
der Redaktion
Das Historische Lexikon Bayerns (HLB) stellt seit 2006 wissenschaftlich fundierte Informationen zur Geschichte Bayerns in Form von Sachartikeln online zur Verfügung. Es wird getragen von der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB), der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (KBLG) und der Konferenz der Landeshistoriker an den bayerischen Universitäten.
Entstehung
Das Historische Lexikon Bayerns (HLB) entstand Anfang der 2000er Jahre aus dem Desiderat heraus, dass die Bayerische Landesgeschichte mit dem Handbuch der Bayerischen Geschichte, dem Handbuch der Historischen Stätten oder der Großen Bayerischen Biographischen Enzyklopädie zwar auf bedeutende Handbuchdarstellungen und biographische Nachschlagewerke zurückgreifen konnte, nicht jedoch auf ein fundiertes Sachlexikon. Dieses sollte in Gestalt des HLB entstehen, dessen langfristiges Ziel die Berücksichtigung aller Epochen der bayerischen Geschichte durch kompakte und fundierte Sachartikel ist. Von Anfang an war beabsichtigt, dass das HLB nicht in gedruckter Form, sondern ausschließlich digital zur Verfügung stehen sollte.
Bearbeitung und Themen
Das HLB wird hauptsächlich anhand von Epochenmodulen erarbeitet. Es zählt gegenwärtig 1.502 Beiträge, darunter auch solche in englischer Übersetzung. Vielfach greifen Artikel über klassische Epocheneinteilungen hinaus, um langfristige Entwicklungslinien historischer Prozesse und Ereignisse zu verdeutlichen. Durch Querverweise untereinander sowie Setzung von Normdaten von historischen Akteuren und Orten sind die Artikel eng miteinander verflochten.
Die ersten 120 Artikel des Epochenmoduls 'Weimarer Republik' gingen 2006 online.
| Bearbeitungsbeginn | Epochenmodul | Zeitraum |
|---|---|---|
| 2005 | Weimarer Republik | 1918-1933 |
| 2007 | Spätmittelalter | Mitte 13. bis Anfang 16. Jahrhundert |
| 2008 | Zeitgeschichte (nach 1945) | ab 1945 |
| 2017 | Frühmittelalter | 6. bis Ende 10. Jahrhundert |
| 2018 | NS-Zeit | 1933-1945 |
| 2019 | 19. Jahrhundert | Ende 18. Jahrhundert bis 1918 |
| 2026 | Frühe Neuzeit | Anfang 16. bis Ende 18. Jahrhundert |
Während sich Artikel des 19. und 20. Jahrhunderts mehr auf gesamtbayerische und deutschlandweit relevante Themen beziehen, die dann auf Bayern Anwendung finden, behandeln Beiträge des Mittelalters und der Frühen Neuzeit stärker einzelne Regionen und ihre Besonderheiten.
Neben dem Territorium des Freistaates Bayern in seinem Stand von 1956 mit Ober- und Niederbayern, der Oberpfalz, Mittel-, Ober-, Unterfranken sowie Schwaben befasst sich das HLB auch mit Gebieten, die in der Vergangenheit mit Bayern verbunden waren, so vor allem der Pfalz und Teilen Österreichs.
Behandelt werden Themen der allgemeinen Landesgeschichte ebenso wie solche aus der Kunst-, Literatur-, Musik- oder Rechtsgeschichte.
Rezeption
Zielgruppe des HLB waren von Beginn an nicht nur Historiker, sondern auch Schüler, Lehrer und Heimatforscher. Bald nach seinem Onlinegang 2006 entwickelte sich das HLB zu einem der nachgefragtesten Web-Angebote der BSB, das sich auch bald fest im geschichtswissenschaftlichen Betrieb etablierte.
Zu einer erheblichen Ausweitung der Reichweite trug das im Zuge des Relaunch 2015 etablierte responsive Design bei, das die uneingeschränkte Nutzung des HLB auf mobilen Endgeräten ermöglicht. Zwar ist der Großteil der Leser des HLB im deutschen Sprachraum zu verorten. Der Umstand, dass aber ein gutes Viertel seiner Nutzer aus dem internationalen Ausland stammt, führte dazu, dass seit 2020 sukzessiv vorhandene Artikel ins Englische übersetzt werden.
Träger
Das HLB ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB), der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (KBLG) und der Konferenz der Landeshistoriker an den bayerischen Universitäten. Projektleitung, Redaktion und technische Betreuung sind an der BSB angesiedelt.
| Wissenschaftlicher Projektleiter | Zeitraum | Projektleiter | Zeitraum |
|---|---|---|---|
| Ferdinand Kramer | seit 2005 | Stephan Kellner | 2005-2020 |
| Florian Sepp | seit 2020 |
In seiner Anfangszeit war das HLB eng mit dem 2002-2025 bestehenden Internetportal "Bayerische Landesbibliothek Online" (BLO) verbunden. Eine ähnliche Verflechtung besteht seit 2013 mit dem bayerischen Kulturportal bavarikon.
Redaktion
Die Redaktion besteht aus Wissenschaftlichen Redakteurinnen und Redakteuren, die die verschiedenen Epochenmodule betreuen, einem Bildredakteur und Wissenschaftlichen Hilfskräften. Teilweise bestehen Abordnungen durch die KBLG.
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Die Redaktion des HLB, 2026. Von links nach rechts: Matthias Bader, Claudia Hundegger, Daniel Rittenauer, Anja Lochbrunner, Irmtraut Heitmeier, Stefan Schnupp. Fotografie Annabel Heitz.
