Arbeitsgemeinschaft der Vaterländischen Kampfverbände, 1923

Ernst Röhm, Initiator der Arbeitsgemeinschaft; Fotographie 1918. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Hermann Kriebel, militärischer Leiter der Arbeitsgemeinschaft; Fotographie 1923. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Dr.Christian Roth (1873-1934), Staatsminister der Justiz (Amtliches Jahrbuch des Bayerischen Landtags, München 1921, S.173).

von Hans Fenske

Zusammenschluss der völkischen Wehrverbände, darunter Bund Oberland, Bund Wiking, Reichsflagge und SA, gegründet am 4. Februar 1923 auf Initiative von Ernst Röhm (1887-1934). Die Leitung hatten Christian Roth (1873-1934) und Hermann Kriebel (1878-1941) inne. Auf dem Deutschen Tag in Nürnberg (1./2. September 1923) entstand daraus der Deutsche Kampfbund.

Gründung 1923 während der Ruhrkrise

Das Jahr 1923 stand ganz im Zeichen der französisch-belgischen Ruhrbesetzung am 11. Januar und des deutschen Widerstands dagegen. In diesen Zusammenhang gehört auch die Gründung der Arbeitsgemeinschaft der Vaterländischen Kampfverbände am 4. Februar. Die Bünde Oberland und Reichsflagge, die Vaterländischen Bezirksvereine Münchens, der Gau Niederbayern des Bundes "Bayern und Reich" und die Sturmabteilungen (SA) der NSDAP bildeten eine Dachorganisation, "um die nationalen Machtgruppen in Bayern zu einer stoßkräftigen Bewegung zu machen."

Leitung und Organisation

Treibende Kraft war Ernst Röhm (1887-1934), der als Hauptmann im Stab des Wehrkreises VII tätig war und seit 1920 der NSDAP angehörte. Röhm hielt es angesichts der Ruhrbesetzung für unabdingbar, alle Machtmittel zu konzentrieren und Deutschland neu zu ordnen, damit schließlich der bewaffnete Kampf gegen Frankreich gewagt werden könne.

Die Arbeitsgemeinschaft konnte etwa 15.000 Mann aufbieten. Sie wurde durch einen mit Mehrheit entscheidenden Ausschuss geleitet. Ihr politischer Geschäftsführer war Christian Roth (1873-1934), 1920/21 bayerischer Justizminister, militärischer Leiter war der einstige Stabschef der Einwohnerwehren Bayerns, Oberstleutnant a. D. Hermann Kriebel (1878-1941).

Politischer Druck auf die Staatsregierung

Vom ersten Tage an drängte die Arbeitsgemeinschaft die Staatsregierung, konsequent national zu handeln. Sie scheute dabei auch nicht vor massivem Druck und Konflikten zurück. Das zeigte sich besonders deutlich, als sie die Kundgebungen der Linken am 1. Mai 1923 in München zu verhindern suchte. Gleichwohl war sie immer bestrebt, mit der Regierung im Gespräch zu bleiben.

Abspaltung der radikalen Verbände im Deutschen Kampfbund und Ende der Arbeitsgemeinschaft 1923

Anfang September 1923 wandelte sich die Arbeitsgemeinschaft während des Deutschen Tages in Nürnberg zum Deutschen Kampfbund um. An ihm nahmen die Bezirksverbände Münchens und der Gau Niederbayern nicht mehr teil, im Oktober schied auch die Mehrheit der Reichsflagge aus. Der Kampfbund nahm am 8./9. November 1923 am gescheiterten Hitlerputsch teil.

Literatur

  • Hans Fenske, Konservativismus und Rechtsradikalismus in Bayern nach 1918. Bad Homburg vor der Höhe 1969.
  • Harold J. Gordon jr., Hitlerputsch 1923. Machtkampf in Bayern 1923/24, Frankfurt am Main 1971.

Weiterführende Recherche

Verwandte Artikel

Empfohlene Zitierweise

Hans Fenske, Arbeitsgemeinschaft der Vaterländischen Kampfverbände, 1923, publiziert am 12.06.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Arbeitsgemeinschaft der Vaterländischen Kampfverbände, 1923> (21.05.2018)