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Fränkische Dialekte

Übersichtskarte der Dialekte in Deutschland. (Entwurf und Ausführung: Alfred Klepsch)
Sprachräume in Franken. (Entwurf und Ausführung: Alfred Klepsch)

von Alfred Klepsch

Unter fränkischen Dialekten versteht die Forschung eine Reihe deutscher Dialekte, die im Main-Rhein-Gebiet beheimatet sind. Sie gehören zum nieder-, mittel- und oberdeutschen Sprachraum. Die fränkischen Regierungsbezirke umfassen größtenteils das ostfränkische Dialektgebiet, das dem Oberdeutschen zuzurechnen ist. Nur im westlichen Unterfranken (Aschaffenburger Raum) spricht man Rheinfränkisch (mitteldeutsch). Im übrigen Unterfranken dominiert das Unterostfränkische, in Mittel- und Oberfranken das Oberostfränkische. Gegenüber dem bairischen Sprachraum besteht im Nürnberger Raum eine breite Mischzone.

"Fränkisch" als Landschafts- und Sprachname

Im Norden des Freistaats Bayern ist eine Gruppe von Dialekten verbreitet, die volkstümlich insgesamt als "Fränkisch" bezeichnet wird. In der Fachsprache der Dialektologen wird für diese Mundarten traditionell die Bezeichnung "Ostfränkisch" verwendet. Die Diskrepanz in der Benennung hat historische Ursachen. Der moderne, volkstümliche Begriff "Fränkisch" bezieht sich auf die gegenwärtige politisch-administrative Einteilung Bayerns. Die Regierungsbezirke tragen seit 1837 die Namen der "Stämme": Bayern, Schwaben, Franken. Unter "Fränkisch" werden daher die Dialekte Ober-, Mittel- und Unterfrankens verstanden, die sich auffällig vom Altbairischen und vom Schwäbischen unterscheiden.

Dass auch außerhalb Bayerns Dialekte gesprochen werden, die genetisch mit den fränkischen Mundarten des nördlichen Bayerns verwandt sind, ist aus dem Bewusstsein der Bevölkerung weitgehend geschwunden. Im nördlichen Baden-Württemberg werden die dortigen Mundarten aber noch als "Fränkisch" oder "Hohenlohisch-Fränkisch" bezeichnet. Die hohenlohischen Gebiete gehörten zum Raum des historischen Franken, das im Fränkischen Reichskreis der Frühen Neuzeit seine feste Gestalt fand. Daher ist dort der Name "Franken" für das betreffende Gebiet noch in Gebrauch.

Die Sprachwissenschaft fasst das Gebiet der fränkischen Dialekte noch wesentlich weiter. Sie ordnet das Hessische und das Rheinpfälzische dem "Rheinfränkischen" zu; die Mundarten des Rheinlands südlich von Düsseldorf werden als "Mittelfränkisch" oder "Moselfränkisch" bezeichnet. Unter "Niederfränkisch" werden die Mundarten des nördlichen Rheinlands, der westlichen Niederlande und des nördlichen Belgiens zusammengefasst.

Einteilung des deutschen und des fränkischen Sprachgebiets

Das oben umrissene Areal der "fränkischen" Dialekte erstreckt sich also über weite Teile des westlichen deutschen und des niederländischen Sprachgebiets. Die Benennung und Abgrenzung geht zurück auf den Sprachhistoriker Wilhelm Braune (1850-1926), der sie für diejenigen historischen deutschen Schreibdialekte verwendete, die nicht als Niedersächsisch, Alemannisch oder Bairisch zu bezeichnen sind. Als sprachliches Kriterium zur Abgrenzung gegen das Alemannische führte er die Endung der 3. Person Plural an. Sie lautet im Alemannischen –et , z. B. sie saget, im Fränkischen aber –e(n), z. B. sie sage(n). In dieser Beziehung gleichen sich aber Fränkisch und Bairisch, so dass ein anderes Kriterium zur Abgrenzung dieser beiden Dialekte verwendet wird, nämlich das Personalpronomen der 2. Person Plural in Nominativ und Akkusativ. Die Formen lauten im Fränkischen ihr und euch, im Bairischen eß und enk.

Die traditionelle Einteilung der deutschen Dialekte in Anlehnung an die historischen Herzogtümer (Konzept der "Stammesdialekte") wird seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert modifiziert, teilweise auch überkreuzt durch eine eher innersprachlich motivierte Gliederung. Diese geht aus von einer Zweiteilung in Nieder- und Hochdeutsch, wobei das Hochdeutsche wiederum in Mittel- und Oberdeutsch gegliedert wird. Diese Einteilung orientiert sich an der in den Dialekten mehr oder weniger vorhandenen lauthistorischen Erscheinung der "Hochdeutschen Lautverschiebung". Dieser Vorgang fand im 5. bis 6. Jahrhundert statt und betraf die Aussprache der germanischen Verschlusslaute k, t und p. Wörter die diese Laute enthalten sind z. B. englisch "make", "tide" und "pound". Sie lauten im Standarddeutschen "machen", "Zeit" und "Pfund", im Niederdeutschen aber "maken", "Tid" und "Pund".

Zu den nieder- oder plattdeutschen Dialekten werden die Mundarten Westfalens, Niedersachsens, Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs gezählt. Sie grenzen an der "Benrather Linie", benannt nach dem Düsseldorfer Vorort Benrath, an die Gruppe der mitteldeutschen Dialekte. Diese weisen die Hochdeutsche Lautverschiebung nur teilweise auf. So lauten "machen" und "Zeit" in Frankfurt zwar hochdeutsch "mache" und "Zeit", "Pfund", "Apfel" und "klopfen" aber "Pund", "Appel" und "kloppe". Das germanische p ist in Hessen also nicht von der Hochdeutschen Lautverschiebung betroffen, sondern wird noch so wie in den anderen germanischen Sprachen ausgesprochen.

