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    Ludendorff-Bewegung

    Titelblatt der Zeitschrift "Am heiligen Quell". Abb. aus: Am heiligen Quell deutscher Kraft 5 (1934/35), Titelblatt. (Bayerische Staatsbibliothek H. g. hum. 433 t-5)
    Thomas Vordermayer

    Aus dem 1925 gegründeten "Tannenbergbund" hervorgegangene völkisch-antisemitische Glaubensgemeinschaft um den Weltkriegsgeneral Erich Ludendorff (1865-1937) und seiner Frau Mathilde (1882-1962). Die der Bewegung zugrundeliegende Doktrin der "Deutschen Gotterkenntnis" beruht auf den Werken Mathilde Ludendorffs. Trotz weitgehender ideologischer Übereinstimmung wurde der Tannenbergbund von den Nationalsozialisten 1933 zunächst verboten, ehe die "Deutsche Gotterkenntnis" 1937 als staatlich anerkanntes Glaubensbekenntnis zugelassen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich der "Bund für Gotterkenntnis" zwar neu formieren, die Zahl ihrer Anhänger blieb aber marginal. Zwischen 1965 und 1977 war die Bewegung wegen verfassungsfeindlicher Betätigung verboten, seit den 1970er Jahren wird sie durch den Verfassungsschutz beobachtet. Weiterlesen


    Nationalpark Bayerischer Wald

    In den 1990er Jahren beginnt die Massenvermehrung des Borkenkäfers im Lusen-Rachel-Bereich. Das Bild, das sich ergibt, ist für die Bevölkerung nur schwer zu ertragen. Die Nationalparkverwaltung erntet große Kritik für die Philosophie „Natur Natur sein lassen“. Anfangs kommt die neue Baum-Generation nur langsam nach. (© Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald)
    Ute Hasenöhrl

    Der über 24.000 Hektar große Nationalpark Bayerischer Wald wurde am 7. Oktober 1970 als erster Nationalpark Deutschlands ins Leben gerufen. Mit dem angrenzenden tschechischen Nationalpark Šumava (Nationalpark seit 1991) bildet er heute das größte Waldschutzgebiet Mitteleuropas. Seine Genese war konfliktreich. Der feierlichen Eröffnung im Rahmen des Europäischen Naturschutzjahrs 1970 war eine mehrjährige Kampagne von Naturschutzvereinen vorausgegangen. Durch die systematische Mobilisierung der öffentlichen Meinung war es dabei gelungen, den Nationalpark gegen erhebliche Widerstände der staatlichen Forstverwaltung und der privaten Forstwirtschaft durchzusetzen. Nicht nur die Genese, auch die Weiterentwicklung des Nationalparks nach dem Prinzip „Natur Natur sein zu lassen“ (Hans Bibelriether, 1991) war kontrovers. Weiterlesen

    Parlamentarischer Rat

    Die in Pergament gebundene und auf Zerkall-Büttenpapier gedruckte Urschrift des vom Parlamentarischen Rats beschlossenen Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland wird im Deutschen Bundestag aufbewahrt. Sie kommt regelmäßig bei der Vereidigung von Bundespräsident und Bundeskanzler zum Einsatz. Die gezeigten Unterschriften stammen v​om Präsidenten des Parlamentarischen Rates, Konrad Adenauer (CDU, 1876-1967), und den beiden Vizepräsidenten Adolph Schönfelder (SPD, 1875-1966), zugleich Alterspräsident, und Hermann Schäfer (FDP, 1892-1966). (Deutscher Bundestag/Sylvia Bohn, Bildnr. 2708698)
    Michael F. Feldkamp

    Die Weichenstellung für die Errichtung eines westdeutschen Teilstaates bildete die sog. Londoner Erklärung der Westalliierten im Juni 1948. Sie war das Ergebnis der Unmöglichkeit einer einheitlichen Deutschlandpolitik der alliierten Siegermächte nach 1945. Mit der Erklärung wurden die westdeutschen Ministerpräsidenten aufgerufen, einen Parlamentarischen Rat zu bilden, dessen Mitglieder aus den elf westdeutschen Landesparlamenten gewählt wurden. Die Aufgabe des Parlamentarischen Rates war die Ausarbeitung einer verfassungs- und staatsrechtlichen Grundlage für die Gründung eines westdeutschen Teilstaates. Das Ergebnis der Beratungen war die Verabschiedung eines Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland am 8. Mai 1949, dessen Genehmigung durch die Westalliierten allerdings noch erfolgen musste. Weiterlesen

    Vita des Hl. Rupert

    Der Beginn der "Communis legenda sancti Rodberti episcopi" im sogenannten Windberger Legendar, der von 1141 bis 1191 im Kloster Windberg bei Passau zusammengestellt wurde. (Bayerische Staatsbibliothek Clm 22240 fol. 206v)
    Peter Fraundorfer

