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Schlacht bei Alling, 19. September 1422

Schlachtort und Umfeld auf den Landtafeln 17 und 18 von Philipp Apian (1568): Links Alling und Hoflach (Lkr. Fürstenfeldbruck), die Amper sowie die Dörfer Aubing (Stadt München) und Germering (Lkr. Fürstenfeldbruck); rechts die Stadt München und das Dorf Pasing (Stadt München). (Bayerische Staatsbibliothek)
Alling (rot umkreist), die Münchner Schotterebene und die Stadt München (rechts) auf der topographischen "Carte de la Bavière", aufgenommen 1801 bis 1806. (L. Aubert/Charles Rigobert Marie Bonne, Carte de la Bavière, [Paris 1900])
Die Wittelsbacher Votivkirche in Hoflach (Gde. Alling, Lkr. Fürstenfeldbruck). (Foto: Hans Jürgen Stein)
Gesamtansicht des kurze Zeit nach der Schlacht geschaffenen Wandfreskos in der Kapelle von Hoflach. Von rechts nach links: die heilige Sippe, die Herzöge von Bayern-München unter dem Geleit des Hl. Georg, das ritterliche Gefolge (kniend) und das bürgerliche Aufgebot. (Foto: Hans Jürgen Stein)
Die Münchner Herzogsbrüder Ernst (reg. 1397-1438) und Wilhelm III. (reg. 1397-1435) sowie Ernsts Sohn Albrecht III. knien vor der Heiligen Sippe, geleitet vom Hl. Georg. Ausschnitt aus dem Hoflacher Wandfresko. (Foto: Hans Jürgen Stein)
Die Vertreter der Münchner Bürgerschaft, begleitet von Kriegsvolk. Ausschnitt aus dem Hoflacher Wandfresko. (Foto: Hans Jürgen Stein)
"Herzog Ernst rettet seinem Sohne Albrecht das Leben im Treffen bei Alling". 1422. Wandbild im Gebäude des 1867 eröffneten Bayerischen Nationalmuseums (heute: Museum Fünf Kontinente). (aus: Karl von Spruner Die Wandbilder des Bayerischen National-Museums. Band IV, München, 1868, Tafel 38. Abbildung aus dem Exemplar, das König Ludwig II. der Bayerischen Staatsbibliothek schenkte. [BSB Rar. 106])

von Bernhard Glasauer

Als Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt (reg. 1413-1443) im Bayerischen Krieg (1420-1422) kurz vor der Niederlage stand, führte er durch einen Vorstoß auf München die Schlacht bei Alling (Lkr. Fürstenfeldbruck) herbei. Ein Aufgebot der Herzöge von Bayern-München besiegte ihn und beendete damit die Kriegshandlungen. Ludwigs Motive für den Vorstoß sind unklar. Möglicherweise wollte er durch einen Verwüstungszug günstige Friedensbedingungen erzwingen. Die oft kolportierte Befreiung des jungen Herzogs Albrecht III. (reg. 1438-1460) aus feindlicher Umzingelung findet sich erstmals bei dem Geschichtsschreiber Veit Arnpeck (1435/40-1495). Vermutlich im Jahrzehnt nach der Schlacht errichteten die Münchner Herzöge am Ort der Auseinandersetzung eine Votivkapelle, die später mit einem Benefizium versehen wurde. Ein zeitgenössisches Fresko zeigt die Münchner Herzöge mit ihrem adeligen und bürgerlichen Gefolge in dankbarer Haltung vor der heiligen Sippe kniend.

Vorgeschichte der Schlacht

1420 eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen den in der Konstanzer Liga zusammengeschlossenen Fürsten und den beiden Ingolstädter Herzögen, Ludwig VII. (reg. 1413-1443) und seinem Sohn Ludwig VIII. (reg. 1443-1445). Während des Bayerischen Kriegs (1420-1422) gingen mehr als 1000 Dörfer in Flammen auf, insbesondere ab 1421, als der Krieg auch auf das Landshuter und Münchner Herzogtum übergriff. Im September 1422 stand Herzog Ludwig von Bayern-Ingolstadt vor der militärischen Niederlage. Seine wichtigsten Stützpunkte waren entweder von den Gegnern besetzt oder zerstört, weite Teile des Ingolstädter Territoriums verwüstet. Bereits am 15. August hatte sich Ludwig VII. gezwungen gesehen, einen Waffenstillstand mit Herzog Heinrich XVI. von Bayern-Landshut (reg. 1393-1450) und Markgraf Friedrich von Brandenburg (reg. 1417-1440) anzunehmen, den der Nürnberger Rat vermittelt hatte.

