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Limpurg, Schenken von

Karte der Grafschaft Limpurg, Nürnberg 1749. (Bayerische Staatsbibliothek)
Wappen der Schenken von Limpurg im Scheiblerschen Wappenbuch um 1450/80. (aus: BSB Cod.Icon. 312 c, fol. 224)
Abbildung eines Schenken von Limpurg im Codex Manesse. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um Walther I. (1230 bis ca. 1249/52 bezeugt) oder einen seiner beiden Söhne Walther II. (1251/53-1282 bezeugt) oder Konrad I. (1256 bis ca. 1280 bezeugt). (Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, Bl. 082v)
Burg Limpurg, davor ein Fahnenschwinger der Stadt Schwäbisch Hall. Der Holzstich entstand nur wenige Jahre nach dem Erwerb der Burg durch die Reichsstadt. (aus: Wapen. Des heyligen Römischen Reichs Teutscher nation, Frankfurt am Main 1545, Bayerische Staatsbibliothek, Rar. 2155)
Fahnenschwinger mit dem Limpurger Wappen. (aus: Wapen. Des heyligen Römischen Reichs Teutscher nation, Frankfurt am Main 1545, Bayerische Staatsbibliothek, Rar. 2155)
Gaildorf, einer der beiden Hauptorte der frühneuzeitlichen Grafschaft Limpurg. (aus: Beschreibung des Oberamts Gaildorf, Stuttgart 1852)

von Thomas Steinmetz

Aus der Reichsministerialität stammendes fränkisches Adelsgeschlecht, das erstmals 1138 belegt ist. Namensgebend war das Hofamt des kaiserlichen Mundschenks, das die Goldene Bulle der Familie dauerhaft sicherte. Schon früh besaß die Familie hohen sozialen Rang. Auch ohne Standeserhebung galt sie seit dem 15. Jahrhundert als gräflich. Anfänglich benannte sich die Familie nach mehreren Burgen, darunter Schüpf im Taubergrund. Anlässlich der Streitigkeiten um König Heinrich (VII.) (1211-1242, reg. 1222/28-1235) ging Schüpf und weiterer Besitz der Familie verloren. Sie baute sich eine neue Herrschaft um Limpurg (bei Schwäbisch Hall) auf. 1441 entstanden die zwei Hauptlinien Limpurg-Gaildorf und Limpurg (später Limpurg-Sontheim), die beide um 1540 die Reformation einführten. 1713 starb die Familie aus.

Anfänge im 12. Jahrhundert

Die 1713 ausgestorbenen Schenken von Limpurg (Burgruine, Stadt Schwäbisch Hall) waren der bis in die Neuzeit überlebende Zweig eines der bedeutendsten Reichsministerialengeschlechter der Stauferzeit, deren erster Vertreter mit Schenk Konrad Pris 1138 in den Zeugenlisten König Konrads III. (1093-1152, reg. 1138-1152) genannt wird und bald von Schenk Walter Kolbo (1144/1157) abgelöst wird. Das Fehlen einer modernen Gesamtdarstellung sämtlicher im 12. und 13. Jahrhundert entstandenen Linien des Geschlechtes erschwert momentan dessen historische Bewertung.

"Schenk" - Von der Amtsbezeichnung zum Familiennamen

Die Nachkommen der Schenken Konrad Pris und Walter Kolbo waren unter sämtlichen Herrschern der Stauferzeit als königliche bzw. kaiserliche Schenken im Reichsdienst tätig. Der Schenk versah eines der vier königlichen Hofämter (Truchsess, Kämmerer, Marschall und Schenk) und nahm dadurch Anteil an der königlichen Herrschaftsausübung. Seit Ende des 12. Jahrhunderts wurde das Schenkenamt wie alle Hofämter indessen mit mehreren Personen gleichzeitig besetzt, ohne dass deren individuelle Zuständigkeiten in schriftlichen Quellen greifbar sind. Mit der Wende zum 13. Jahrhundert wurde die ursprüngliche Amtsbezeichnung Schenk bei den Schenken von Schüpf bzw. Limpurg zum Bestandteil des Familiennamens, da sie von allen männlichen Familienmitgliedern gleichzeitig geführt wurde.

Schüpf und andere namensgebende Burgen bis 1230

Als erster namensgebender Sitz der Reichsschenken ist Burg Schüpf im Taubergrund (Baden-Württemberg, Main-Tauber-Kreis) ab 1144 belegbar. Eine Generation später treten die linksrheinische Burg Neukastel (Lkr. Südliche Weinstraße, Rheinland-Pfalz) und die mittelfränkische Burg Tief (Lkr. Ansbach) hinzu, 1184 auch der befestigte Ort Wallhausen am Untermain und die nahe gelegene Klingenburg (beide Lkr. Miltenberg). Die genannten namensgebenden Vororte ergänzten im 13. Jahrhundert Burg Prozelten (Lkr. Miltenberg), Röttingen (Lkr. Würzburg) und Burg Reicheneck (Lkr. Nürnberger Land). Soweit bekannt, führten alle Angehörigen des Geschlechts im Wappen fünf Streitkolben, die alternativ auch als Schaufeln (= Schippen, auf Schüpf redend) gedeutet werden.