Wissenschaftlicher Beirat
Die Artikel des HLB werden von einschlägigen Experten verfasst und einem Peer-Review-Verfahren unterzogen, um die wissenschaftlichen Qualitätsstandards zu gewährleisten. Der hierfür zuständige Wissenschaftliche Beirat setzt sich aus Professoren der landesgeschichtlichen Lehrstühle an den bayerischen Universitäten, Mitgliedern der KBLG und weiteren Fachleuten zusammen.
Technische Infrastruktur
Das erste Redaktionssystem, mit dem das HLB 2006 online ging, war eine vom Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ) der BSB maßgeschneiderte Eigenentwicklung. Dieses auf dem XML-Publishing-System Cocoon basierende Content Management System (CMS) erwies sich zunächst als leistungsfähiges und zuverlässiges Arbeitsinstrument, stieß jedoch durch stetig wachsende Anforderungen, die an das HLB gestellt wurden, im Laufe der Zeit an seine Grenzen. Neben neuen Funktionen (z.B. Artikelkategorisierung, flexible Bildanordnung) war eine generell einfachere Bedienbarkeit gefragt. Zusätzlich wurde ein transparenterer Redaktionsworkflow und eine bessere Medienverwaltung für die stark gestiegene Anzahl von Bildobjekten erwogen. Deshalb kam es Ende 2015 zu einem größeren Relaunch des Redaktionssystems, bei dem das HLB technisch auf die Basis von MediaWiki umgestellt und alle bisherigen Inhalte migriert wurden.
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Die Startseite des Historischen Lexikon Bayerns 2013.
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Startseite des Historischen Lexikon Bayerns 2026.
Das vor allem als Open-Source-Software von Wikipedia bekannte MediaWiki war für das HLB geradezu prädestiniert, weisen beide Online-Lexika doch inhaltlich und formal zahlreiche Gemeinsamkeiten auf, etwa in ihrem Fokus auf textbasierte Information oder der intensiven Vernetzung durch Hyperlinks sowie der Einbindung von Illustrationen und externen Quellen. Gleichzeitig musste MediaWiki durch die Programmierer des MDZ teilweise an die speziellen Bedürfnisse des HLB angepasst werden, etwa in Hinblick auf die Zugangsrechte ins Redaktionssystem, das bei Wikipedia grundsätzlich offensteht, beim HLB aber neben den Redakteuren auf ausgewählte Autoren und Beiräte beschränkt ist. Die Einführung von MediaWiki als etablierter und gut gepflegter Open-Source-Software ermöglichte die Umsetzung dieses spezifischen Workflows und eröffnete dem HLB zugleich neue Gestaltungsspielräume. Auch wurde dadurch der technische Wartungsaufwand erheblich reduziert und zugleich die Sicherheit und Zukunftsfähigkeit des Systems verbessert. Dank eines großen Fundus an MediaWiki-Erweiterungen konnten kurzfristig etliche Spezialanforderungen erfüllt werden.
Literatur
- Matthias Bader, Das Historische Lexikon Bayerns, in: Bibliotheksforum Bayern N.F. 7 (2013), Heft 1, 15.
- Matthias Bader, 10 Jahre Historisches Lexikon Bayerns, 10 Jahre wissenschaftlich fundierte Landesgeschichte im Internet, auch zur Pfalz, in: Die Pfalz 67/2 (2016), 16.
- Ellen Latzin, Bayerische Geschichte im Internet - das Historische Lexikon Bayerns, in: Weiß-Blaue Rundschau 50 (2007), Heft 1, 14–15.
- Ellen Latzin, Bayerische Geschichte im Internet: das Historische Lexikon Bayerns, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 69 (2006),3, 993-1004.
- Ellen Latzin, Das "Historische Lexikon Bayerns" im Internet, in: Archiv für Geschichte von Oberfranken 86 (2006), 443-446.
- Ellen Latzin, Die bayerische Geschichte geht online: das Historische Lexikon Bayerns, in: Schönere Heimat 96 (2007), Heft 1, 44 – 45.
- Ellen Latzin, Historisches Lexikon Bayerns im Internet, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 65 (2005), 325-328.
- Florian Sepp, Das "Historische Lexikon Bayerns": ein Internet-Lexikon auch zur fränkischen Geschichte, in: Frankenland N. F. 59 (2007), Heft 3, 214–217.
- Florian Sepp, Das historische Lexikon Bayerns: ein Internet-Lexikon zur bayerischen und fränkischen Geschichte, in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 59 (2007), 403–409.
- Florian Sepp, Das Historische Lexikon Bayerns: ein Internet-Lexikon zur bayerischen Geschichte in: Passauer Jahrbuch 49 (2007), 219 – 221.
- Florian Sepp, Das historische Lexikon Bayerns: ein Internet-Lexikon zur bayerischen Geschichte, in: Jahrbuch der historischen Forschung in der Bundesrepublik Deutschland 2006 (2007), 109-114.
- Florian Sepp, Das historische Lexikon Bayerns: ein Internet-Lexikon zur bayerischen Geschichte, in: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 76 (2007), 293-298.
- Florian Sepp, Das Historische Lexikon Bayerns: ein Lexikon-Projekt der bayerischen Landeshistoriker, das ausschliesslich im Internet entsteht, entwickelt sich Erfolg versprechend, in: Akademie aktuell 2007, Heft 3, 14–17.
Quellen
- Archiv von: Historisches Lexikon Bayerns (2012 ff.)
Weiterführende Recherche
Externe Links
HLB, Historisches Lexikon Bayerns
Empfohlene Zitierweise
Redaktion, Geschichte des HLB, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Geschichte_des_HLB> (22.06.2016)