Warum Ludwig VII. in dieser Situation beschloss, einen Kriegszug ins Münchner Gebiet zu unternehmen, ist umstritten. Eine Rolle könnte die Hoffnung auf Unterstützung durch die Münchner Bürgerschaft gespielt haben, auf deren Hilfe er zumindest in der Vergangenheit hatte zählen können. Möglicherweise wollte er sich so in den Besitz der Stadt München setzen, um dann bei Verhandlungen ein wertvolles Pfand in der Hand zu haben. Wahrscheinlicher aber ist, dass Ludwig VII. nach dem Waffenstillstand mit seinen wichtigsten Gegnern, Markgraf Friedrich von Brandenburg und Herzog Heinrich XVI. von Bayern-Landshut, den Krieg gegen die Münchner Herzöge mit einem großen Verwüstungszug fortsetzen wollte, um sie somit womöglich zu einem für ihn günstigen Waffenstillstand zu zwingen.

Verlauf der Schlacht

In der Nacht vom 18. auf den 19. September 1422 erreichten die Ingolstädter Truppen - alles in allem wahrscheinlich ca. 500 Mann, berittene Söldner und Fußvolk, durch bäuerliche Kontingente verstärkt, die Amper entlang ziehend - das Münchner Gebiet. Herzog Ludwig VII. selbst nahm am Feldzug nicht teil. Noch in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden wurden die Dörfer Pasing (Stadt München) und Gauting (Lkr. München), wahrscheinlich auch Aubing (Stadt München) und Germering (Lkr. Fürstenfeldbruck) niedergebrannt. Daraufhin sammelten die Münchner Herzöge ihre Truppen, die sich zu einem großen Teil aus dem Münchner Bürgeraufgebot zusammensetzten, und traten den Ingolstädtern bei Alling (Lkr. Fürstenfeldbruck) entgegen. Der genaue Verlauf der Schlacht lässt sich nicht mehr rekonstruieren, zumal die Überlieferung stark differiert. Einig sind sich die Chronisten jedoch in der großen Zahl gefangener Ingolstädter, den relativ wenigen Gefallenen und der vernichtenden Niederlage der Ingolstädter Truppen.

Bedeutung

Die Niederlage in der Schlacht markiert die endgültige Niederlage Ludwigs VII. im Bayerischen Krieg. Am 2. Oktober 1422 musste er sich dem Waffenstillstandsgebot König Sigmunds (reg. 1410-1437) fügen. Dieser hatte zuvor den Reichskrieg gegen ihn ausgerufen, da sich Ludwig VII. einem Friedensschluss verweigert hatte. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Hussitenfeldzuges war König Sigmund an einem befriedeten Bayern gelegen.

Überlieferung und Rezeption

Nach der glaubwürdigsten und zeitnächsten Überlieferung, einem Bericht im Münchner Leib- und Ewiggeldbuch (1428-1558), wurden 80 Ingolstädter Wappengenossen und eine große Anzahl Bauern gefangen. Die Münchner Verluste wurden lediglich mit einem Toten angegeben. Dieser Bericht gibt die Ingolstädter Truppenstärke mit ca. 500 Mann an. Spätere Chronisten und Historiker wie Sigmund von Riezler (1843-1927) und Josef Würdinger (1822-1889) gehen von weitaus höheren Zahlen, nämlich bis zu 700 Reitern und 400 Gefangenen, aus. Auch die Berichte über eine versuchte Erstürmung Münchens durch einen Ingolstädter Hauptmann namens Wessentaler oder Westentaler sowie der über angeblich im Moor steckengebliebene und dadurch gefangengenommene Ingolstädter Ritter finden sich in den zeitnahen Quellen nicht. Ähnlich verhält es sich mit der oft kolportierten Geschichte von der Rettung Herzog Albrechts III. (1401-1460, reg. ab 1438) durch seinen Vater Ernst (reg. 1397-1438) in der Schlacht. Laut Veit Arnpeck (1435/40-1495) soll Albrecht während der Schlacht von Ingolstädter Truppen umzingelt und aufgefordert worden sein, sich zu ergeben, worauf Herzog Ernst sich zu seinem Sohn durchschlug und ihn vor der Gefangenschaft rettete. In den früheren Berichten finden sich jedoch keine Hinweise darauf. Ihre besondere Bedeutung bekommt diese Geschichte erst im Zusammenhang mit der Errichtung der Wittelsbacher Memorialkapelle in Hoflach bei Alling (Gde. Alling, Lkr. Fürstenfeldbruck) und den dafür angeführten Gründen.

Votivkapelle und Fresko in Hoflach

Nahe des Schlachtortes errichteten die Münchner Wittelsbacher eine Kapelle, die dem heiligen Georg und der hl. Maria gewidmet wurde, zum Dank für den Sieg in der Schlacht, oder möglicherweise auch zum Dank für die Errettung Herzog Albrechts durch seinen Vater in der Schlacht. Weder der genaue Zeitpunkt der Errichtung noch der Maler des Freskos im Innenraum lassen sich zweifelsfrei klären. Als wahrscheinlich kann gelten, dass Kapelle und Fresko im Jahrzehnt nach der Schlacht, jedoch spätestens in den 1430er Jahren entstanden. Das Fresko stammt möglicherweise vom Münchner Stadtmaler Gabriel Angler dem Älteren (1404-1483), zumindest deutet einiges darauf hin.