Entgegen den Behauptungen der älteren Literatur waren die Burgen Klingenberg und Prozelten am Untermain niemals Reichsburgen. Zumindest Klingenberg, das um 1100 vom Erzstift Mainz erworben worden war, dürfte jedoch im Zuge der Reichslandpolitik in die Hand der Reichsschenken gekommen sein. Ähnlich wird dies für das nahe gelegene, bereits im 13. Jahrhundert verlassene Wallhausen gelten. Wahrscheinlich sind auch die fränkischen Burgen Collenberg (nördlich von Fechenbach, Lkr. Miltenberg) und Colmberg (Lkr. Ansbach) Gründungen der Reichsschenken, da deren Namen (= Kolbenberg) auf das Wappen der Reichsschenken anspielen.

Trotz dieser Vielzahl von namensgebenden Burgen bleibt der Familienbesitz der Reichsschenken in der Frühzeit mangels aussagefähiger Quellen weitgehend unklar. Die frühesten nachweisbaren Eheverbindungen wurden bereits mit Töchtern aus edelfreien Familien eingegangen, was den hohen sozialen Rang der Reichsschenken unterstreicht.

Limpurg als neuer Sitz, Verlust von Schüpf und Schenkenberg

1230 erscheint die am Kocher gelegene Limpurg als neuer namensgebender und vermutlich allodialer Sitz des Geschlechtes, dessen territoriale Interessen sich damit nach Süden verschoben. Die Burgen Klingenberg und Prozelten gingen im Laufe des 13. Jahrhunderts dagegen an die Herren von Bickenbach bzw. die Grafen von Hanau verloren. Der Erbanspruch Schenk Walters von Limpurg (1226/1249) auf Langenburg an der Jagst (Lkr. Schwäbisch Hall) löste 1234 den bereits schwelenden Konflikt zwischen Kaiser Friedrich II. (1194-1250, reg. 1212-1250) und seinem Sohn Heinrich (VII.) (1211-1242, reg. 1222/28-1235) aus, der bekanntlich im Folgejahr zu Ungunsten der Partei Heinrichs enden sollte. Langenburg fiel an Gottfried von Hohenlohe (gest. 1254), dessen Nachkommen es noch heute besitzen.

Als Ersatz für den Schaden, der bei diesen Auseinandersetzungen Gottfried von Hohenlohe zugefügt wurde, mussten die Schenken die "Stammburg" Schüpf sowie eine Burg mit dem programmatischen Namen Schenkenberg samt umfangreichem Zubehör im Taubergrund an Gottfried von Hohenlohe abtreten. Beide Burgen gingen damit den Reichsschenken für immer verloren. Entgegen älterer Lehrmeinung lag die Burg Schenkenberg nicht bei Wertheim am Untermain, sondern ist mit Burg Lichtel westlich Rothenburg ob der Tauber (Baden-Württemberg, Main-Tauber-Kreis) identisch. Den herausfordernden Namen Schenkenberg ersetzten die Herren von Hohenlohe aus naheliegenden Gründen durch den politisch neutraleren Namen Lichtel. Schenk Konrad von Klingenburg (1225/1246) blieb durch die Ereignisse von 1235 offenbar unbehelligt.

Die Schenken von Limpurg im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit

Nach dem Verlust von Schüpf und Schenkenberg bemühte sich Schenk Walter II. von Limpurg (belegt 1249-1283) um den Aufbau eines eigenen Territoriums im Umfeld der Limpurg, wobei die unmittelbare Nachbarschaft der Reichsstadt Hall ihm unüberwindbare Grenzen setzte. Die Goldene Bulle (1356) sicherte das Erbschenkenamt dem König von Böhmen quasi konstitutiv zu. Den Schenken von Limpurg fiel dadurch der Rang des stellvertretenden und erblichen Reichsschenken zu (Vicepincerna de Lynburg). Das Schenkenamt besaß zu dieser Zeit aber nur noch einen zeremoniellen Charakter. Schenk Friedrich III. (ca. 1370-1414) gelang durch seine Heirat mit Elisabeth von Hohenlohe-Speckfeld und durch den Tod deren Bruders Johann im Jahre 1412 der Erwerb Speckfelds (Markt Einersheim, Lkr. Kitzingen). Die übrigen Erben konnten 1435 von seiner Witwe Elisabeth abgefunden werden. 1404 hatte Friedrich bereits Gaildorf zur einzigen Stadt der Herrschaft erhoben. Angesichts von neun von Schenk Friedrich III. hinterlassenen Söhnen war die Aufteilung der Herrschaft auf zwei Linien geradezu unvermeidlich. Schenk Konrad IV. (1396-1482) begründete die Linie Gaildorf, Schenk Friedrich V. (1400-1474) die Linie Limpurg (später Obersontheim). Verschiedene Besitzungen, so Speckfeld, blieben gemeinschaftlich. Nachdem die Limpurg 1541 an die Reichsstadt Hall verkauft worden war, schuf sich die bisher Limpurger Linie in Obersontheim und Speckfeld neue Residenzen. Spätere Generationen begründeten kurzlebige weitere Nebenlinien.

