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Einladung zum Egerer Preissingen 1930. (Privatbesitz)
Einladung zum Egerer Preissingen 1930. (Privatbesitz)

Kurt Huber, Das Preissingen von Traunstein und Weilheim. (aus: Mitteilungen der Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutschtums 1932, Heft 1, S. 123-127)
Kurt Huber, Das Preissingen von Traunstein und Weilheim. (aus: Mitteilungen der Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutschtums 1932, Heft 1, S. 123-127)

Edwin Huber, Das Unterfränkische Volksliederwettsingen. (aus: Mitteilungen der Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutschtums, Jg. 1932, Heft 3, 379-384)
Edwin Huber, Das Unterfränkische Volksliederwettsingen. (aus: Mitteilungen der Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutschtums, Jg. 1932, Heft 3, 379-384)

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Preissingen, 1930-1936

In den Jahren 1930 bis 1936 wurden vor allem in Oberbayern (erstmals am 29./30. März 1930 in Egern), aber auch in anderen Teilen Bayerns und der Gottschee, einer ehemaligen deutschen Sprachinsel in Slowenien, mehrere Singwettbewerbe mit Volksliedern abgehalten. Die Preissingen prägten die regionale Volksliedsammlung und -pflege weit über den Zweiten Weltkrieg hinaus.


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Artikel von Josef Focht

Vorbilder und Begriff

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Das Preissingen geht als musikalischer Wettstreit aus verschiedenen älteren und zeitgenössischen Wurzeln hervor: aus dem frühneuzeitlichen protestantischen Meistersang, dem deutschnationalen Chorwesen des 19. Jahrhunderts und der im frühen 20. Jahrhundert europaweit zu beobachtenden Ausprägung des instrumentalen oder vokalen Wertungsspiels in wettkampfartiger Konkurrenz.

Der Terminus des "Preissingens" lehnt sich an ältere Begriffe an, etwa an solche des mittelalterlichen Minnesangs ("Preislied", "Preisrede") oder des frühneuzeitlichen Meistersangs ("Preissingen"), die im Sinn einer Konkurrenz im Liedvortrag neu definiert werden. Als synonyme Veranstaltungstitel wurden auch "Wettsingen", "Volksliedersingen", "Ausscheidungssingen" oder "Heimatsingen" verwendet.

Konzept des Egerer Preissingens 29./30. März 1930

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Das Anliegen des stilbildenden ersten Preissingens in Egern am Tegernsee war es 1930, "altes Volksliedgut, das sich in den bayerischen Bergen bei Bauern, Jägern, Flössern und Holzknechten usw. erhalten hat, zu sammeln und in geeigneter Weise wieder zu verbreiten" (Pressenotiz der Deutschen Stunde in Bayern, 5. März 1930).

Dieses Konzept fußte wesentlich auf der Volkslieddefinition des österreichischen Publizisten, Politikers und Lehrers Josef Pommer (1845-1918), die ab 1899 in der Zeitschrift "Das deutsche Volkslied" publiziert wurde. Sie fand auch in Teilen der Heimatkunstbewegung vor allem in München und Oberbayern zustimmende Aufnahme. Die aus der Heidelberger Romantik übernommene Volkslied-Idee wurde von Pommer im Sinne seiner chauvinistischen Bestrebungen der Erhaltung und Pflege der eigenen Kultur in den Kontext völkischer Ideologie gerückt sowie agrarromantisch, fremdenfeindlich, antisemitisch und rassistisch aufgeladen.

Persönlichkeiten und Trägerschaft

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Die prägenden Persönlichkeiten dieser Preissingen, die von 1930 bis 1936 in nahezu allen Teilen Bayerns sowie in der Gottschee veranstaltet wurden, waren der unter dem Künstlernamen Kiem Pauli bekannte Münchner Schauspieler, Musiker und Volksliedsammler Emanuel Kiem (1882-1960) sowie der Münchner Musikwissenschaftler Prof. Kurt Huber (1893-1943). Ihre Zusammenarbeit begann bereits 1925 mit gemeinsamen Phonographen-Aufnahmen zur Dokumentation von Volksliedern in Oberbayern. Der von den Wittelsbachern geförderte Kiem zog sich jedoch bereits nach dem Egerer Preissingen aufgrund eines schwelenden Konflikts mit Huber weitgehend aus dem gemeinsamen Vorhaben zurück. In den verschiedenen Städten der Preissingen wurden jeweils örtliche Kontaktpersonen als Organisatoren und Berater bei der Auswahl der Gesangsgruppen hinzugezogen.

Als institutionelle Träger betätigten sich 1930 die "Deutsche Stunde in Bayern" (der Vorläufer des "Bayerischen Rundfunks") und die kulturpolitisch konservative "Deutsche Akademie – Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und Pflege des Deutschtums" mit ihrer "Sektion für Deutsche Sprache, Literatur und Volkskunde", nach 1933 darüber hinaus örtliche Vereine und NS-Massenorganisationen, die den öffentlichen Erfolg der Veranstaltungen für sich nutzten.