Das Fresko zeigt die heilige Sippe, zu deren Füßen die Teilnehmer der siegreichen Schlacht, die Münchner Herzöge Ernst und Wilhelm III. (reg. 1397-1435) sowie Ernsts Sohn Albrecht III. knien. Die Forschung interpretiert diese Geste zum einen als Ausdruck des Dankes an Gottessohn und Maria sowie als Bitte um Eintracht der Familie nach dem Vorbild der heiligen Sippe (Altmann, Schlacht, 227). Im Hintergrund überragt der Schutzpatron des Münchner Herrscherhauses, der heilige Georg mit seiner Fahnenlanze, die Herzöge.

Hinter den Herzögen schließen sich im Mittelteil des Freskos die Ritter an, darunter die Herren von Sedlitz, Eglofsheim, Zangberg, Höhenrain, Adelzhausen, Rohrbach und Closen. Darauf folgen in der linken Bildhälfte die Vertreter der Münchner Bürger, angeführt vom Bürgermeister Sinzinger, gefolgt von den Hauptleuten Bart, Schrenk, Tichtel und Pütrich sowie den Patriziern Ligsalz, Gießer und Diener. Auffallend ist der breite Raum, den die Bürger und Ritter auf diesem Votivbild einnehmen, was als Hinweis auf die tragende Rolle in der Schlacht gedeutet werden kann. In der starken bürgerlichen Repräsentation spiegelt sich möglicherweise auch das starke politische Gewicht der Münchner Bürgerschaft nach dem Ausgleich zwischen Herzögen und Stadtbürgern nach den Münchner Handwerkerunruhen in den Jahren 1397-1403.

Benefizium und geistliche Betreuung

Herzog Sigmund (reg. 1460-1467) stiftete 1467 ein Messbenefizium für das Seelenheil der in der Schlacht Gefallenen und der Stifterfamilie. Für den Benefiziaten wurde ein Haus an die Kirche angebaut. 1508 erweiterte Herzog Albrecht IV. (reg. 1465-1508) die Stiftung. Das Benefizium bestand bis 1824, als die Betreuung der Kirche der Pfarrei Puchheim (Lkr. Fürstenfeldbruck) übertragen wurde. 1924 kam sie zur Pfarrexpositur Alling.

Literatur

  • Lothar Altmann, Was ist Wahrheit? Die Schlacht bei Alling und die Wittelsbacher Memorialkapelle Hoflach, in: Ars Bavarica 88 (2007), 7-25.
  • Karl Batz (Hg.), Bayern-Ingolstadt, Bayern-Landshut 1392-1506. Glanz und Elend einer Teilung. Ausstellungskatalog, Ingolstadt 1992.
  • Beatrix Ettelt-Schönewald, Kanzlei, Rat und Regierung Herzog Ludwigs des Reichen von Bayern-Landshut (1450-1479). 1. Band (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 97), München 1996.
  • Bernhard Glasauer, Herzog Heinrich XVI. (1393–1450) der Reiche von Bayern-Landshut. Territorialpolitik zwischen Dynastie und Reich (Münchner Beiträge zur Geschichtswissenschaft 5), München 2009, 168-199.
  • Siegfried Hofmann, Das Herzogtum Bayern-Ingolstadt. Ausstellung im Herzogskasten, Ingolstadt 22. Juni bis 17. August 1980, Ingolstadt 1980.
  • Karin Kaltwasser, Herzog und Adel in Bayern-Landshut unter Heinrich XVI. dem Reichen (1393-1450), Diss. phil. Regensburg 2004.
  • Heinz Lieberich, Landherren und Landleute zur politischen Führungsschicht Baierns im Spätmittelalter, München 1964.
  • Volker Liedke, Die Münchner Tafelmalerei und Schnitzkunst der Spätgotik. 1. Teil (Ars Bavarica 17/18), München 1980.
  • Sigmund von Riezler, Geschichte Baierns. 3. Band: Von 1347 bis 1508, Gotha 1889, 261f.
  • Fridolin Solleder, München im Mittelalter, München 1938 [ND Aalen 1962], 467f.
  • Alfred Stange, Deutsche Malerei der Gotik. 10. Band: Salzburg, Bayern und Tirol in der Zeit von 1400-1500, München/Berlin 1960.
  • Josef Würdinger, Kriegsgeschichte von Bayern. 1. Band, München 1868.

Quellen

  • Karl Heinrich von Lang/Maximilian von Freyberg (Hg.), Regesta sive Rerum Boicarum Autographa. 12. Band: Continuatio 8, München 1849.
  • Georg Leidinger (Hg.), Veit Arnpeck. Sämtliche Chroniken (Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte Neue Folge 3), München 1915 [ND Aalen 1969].
  • Stadtarchiv München, Zimelie 28 [Leib- und Ewiggeldbuch 1428-1558], fol. 51r.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Bernhard Glasauer, Schlacht bei Alling, 19. September 1422, publiziert am 19.08.2009; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Schlacht_bei_Alling,_19._September_1422> (10.12.2018)