Die Schenken galten seit dem 15. Jahrhundert als de facto gräfliches Geschlecht und waren Mitglieder des fränkischen Reichsgrafenkollegiums. Entsprechend heirateten die Schenkensöhne seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert überwiegend in Grafenhäuser (u. a. Oettingen, Montfort, Hohenberg) ein.

Anhaltender Kinderreichtum nötigte im 15. Jahrhundert zur Unterbringung zahlreicher Schenkensöhne in verschiedenen Domstiften (u. a. Würzburg, Eichstätt, Passau und Augsburg), was zugleich das zeitgenössische Ansehen der Familie beweist. Schenk Gottfried (1403-1455) wurde 1442 Bischof von Würzburg. Schenk Georg (1470-1522) aus der Limpurger Linie war von 1505 bis 1522 als Georg III. Fürstbischof von Bamberg. In den Anfangsjahren seines Pontifikats ließ Bischof Georg III. die für die deutsche Rechtsentwicklung wichtige Bamberger Halsgerichtsordnung (Constitutio Criminalis Bambergensis) herausgeben. Um 1540 traten beide Hauptlinien zur Reformation über.

Trotz des vorherigen Kinderreichtums erlosch die Linie Limpurg-Gaildorf im Jahre 1690, die überlebende Linie Limpurg-Obersontheim im Jahre 1713. Beider Territorien wurden unter den verschiedenen Erben aufgeteilt und dadurch zersplittert. 1806 fiel das Hauptgebiet mit Gaildorf und Obersontheim an Württemberg, Speckfeld dagegen an Bayern.

Archivische Überlieferung

Die schriftliche Überlieferung der Schenken von Limpurg wird heute im Staatsarchiv Ludwigsburg aufbewahrt.

Literatur

  • Gudrun Berninger, Geschichte der Clingenburg und ihrer Herren, in: Friedrich Berninger (Hg.), 700 Jahre Stadt Klingenberg. Beiträge zur geschichtlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Klingenberg am Main, herausgegeben anläßlich der 700-Jahr-Feier der Stadt Klingenberg im Jahre 1976, Klingenberg 1976, 32-103.
  • Ernst Böhme, Das fränkische Reichsgrafenkollegium im 16. und 17. Jahrhundert. Untersuchungen zu den Möglichkeiten und Grenzen der korporativen Politik mindermächtiger Reichsstände, Wiesbaden 1989.
  • Walther Möller, Stammtafeln westdeutscher Adelsgeschlechter im Mittelalter. 1. Band, Darmstadt 1922, 42-45.
  • Karl Otto Müller, Das Geschlecht der Reichserbschenken zu Limpurg bis zum Aussterben des Mannesstammes, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 5 (1941), 215-243.
  • Volker Rödel, Die Schenken von Schüpf, in: Mein Boxberg 24 (1990), 21-46.
  • Thomas Steinmetz, Die stauferzeitliche Burg Prozelten und ihre Beziehung zur Burg Wildenberg, in: Burgen und Schlösser 29 (1988), 22-36.
  • Thomas Steinmetz, Schenkenberg - die verschollene Burg im Frankenland, in: Karl Borchardt/Ekkehart Tittmann (Hg.), Städte, Regionen, Vergangenheiten (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg 59), 39-55.
  • Gerhard Taddey, Limpurg, in: Hansmartin Schwarzmaier/Meinrad Schaab (Hg.), Handbuch der Baden-Württembergischen Geschichte. 2. Band: Die Territorien im Alten Reich, Stuttgart 1995, 407-411.
  • Gerd Wunder/Max Schefold/Herta Beutter, Die Schenken von Limpurg und ihr Land. Mit Abbildungen alter Ansichten (Forschungen aus Württembergisch-Franken 20), Sigmaringen 1982.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Thomas Steinmetz, Limpurg, Schenken von, publiziert am 27.10.2011; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Limpurg,_Schenken von> (15.11.2018)