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Rheinlandschutz, 1923/24

Version vom 30. Juli 2019, 17:30 Uhr von imported>Twolf
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Aufruf der separatistischen Regierung zur Bildung einer Wehrtruppe. (aus: Niemals. Dokumente aus dem Befreiungskampf der Pfalz, Ludwigshafen 1930, 48)

von Gerhard Gräber

Bewaffnete Miliztruppe, mit der im Rheinland und in der Pfalz im Oktober und November 1923 die separatistischen Putsche durchgeführt wurden.

Gründung und Stärke

Solche paramilitärischen Einheiten entstanden nach der Vereinigung der separatistischen Organisationen im August 1923 in Düsseldorf, Bonn, Koblenz und Mainz. Auch in der Pfalz wurde im Laufe des Oktobers 1923 für den Rheinlandschutz rekrutiert.

Das Reservoir für die Rekrutierung fand sich zunächst unter der deutschen Arbeiterschaft in den Werkstätten der in französischer Regie betriebenen Reichsbahn: junge erwerbslose Männer, die 1923 im Laufe des passiven Widerstandes in den Dienst der Regiebahn getreten waren.

Die Stärke des Rheinlandschutzes dürfte bis Ende Oktober 1923 maximal 10.000 betragen haben, obwohl in der Literatur andere Zahlen (37.000) kursieren. Die pfälzische Putschtruppe ist im November 1923 mit ca. 500 bis 1.000 Mann zu beziffern.

Unterstützung durch die Franzosen

Die Franzosen duldeten die Aufstellung einer bewaffneten Truppe zunächst bloß; im Verlauf des Putsches erkannten sie die separatistische Miliz aber als Ordungsmacht im Interesse der Sicherheit der Besatzungstruppen an und erlaubten das Tragen von Waffen. Die französischen Besatzungsbehörden finanzierten den Unterhalt der Truppe mit, allerdings fand keine vollständige Alimentierung oder gar eine umfassende Ausrüstung mit Waffen statt.

Auflösung

Der Rheinlandschutz wurde in den rheinischen Gebieten Zug um Zug mit Zerfall der separatistischen Bewegung im Dezember 1923 und Januar 1924 aufgelöst. In Koblenz räumte allerdings erst am 9. Februar 1924 die "Obere Heeresleitung" mit einer Resttruppe das Schloss. In der Pfalz wurden viele Bewaffnete nach der separatistischen Eroberungsphase Anfang Dezember entlassen. Die Resttruppe wurde nach dem offiziellen Ende der Autonomen Pfalz am 17. Februar 1924 in Speyer aufgelöst. Bis zum 26. Februar 1924 waren alle Milizionäre entlassen, von den Franzosen mit einem kleinen Geldbetrag und einem Zivilanzug ausgestattet.

Literatur

  • Gerhard Gräber/Matthias Spindler, Revolverrepublik am Rhein. Die Pfalz und ihre Separatisten. Band 1: November 1918 - November 1923, Landau 1992.
  • Klaus Reimer, Rheinlandfrage und Rheinlandbewegung (1918-1933), Frankfurt am Main 1979.

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Gerhard Gräber, Rheinlandschutz, 1923/24, publiziert am 04.10.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Rheinlandschutz,_1923/24> (21.11.2019)




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