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Globus des Martin Behaim

Der Globus des Martin Behaim, 1492-1494. (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Inv-Nr. WI 1826)
Lithographische Abbildung des Globus nach Handzeichnungen von Friedrich Wilhelm Ghillany. (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Inv.-Nr. La 4044 Kaps 1036b)
Segmente des Globus in der Darstellung von Ernst Ravenstein (1834-1912). (Germanisches Nationalmuseum, Inv.-Nr. Bibl. 2° Bg 1348h, Foto: M. Runge)
Das 1890 enthüllte Denkmal für Martin Behaim in Nürnberg. (aus: Julie Groß, Nürnberg in Wort und Bild, Nürnberg 1906, ohne Seite)
Der berühmte Nürnberger Patrizier Martin Behaim unternimmt 1484 im Dienste der Krone Portugals seine wichtigen Entdeckungsreisen an der Westküste von Afrika. Wandbild im Gebäude des 1867 eröffneten Bayerischen Nationalmuseums (heute: Museum Fünf Kontinente). (aus: Karl von Spruner, Die Wandbilder des Bayerischen Nationalmuseums. 2. Band, München, 1868, Tafel 120. Abbildung aus dem Exemplar, das König Ludwig II. der Bayerischen Staatsbibliothek schenkte. [BSB Rar. 106])

von Ulrich Knefelkamp

Ältester erhaltener Globus der Welt, der 1492/93 in Nürnberg hergestellt wurde. Der Globus entstand im Auftrag des Nürnberger Stadtrats unter Anleitung von Martin Behaim (1459-1507), ein Nürnberger Kaufmannssohn, der nach Portugal ausgewandert war. Die Darstellung des Globus basiert sowohl auf antiken und mittelalterlichen Quellen als auch auf den Erkenntnissen der portugiesischen Entdeckungsreisen. Das 1492 entdeckte Amerika fehlt. Seit dem 19. Jahrhundert wurden Behaim und sein Globus fester Bestandteil des Nürnberger Geschichtsbildes und auch unter kolonial-politischen Vorzeichen vereinnahmt. 1937 erwarb das Germanische Nationalmuseum den Globus mit finanzieller Hilfe u. a. von Adolf Hitler (1889-1945).

Die Konstruktion des Behaim-Globus

Der Behaim-Globus im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg wird als der älteste erhaltene Erdglobus der Welt (1492/93) angesehen. Vorgänger sind nicht auf uns gekommen.

Der Globus hat einen Durchmesser von 51 cm. Nach den letzten Untersuchungen mit Röntgenstrahlen (1977) und mit Computer-Tomographie (1992) wurden bei der Herstellung durch den Bronzegießer Hans Glockengießer (gest. 1521) und den Rechenmeister Ruprecht Kolberger (gest. 1505) über einer Tonkugel vier Lagen leimverstärktes Leinen aufgelegt. Auf der zusammengesetzten Kugel wurden sechs Papierschichten in ganzen Bahnen aufgeleimt. Darüber kam dünnes Leder, das wiederum mit Papier überzogen wurde. Dieses Papier wurde bemalt und mit Schrift versehen. Die Polachse ist mit zwei Ösen an einem inneren Ring befestigt, um den ein zweiter äußerer Meridian-Ring verläuft. Beide Ringe werden von einem dreibeinigen geschmiedeten Eisengestell getragen. 1510 wurde ein schwerer Horizontring aus Messing mit Sonnen und Sternzeichen hinzugefügt.

Originalbild des Globus und Kopien

Angesichts der langen Geschichte des Globus ist es schwierig, Originalbild und Originalbeschriftung des Globus zu ermitteln. Schon im 17. Jahrhundert versuchten die ersten Nürnberger Gelehrten, die Schriften auf dem Globus zu ermitteln und das Kartenbild des Globus abzuzeichnen.

1847 wurde die erste Kopie erstellt, die in der Bibliothèque nationale de France in Paris steht. Weitere Kopien gab es von dieser Pariser Kopie z. B. für die Weltausstellung 1892 in Chicago und aus Anlass des 400-jährigen Jubiläums der Entdeckung Amerikas für Madrid und für Lissabon. Nur die Berliner Kopie im Deutschen Historischen Museum soll vom Original im Besitz der Familie Behaim genommen worden sein.

Der Globus dunkelte stark nach und wurde 1823 sowie in den 1930er Jahren restauriert, wobei Schriften und Bilder übermalt und wieder aufgetragen wurden. Neue Forschungsergebnisse zu Originalbild und -beschriftung des Globus sind angesichts neuer technischer Möglichkeiten mit Lichttechnik noch zu erwarten.

Martin Behaim und der Globus

Die Herstellung des Globus stand unter Aufsicht von Martin Behaim (1459-1507), der am 6. Oktober 1459 als Sohn einer angesehenen Kaufmannsfamilie in Nürnberg geboren und in Antwerpen als Kaufmann ausgebildet wurde. Behaim kam 1484 nach Lissabon, heiratete die Tochter von Jobst Hurter (1430-1495), dem flämischen Gouverneur der Azoren-Insel Fayal. Dort wurde ihm 1489 ein Sohn geboren. Mit dieser Heirat konnte er in Portugal in die bessere Gesellschaft aufsteigen und viele Informationen sammeln. Wegen seiner Verdienste soll er laut späteren Quellen vom König zum Ritter geschlagen worden sein. 1507 starb er in Lissabon.