Mediale und strukturelle Folgen

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Das bei den Preissingen dokumentierte Liedgut wurde in mehreren regionalen Liederbüchern veröffentlicht (Kiem Pauli: Sammlung Oberbayerischer Volkslieder, 1934; Kurt Huber und Kiem Pauli: Altbayerisches Liederbuch für Jung und Alt, 1936; Kurt Huber und Ludwig Simbeck: Niederbayerisches Liederbuch, 1939).

Der große Publikumserfolg der Preissingen bewirkte zunächst eine Vereinnahmung der Volksliedpflege durch die NS-Kulturpolitik (Anordnung des bayerischen Kultusministers Hans Schemm [1891-1935] vom 6. Juni 1934: "Sammeln von Volksliedern, Kinderliedern und Volksmusik in Bayern") und langfristig eine bis in die Gegenwart wirksame Popularisierung und Institutionalisierung der Volksmusikpflege. Zu ihren Folgen zählt nicht nur die Einrichtung einer Volksmusik-Redaktion im nachmaligen Bayerischen Rundfunk, sondern auch das Konzept einer zensierenden Wiederverbreitung gesammelter Quellen, die Normierung regionaler vokaler Aufführungspraktiken (etwa im Drei- oder Viergesang) oder die Entdeckung des Laiengesangs bzw. des Dialektliedes für die Massenmedien (Rundfunk und Tonträger). Ausschlaggebend für den Erfolg der Preissingen waren nicht zuletzt die "Volkssender-Ausscheidungssingen", die 1936 – im Jahr der Olympischen Spiele von Berlin und Garmisch-Partenkirchen – vom Rundfunk mit der NS-Massenorganisation "Kraft durch Freude" durchgeführt wurden. Ihre Gewinner durften im Sinne der NS-Propaganda bei der Funkausstellung in Berlin auftreten.

Die Volkslieder-Preissingen im Überblick

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"1. Oberbayerisches Preissingen" Egern 29./30. März 1930Veranstalter: Deutsche Akademie, Organisator: Emanuel Kiem
Niederbayerisches PreissingenLandshut 20./21. Juni 1931 (mit vorausgehenden Ausscheidungssingen in Plattling und Landshut), Veranstalter: Deutsche Akademie, Deutsche Stunde in Bayern, Organisatoren: Hans Möginger, Hans Lehner
Volkslieder-PreissingenTraunstein15./16. August 1931Veranstalter: Deutsche Akademie, Deutsche Stunde in Bayern, Organisator: Berthold Heinrich Withalm (1893-1953)
Huosigauer Heimatlieder-WettsingenWeilheim30. August 1931Veranstalter: Heimatverband Huosigau, Deutsche Akademie, Organisatoren: Robert Weyerer (1892-1969), Bruno Schweizer (1897-1959)
Unterfränkisches Volkslieder-WettsingenWürzburg7./8. Mai 1932Veranstalter: Deutsche Akademie, Deutsche Stunde in Bayern
VolksliedersingenMainburg22. Juli 1933Veranstalter: Volkstrachten-Verein Mainburg, Deutsche Akademie, Deutsche Stunde in Bayern, Organisator: Albert Fichtner (1903-1966)
HeimatsingenFreising2. September 1933Veranstalter: Stadt Freising, Deutsche Akademie
Volkslieder-SingenStarnberg1934 geplant und wegen geringen Interesses entfallenVeranstalter: Volkstrachten-Verein Starnberg
VolksliedersingenBayreuth3. November 1934Veranstalter: Gaurundfunkstelle Bayerische Ostmark/Deutsche Stunde in Bayern, Deutsche Akademie
Heimatlieder-PreissingenPenzberg5. Mai 1935Veranstalter: Stadt Penzberg, Heimatvereinigung Penzberg, Reichsbund Deutscher Rundfunkteilnehmer, NS-Kulturgemeinde
Volkslieder-PreissingenKulmbach3. Juli 1935Veranstalter: Reichsverband Deutscher Rundfunkteilnehmer Gau Bayerische Ostmark, Deutsche Akademie, Organisator: Hans Möginger
1. Auslandsdeutsches PreissingenGottschee3./4. August 1935Veranstalter: Deutsche Akademie, Organisatoren: Fritz Berthold, Hans Arco
KinderpreissingenBurghausen9./10. Mai 1936Veranstalter: Deutsche Akademie, Deutsche Stunde in Bayern, Stadt Burghausen, Organisator: Emanuel Kiem
Volkssender-AusscheidungssingenBerchtesgaden, Kempten, Kulmbach, Passau, Nürnberg, Donauwörth, Schweinfurt, Rottach-Egern, Bad Aibling und München1936Veranstalter: Deutsche Stunde in Bayern, NS-Organisation "Kraft durch Freude"

Literatur:

Quellen:

Weiterführende Recherche:

Externe Links:


Empfohlene Zitierweise:

Josef Focht, Preissingen, 1930-1936, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44789> (25.02.2011)


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Letzte Änderung: 25.02.2011