    Die Lebensbeschreibung des Hl. Rupert von Salzburg (gest. nach 716), im 8. Jahrhundert entstanden und ab dem 9. Jahrhundert überliefert, stellt eine der Hauptquellen für die um 700 in enger Verbindung mit den bayerischen Herzögen Theodo (gest. nach 716) und Theodebert (gest. nach 716) erfolgte Neubegründung der Salzburger Kirche dar. Mit Hinweisen zur herzoglichen Politik, aber auch zu Bevölkerungsverhältnissen und Raumorganisation trägt sie wesentlich zum Bild des agilolfingischen Herzogtums des frühen 8. Jahrhunderts bei. Verschiedene Redaktionen der Vita bis ins 15. Jahrhundert stilisierten den Hl. Rupert nach den Bedürfnissen der Zeit vom Bistumspatron des Frühmittelalters zur Identifikationsfigur der hochmittelalterlichen Kanonikerreform bis zum Slawenmissionar und Nothelfer gegen die Türkengefahr am Ende des Mittelalters. Weiterlesen

    Münchner Lach- und Schießgesellschaft

    Reportage Münchner Lach- und Schießgesellschaft bzw. 13. Programm „Die Pharisäer proben den Notstand“, Mai 1966 (v.l.n.r.): Hans-Jürgen Diedrich (1923–2012), Dieter Hildebrandt (1927–2013), Ursula Noack (1918–1988), Klaus Havenstein (1922–1998), Jürgen Scheller (1922–1996). Foto von Georg Fruhstorfer (1915-2003). (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv fruh-03902)

    Judith Kemp
    Die 1956 gegründete „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ zählt zu den bekanntesten deutschen Kabarettensembles. Unter der Leitung des Sportreporters und Regisseurs Sammy Drechsel (1925–1986) avancierte die Gruppe aus Ursula Noack (1918–1988), Hans Jürgen Diedrich (1923–2012), Klaus Havenstein (1922–1998), Dieter Hildebrandt (1927–2013) und dem später dazu gestoßenen Jürgen Scheller (1922–1996) zum für viele Jahre deutschlandweit führenden Kabarett, das v. a. das bundesdeutsche Zeitgeschehen mit satirischer Schärfe und komödiantischer Spielfreude sezierte und kommentierte und unzähligen Kabarettisten im deutschsprachigen Raum als Inspiration und Vorbild diente. Weiterlesen

    Tassilos Szepter

    Thronender König Saul in seinem Palast auf der Sella regia mit karolingischem Schwert und Szepter, das von einem karolingischen Soldatenkopf auf Globus bekrönt ist. Illustration zu Psalm 151 auf fol. 91v des Utrechter Psalters (Reims, 820–830). (Universitätsbibliothek Utrecht, Hs. 32, fol. 91v.)
    Egon Wamers

    Herzog Tassilo III. (reg. 748-788) besaß ein Szepter, das er 787 bei seiner Unterwerfung unter Karl den Großen (reg. 768-814, ab 800 Kaiser) diesem zusammen mit dem Land übergeben musste. Der überlieferte Vorgang zeigt die große Bedeutung dieses Szepters als Herrschaftssymbol der bairischen Herzöge, ohne dass dessen Hintergrund geklärt wäre. Derartige Szepter standen als Amtsinsignien in antiker Tradition und fanden im Mittelalter als hochrangige Würde- und Herrschaftszeichen weitere Verwendung. Allerdings ist von keinem anderen Herzog des frühmittelalterlichen Frankenreichs der Besitz eines Szepters bekannt, was eine Sonderstellung der bairischen Herzöge unterstreicht. Weiterlesen

    Bücherverbrennungen (1933)

    Bücherverbrennung auf dem Münchner Königsplatz am 10. Mai 1933. (Abb. aus: Völkischer Beobachter, Süddeutsche Ausgabe. München 12.5.1933, Beiblatt)

    Jürgen Kühnert
    Der Begriff Bücherverbrennungen bezeichnet eine Reihe von Aktionen, bei denen kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im gesamten Deutschen Reich unerwünschte Bücher und Schriften öffentlich verbrannt wurden. Die Bücherverbrennungen waren als symbolischer Vernichtungsakt zu verstehen und richteten sich gegen jegliche Literatur, die dem NS-Weltbild widersprach. Die wichtigsten Initiatoren waren die Hitlerjugend (HJ) und die Deutsche Studentenschaft (DSt). In Bayern lassen sich bisher 20 Bücherverbrennungen nachweisen. Die meisten standen im Zusammenhang mit einer Aktion zum "Tag der Jugend" am 7. Mai 1933. Die größte Bücherverbrennung in Bayern fand am 10. Mai 1933 in München statt, im Rahmen der studentischen "Aktion wider den undeutschen Geist". Weiterlesen

    Frankenführer

    Ankündigung einer Kundgebung des "Frankenführers" in Rothenburg o.T. am 25. März 1936. Anzeige in: Fränkischer Anzeiger Nr. 21 (24.3.1936), 1. (Bayerische Staatsbibliothek, 2 Eph.pol. 0 bt-70/71,1-6)

    Matthias Klaus Braun
    Seit Mitte der 1920er Jahre etablierte sich der Beiname "Frankenführer" als inoffizieller Titel für Julius Streicher. Der Begriff war allein an dessen Person gebunden. Die Bezeichnung rührte aus der vor 1933 eingenommenen Position Streichers innerhalb der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) her. Danach blieb sie bis 1945 zwar gebräuchlich, verschleierte aber die tatsächliche Reduzierung von Streichers Einflussgebiet auf Mittelfranken. Unter den führenden Nationalsozialisten war der Beiname "Frankenführer" eine Ausnahme neben der Titulatur Adolf Hitlers als "Führer". Weiterlesen


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