vor allem die Wahl neuer Mitglieder der Akademie.

Seit einer Statutenreform 1964 steht nicht mehr ein Abtprotektor, sondern ein von den ordentlichen Mitgliedern gewählter Präsident an der Spitze der Akademie, unterstützt vom Akademischen Rat (Vorstand), den die Dekane der Sektionen bilden. Die Dekane werden von den ordentlichen Mitgliedern der einzelnen Sektionen gewählt. Die Sektionsversammlungen, denen auch die außerordentlichen Mitglieder angehören, beraten die Vorhaben der jeweiligen Sektion.

Als Rechtsperson tritt die Akademie in Form eines eingetragenen Vereins auf, der seinen Sitz in München hat.

Tätigkeit: Tagungen und Publikationen

Die Bayerische Benediktinerakademie hält jährlich eine Vollversammlung ab. Die Sektionen führen regelmäßig Tagungen zu bestimmten Themen durch.

Zur Tätigkeit der Akademie gehörte in den ersten Jahren des Bestehens die Herausgabe eines gedruckten Jahresberichtes, in dem auch Vorträge veröffentlicht wurden. 1925 übernahm die Akademie die Herausgabe der 1880 begründeten Zeitschrift "Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige", der 1926 eine Ergänzungsreihe für ordensgeschichtliche Monographien angegliedert wurde (bis 2005: 74 Jahrgangsbände der Zeitschrift und 43 Bände der Ergänzungsreihe). Eine weitere monographische Reihe, in der zwischen 1936 und 1965 neun Bände erschienen, waren die "Abhandlungen bzw. Veröffentlichungen der Bayerischen Benediktinerakademie". 1965 wurde das Projekt "Germania Benedictina", ein historisches Handbuch zum Benediktinertum des deutschen Sprachraums, in Angriff genommen, in dessen Rahmen bis 2005 zehn Bände entstanden.

Weitere Ordensakademien

1947 entstand für den nordamerikanischen Raum die American Benedictine Academy. In Bayern wurde 1996 die Akademie der Augustiner-Chorherren von Windesheim mit Sitz in der Propstei Paring gegründet.

Literatur

  • Stephan Haering, Academia Benedictina. Zur Geschichte der Bayerischen Benediktinerakademie im 20. Jahrhundert, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 112 (2001), 467-487.
  • Stephan Schaller, Centenarium inter Centenaria. Itinerarium einer hundertjährigen Zeitschrift, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 91/I–II (1980), 23–60. (Betr. die Entwicklung der Zeitschrift „Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige“ von 1880 bis 1980)
  • Albert Siegmund, Die Bayerische Benediktiner-Akademie, ihre Vorväter und ihre Wiederbegründung, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 82 (1971), 365–378.

Quellen

  • Mitgliederlisten der Bayerischen Benediktinerakademie im jährlichen Catalogus der Bayerischen Benediktinerkongregation.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

Empfohlene Zitierweise

Stephan Haering OSB, Bayerische Benediktinerakademie, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerische Benediktinerakademie> (10.12.2018)