Ab 1490 hielt sich Martin Behaim wegen Familienangelegenheiten in Nürnberg auf. Dort war zu der Zeit das Zentrum der innovativen Technik und Kunst und der kenntnisreichen Humanisten, die mit der berühmten Schedelschen Weltchronik (1492) beschäftigt waren. Mit ihren Kenntnissen und ihrer Hilfe wurde der Globus, der "Erdapfel", 1492/93 angefertigt. Über den jeweiligen Anteil der Beteiligten ist bisher nichts Genaues bekannt.

Das Kartenbild des Globus

Um das Bild der Welt auf einem Globus darstellen zu können, benötigten die Hersteller entsprechende Vorlagen, Karten und schriftliche Quellen. Das Kartenbild des Globus beruht im Wesentlichen auf Claudius Ptolemaios (ca. 100-178), dem bis dahin wichtigsten Kartographen aus dem 2. Jahrhundert. Vor allem die zu große Ausdehnung Asiens verdeutlicht dies.

Im Atlantik und bei der Küste Afrikas soll eine portugiesische Portulankarte, also eine Karte, die vor allem Häfen, Winde und Strömungen zeigte, und die Behaim mitgebracht haben soll, Vorlage gewesen sein. Die Portugiesen hüteten in der Regel ihre Geheimnisse streng, damit keine ausländische konkurrierende Macht von den Seerouten Kenntnis erlangen konnte. Zeitgenössische Portugiesische Portulane sind nicht erhalten, doch gibt es zwei in Italien hergestellte Karten des Kartografen Henricus Germanus Martellus (wohl aus Nürnberg, gest. 1496) von 1488/89. Sie zeigen das Bild der Welt zur Zeit der Fahrt des Christoph Kolumbus (1451-1506) mit aktuellen Informationen der portugiesischen Fahrten bis zur 1488 von Bartolomeu Dias (1450-1500) erreichten Südspitze Afrikas. Die Gestaltung besonders von Südafrika ähnelt der Darstellung des Globus.

Das 1492 entdeckte Amerika fehlt auf dem Globus.

Die Bedeutung des Globus

Über das Motiv zur Herstellung des Globus gibt es einige Hypothesen. Eventuell wollte Behaim mit ihm den Weg nach Westen Richtung Indien verdeutlichen, der zu dieser Zeit wegen der Pläne von Christoph Kolumbus in Lissabon diskutiert worden war. Mit dem drehbaren Globus wollte er aber wohl eher die Nürnberger Kaufleute überzeugen, auf welchen östlichen Wegen Richtung Indien es die begehrten Gewürze zu holen gab. Der Globus stellt Gebiete, in denen Gewürze wuchsen oder gehandelt wurden, besonders detailliert dar. Einschlägige Quellen, wie von Marco Polo (1254-1324), wurden direkt auf den Globus geschrieben. Dies sollte Nürnberger Kaufleute zu Investitionen animieren. Der Globus wurde vom Stadtrat bezahlt und zentral im Rathaus der Stadt Nürnberg aufgestellt, was seine besondere Bedeutung unterstreicht. Johannes Schöner (1477-1547), Martin Waldseemüller (ca. 1470-ca. 1518/21) und viele andere schufen weitere Globen nach seinem Vorbild.

Im 17. Jahrhundert wurde der Globus der Familie Behaim übergeben. Er landete später auf dem Speicher und wurde dort vernachlässigt, wie eine Beule zeigt. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Globus im Zuge der Legendenbildung um die Verdienste Martin Behaims wieder ins öffentliche Bewusstsein zurückgeholt. So stellte der national gesinnte Nürnberger Stadtbibliothekar Friedrich Wilhelm Ghillany (1807-1876) 1853 die These auf, dass der deutsche Wissenschaftler Behaim die Grundlage für den Erfolg der Portugiesen in der Entdeckungsgeschichte geliefert habe.

Die hohe symbolische Bedeutung des Globus zeigte sich vor allem, als die Familie ihn in den 1930er Jahren nach Amerika verkaufen wollte. Daraufhin brachten 1937 der Nürnberger Oberbürgermeister Willy Liebel (1897-1945) und Adolf Hitler (1889-1945) gemeinsam den von der Familie verlangten Kaufpreis auf. Sie schenkten den Globus dem Germanischen Nationalmuseum, zu dessen wertvollsten Objekten er zählt.

Literatur

  • Gerhard Bott (Hg.), Focus Behaim Globus. Ausstellungskatalog (Ausstellungskataloge des Germanischen Nationalmuseums), Nürnberg 1992.
  • Peter J. Bräunlein, Martin Behaim. Legende und Wirklichkeit eines berühmten Nürnbergers, Bamberg 1992.
  • Ulrich Knefelkamp, Der Behaim-Globus: Geschichtsbild und Geschichtsdeutung, in: Dagmar Unverhau (Hg.), Geschichtsdeutung auf alten Karten: Archäologie und Geschichte (Wolfenbütteler Forschungen 101), Wiesbaden 2003, 111-128.
  • Ulrich Knefelkamp, Die Neuen Welten bei Martin Behaim und Martin Waldseemüller, in: Michael Kraus/Hans Ottomeyer (Hg.), Novos Mundos-Neue Welten. Portugal und das Zeitalter der Entdeckungen. Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums Berlin 24. Oktober 2007 bis 10. Februar 2008, Dresden 2007, 73-87.
  • Ernest G. Ravenstein, Martin Behaim, his life and his globe, London 1908.
  • Johannes Willers (Hg.), Focus Behaim-Globus. Referate des internationalen Kolloquiums im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg 5.4.-6.4.1990, Nürnberg 1991.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Ulrich Knefelkamp, Globus des Martin Behaim, publiziert am 05.03.2012; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Globus des Martin Behaim> (17.11.2018)