Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Pfalzhilfe, 1919-1930

Der Bibliothekar Georg Reismüller (1882-1936) wurde im Zuge des Kunstförderungsprogrammes mit dem Aufbau einer Kreisbibliothek in Speyer beauftragt. (Foto aus: Die Bayerische Staatbibliothek in den letzen hundert Jahren, München 1932, S. 31)
Regierungspräsident Jakob Mathéus. (Abb. aus: Dokumente aus dem Befreiungskampf der Pfalz, Ludwigshafen 1930, S. 88)

von Helmut Gembries

Verschiedene finanzielle Hilfsmaßnahmen der bayerischen Regierung während der Besetzung der Pfalz 1919-1930, darunter der Pfalzhilfsfonds über 10 Mio. Reichsmark vom 16. August 1919 und die Pfalzhilfe von 1925, für die der Landtag am 20. Februar 1925 erneut 10 Mio. Mark zur Verfügung stellte. Die Gelder waren für kulturelle, wirtschaftliche und soziale Zwecke in der Pfalz bestimmt.

Der Pfälzische Hilfsfonds von 1919

Um der Pfalzpolitik der französischen Besatzungsmacht und ihrer Propaganda entgegenzuwirken, bewilligte der bayerische Landtag am 16. August 1919 den mit 10 Mill. Mark dotierten so genannten Pfälzischen Hilfsfonds. Aus ihm wurden bis Ende Februar 1920 2,2 Mill. Mark zur Verbesserung des Schulwesens, 2 Mill. Mark für die Kunstförderung, 1,7 Mill. Mark zur Unterstützung von Landwirtschaft und Weinbau, 1,4 Mill. Mark zur Förderung von Wissenschaft und Volksbildung und 0,95 Mill. Mark für soziale Zwecke wie den Bau eines Erholungsheims für Beamte und Lehrer und die touristische Erschließung des Pfälzerwalds bereitgestellt. Die restlichen 1,75 Mill. Mark wurden der bayerischen Zentralstelle für pfälzische Angelegenheiten, der so genannten Pfalzzentrale, für ihre Propaganda-, Nachrichten- und Vermittlungsdienste zwischen der besetzten Pfalz und München überlassen.

Bei den Beratungen über die Mittelvergabe hatten die Bürgermeister der pfälzischen Städte und die Vertreter der Interessenverbände gegenüber dem zum Pfalzkommissar bestellten Regierungspräsidenten Theodor von Winterstein (1861-1945) mehrere Änderungen durchsetzen können. So wurden die im Rahmen der Kunstförderung vorgesehenen Mittel für Theater- und Konzertaufführungen auf 1,8 Mill. Mark verdoppelt, aber zu über 85% für Baumaßnahmen an städtischen Theater- und Konzertgebäuden eingeplant. Die für den Aufbau einer Kreisbibliothek gedachten 900.000 Mark waren um nahezu die Hälfte gekürzt worden. Gleichwohl gelang dem aus München abgeordneten Bibliotheksrat Dr. Georg Reismüller (1882-1936) bis zum 1. Mai 1923 der zügige Aufbau der dann von ihm geleiteten Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer, zumal er dabei auf vorhandene oder gespendete Bestände öffentlicher und privater Bibliotheken zurückgreifen konnte. Die Verwirklichung der anderen Projekte scheiterte vielfach an der immer stärkeren Geldentwertung.

Die Pfalzhilfe von 1925

Nach dem Ende der separatistischen Wirren und dem Abschluss des Londoner Abkommens über den Dawesplan bewilligte der bayerische Landtag am 20. Februar 1925 10 Mio. RM für den Wiederaufbau der Pfalz. Davon wurden 2 Mio. RM zum Bau von Krankenhäusern, Erholungsheimen, Beamten- und Lehrlingswohnungen, zu Fürsorgezwecken und zur Förderung von landwirtschaftlichen und gewerblichen Ausstellungen verwendet. Der größere Teil von 8 Mio. RM blieb als so genannte Pfalzhilfe Staatsvermögen. Wie die Staatsregierung in der Satzung der "Pfalzhilfe" verfügte, dienten sie dem Ausgleich wirtschaftlicher und kultureller Schäden, welche die Pfalz durch die französische Besetzung erlitten hatte und die auf anderem Weg nicht zu beheben waren. Wirtschaftliche Vorhaben von Einzelpersonen, Firmen, Gemeinden und sonstigen Einrichtungen sollten mit der Vergabe von zinsgünstigen Darlehen unterstützt werden. Fördermaßnahmen im kulturellen Bereich waren mit den erwirtschafteten Zinsen zu finanzieren.

Für die Abwicklung waren die Staatsbank und die örtlichen Kreditinstitute zuständig. Die Verwaltung der "Pfalzhilfe" und die Entscheidung über die Darlehensgesuche lag in den Händen des pfälzischen Regierungspräsidenten Jakob Mathéus (1862-1946). Über die Vergabe von Darlehen bis zu 1.000 RM konnte er selbständig entscheiden, ansonsten hatte er einen Beirat anzuhören. Dieser setzte sich aus Vertretern der Landwirtschaft, des Handwerks, des Einzelhandels, der Genossenschaften, der Arbeitnehmer und der Gemeinden zusammen, die der Regierungspräsident selbst zu berufen hatte.

Die zumeist niedrigen Darlehen wurden durchschnittlich nach zwei Jahren zurückgezahlt. So erlitt der Pfalzhilfefonds keine Verluste und konnte auch seine kulturellen Zwecke erfüllen. Allein im Rechnungsjahr 1925 flossen den kulturellen Einrichtungen der Pfalz 430.000 RM aus den Zinserträgen der "Pfalzhilfe" zu. Neben kirchlichen und karitativen Institutionen wurden insbesondere das Pfalzorchester, das Landestheater für Pfalz und Saargebiet, die Pfälzische Landesbibliothek, die Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, das Historische Museum der Pfalz in Speyer, das Gewerbemuseum in Kaiserslautern, der Pfälzische Verband für freie Volksbildung, die Volkshochschule Kaiserslautern, Volksbüchereien, Turn- und Sportvereine sowie Sängerbünde gefördert.

Literatur

  • Ernst Otto Bräunche, Die Pfalz muss deutsch bleiben. Finanzierung und Organisation der Abwehr gegen separatistische Bestrebungen in der Rheinpfalz 1918-1924, in: Hans Ammerich/Otto Roller (Hg.), Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Pfälzischen Hypothekenbank. 2. Teil: Beiträge zur Pfälzischen Geld- und Finanzgeschichte (Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Speyer 79), Speyer 1986.
  • Helmut Gembries, Verwaltung und Politik in der besetzten Pfalz zur Zeit der Weimarer Republik (Beiträge zur pfälzischen Geschichte 4), Kaiserslautern 1992.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Helmut Gembries, Pfalzhilfe, 1919-1930, publiziert am 16.04.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Pfalzhilfe, 1919-1930> (18.11.2018)