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Pfälzisches Corps

Aufruf der separatistischen Regierung zur Bildung einer Wehrtruppe. (aus: Niemals. Dokumente aus dem Befreiungskampf der Pfalz, Ludwigshafen 1930, 48)

von Helmut Gembries

Bewaffnete Truppe des Separatistenführers Franz Josef Heinz (1884-1924), gegründet Anfang November 1923 zur Unterstützung der Putschpläne in der linksrheinischen Pfalz. Das Pfälzische Corps erlangte nur geringe militärische Bedeutung und wurde nach dem Ende der "Autonomen Pfalz" (17. Februar 1924) aufgelöst.

Einrichtung 1923

Zur Eroberung und Behauptung der Macht in der Pfalz versuchte der Separatistenführer Franz-Josef Heinz (1884-1924) Anfang November 1923 eine bewaffnete Truppe zu formieren, die er als so genanntes Pfälzisches Corps in drei Gruppen gliederte. Die erste Gruppe konzentrierte er im Raum Ludwigshafen-Speyer-Neustadt, die zweite in der Südpfalz um Landau und die dritte in der Westpfalz mit den Zentren Kaiserslautern und Pirmasens.

Das Corps als eigene vorzugsweise im pfälzischen Raum rekrutierte Truppe sollte ihn unabhängig machen von der Unterstützung durch die Einheiten des so genannten Rheinlandschutzes, die von den rheinischen Separatisten Joseph Friedrich Matthes (1886-1943) und Hans Adam Dorten (1880-1963) in die Pfalz entsandt worden waren. Dorten und Matthes hatten am 22. Oktober 1923 geputscht und in Koblenz eine "Rheinische Republik" ausgerufen. Nach einem entsprechenden Putsch sollte die Pfalz Teil dieser Republik werden. Heinz wurde in einer Kabinettsliste der "Rheinischen Republik" geführt. Zur Zusammenarbeit mit Dorten war er aber nur bereit, wenn die Pfalz gleichberechtigter Teil einer föderativen rheinischen Republik wurde.

Mitglieder und Aufgaben

Die Werbung für das Pfälzische Corps - auch Republikanische Wehr genannt - richtete sich an Männer im Alter zwischen 20 und 35 Jahren. Neben bester Verpflegung wurde ihnen ein täglicher Sold von 2 Francs versprochen. Verheiratete sollten 5 Francs zusätzlich erhalten. Dafür waren sie verpflichtet, militärischen Dienst zu leisten, sich nicht an Plünderungen und Ausschreitungen zu beteiligen und diese, falls erforderlich, energisch zu bekämpfen.

Die selten und dann meist nachlässig geführten Rekrutierungslisten ergeben - soweit sie überhaupt erhalten sind - kein verlässliches Bild von der zahlenmäßigen Stärke und dem Ausbildungsstand der Truppe und ihrer sozialen Struktur. Punktuell lässt sich für die 4. Kompanie feststellen, dass ihre Angehörigen bis auf einige wenige Ausnahmen in der Pfalz geboren und beheimatet waren. Etwa ein Drittel von ihnen war verheiratet und hatte Kinder unter 16 Jahren. Jeder zweite von ihnen war ungelernter oder angelernter Arbeiter, Tagelöhner oder ohne Beruf. Die andere Hälfte der Mannschaft setzte sich neben einem Winzer, einem Kaufmann und vier Händlern aus Angehörigen verschiedener Handwerksberufe vor allem des metallverarbeitenden Gewerbes zusammen. Arbeitslosigkeit dürfte in den meisten Fällen das Hauptmotiv für den Eintritt in das Pfälzische Corps gewesen sein.

Nur geringe militärische Bedeutung

Dem Bemühen, das Pfälzische Corps besser zu disziplinieren als den Rheinlandschutz, war nur geringer Erfolg beschieden. Wiederholt kam es zu gewaltsamen Übergriffen, insbesondere bei Requirierungen. Der militärische Wert des Corps war sehr gering, auch wenn die Mehrzahl der Angeworbenen im Weltkrieg Soldat gewesen war. Die wenigsten Männer verfügten über eine Waffe. Bei der Besetzung der öffentlichen Gebäude der Pfalz in der ersten Novemberhälfte 1923 waren die Separatisten stets auf die logistische und taktische Unterstützung der französischen Besatzungstruppen angewiesen.

Die im Speyerer Abkommen vom 17. Februar 1924 zur Beendigung der "Autonomen Pfalz" vorgesehene allmähliche Auflösung des Pfälzischen Corps und der in der Pfalz agierenden Gruppen des Rheinlandschutzes erfolgte ohne förmliche Entlassungsverfahren. Da den bayerischen Behörden untersagt war, gegen sie vorzugehen, konnte die Mehrzahl der Männer, die etwa in Speyer im Sold der Separatisten gestanden hatten, die Stadt binnen acht Tagen nach der Bekanntgabe des Abkommens ungehindert verlassen. Mehrere teilweise bewaffnete Gruppen trieben sich aber noch Mitte März 1924 in der Stadt herum.

Literatur

  • Joachim Kermann/Hans-Jürgen Krüger (Bearb.), 1923/24 - Separatismus im rheinisch-pfälzischen Raum. Katalog zu einer Ausstellung der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Koblenz 1989.

Weiterführende Recherche

Republikanische Wehr

Empfohlene Zitierweise

Helmut Gembries, Pfälzisches Corps, publiziert am 04.06.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Pfälzisches_Corps> (13.12.2018)