Die Dialekte Ostfränkisch, Schwäbisch und Bairisch gehören dem Oberdeutschen an. Hier ist die Hochdeutsche Lautverschiebung vollständig durchgeführt. Aus diesem Grund wird die deutsche Standardsprache auch als "Hochdeutsch" bezeichnet. Der Name hat nichts mit "hochstehend" im sozialen Sinne zu tun, sondern damit, dass die Standardsprache eher den hochdeutschen als den niederdeutschen Dialekten ähnelt.

Das Gebiet der gesamten fränkischen Dialektgruppe verteilt sich auf alle drei deutschen Sprachlandschaften. Niederfränkisch gehört zum Niederdeutschen, Mittel- und Rheinfränkisch zählen zum Mitteldeutschen und Ostfränkisch gehört zum Oberdeutschen.

Fränkische Dialekte in Bayern

Im heutigen Bayern kommen das mitteldeutsche Rheinfränkisch und das oberdeutsche Ostfränkisch vor. Rheinfränkisch ist nur im westlichen Unterfranken, und zwar in der Gegend zwischen Miltenberg und Alzenau, sowie in der Rhön verbreitet. Die dortigen Mundarten ähneln dem Hessischen Frankfurts stärker als dem Unter-Ostfränkischen Würzburgs. Der Kamm des Spessarts, wo einstmals die Grenze der Territorien des Erzbistums Mainz gegen das Fürstbistum Würzburg verlief, bildet auch die Grenze zwischen dem rheinfränkischen und dem ostfränkischen Dialekt. Sie wird definiert durch die "Appel/Apfel"-Linie, die das Mitteldeutsche vom Oberdeutschen scheidet. Zahlreiche weitere Unterschiede der beiden Dialekte grenzen hier unmittelbar aneinander. Die Grenzlinien bilden ein "Bündel", was zu einer besonders deutlichen Differenz zwischen westlichen und östlichen Mundarten führt. So lautet der mhd. Diphthong ei in den Wörtern "Kleid" und "breit" im Westen [a:] "Klaad", "braat", im Osten [ε:] "Klääd", "bräät". Der Infinitiv der Verben weist im Westen die Endung -e auf: "aisch will schloofe", im Osten ist er endungslos: "i will schloof".

Unter-Ostfränkisch

Die Merkmale des Unter-Ostfränkischen, die dieses vom Rheinfränkischen unterscheiden, sind in der Regel auch solche, die dem Unter-Ostfränkischen und dem südlichen Thüringischen gemeinsam sind. Es gab offenbar eine Zeit, in der die Menschen in Unterfranken mehr Kontakte nach Thüringen als nach dem Rhein-Main-Gebiet hatten. Historiker und Linguisten suchten diese Phase in der Zeit, als es noch ein vom Frankenreich unabhängiges Herzogtum Thüringen gab, das sich nach Süden bis zum Maindreieck erstreckte. Aber diese Epoche - beendet durch die Niederlage der Thüringer im Jahr 531 - liegt zu früh. Die meisten der spezifisch unterostfränkisch-thüringischen Sprachmerkmale entstanden erst später. Man denkt heute daher eher an die Zeit des thüringischen Amtsherzogtums im 7. Jahrhundert. In dieser Zeit breiteten sich sprachliche Neuerungen gleicher Art sowohl über Unterfranken als auch über Thüringen aus. Im 9. bis 12. Jahrhundert hingegen entwickelten sich Thüringisch und Unterostfränkisch auseinander. Während im Unterostfränkischen der mhd. Monophthong ô als [oa] gesprochen wird: "Broat", "Stroa" ("Brot", "Stroh"), lautet er im Thüringischen [u:]: "Bruut", "Struu". Nur im äußersten Norden Unterfrankens in der Gegend von Mellrichstadt ähneln die als "Hennebergisch" bezeichneten Mundarten in dieser Beziehung dem Thüringischen. Südlich davon schließt sich ein Gebietsstreifen an, in dem ein "Kompromiß" beider Lautungen verbreitet ist. Hier lauten die Beispielwörter "Bruat" und "Strua".

Ober-Ostfränkisch

Die Mundarten des größten Teils von Oberfranken (mit Ausnahme Coburgs) und des Westens von Mittelfranken werden als Ober-Ostfränkisch bezeichnet. Diese Dialektgruppe entstand im Rahmen des Ersten Landesausbaus durch Einwanderung von Siedlern aus dem nördlichen Oberrheingebiet in die bis dahin nicht oder durch Slawen besiedelten Gebiete um Rednitz und Obermain. Dies beweisen westmitteldeutsche Sprachmerkmale auf lautlicher Ebene, die im ganzen Gebiet des Ober-Ostfränkischen, aber auch in Hessen und in der Rheinpfalz verbreitet sind, nicht aber in Unterfranken. Dazu zählt die Monophthongierung von mhd. ei zu mundartlich [a:]: "Glaad", "braad" für "Kleid", "breit". Aber auch die Wortgeographie zeigt Verbindungen des Ober-Ostfränkischen nach Südwesten unter Umgehung Unterfrankens. So sind die Wörter "Flaschner" ("Klempner") oder "Mockelein" ("Kalb") zwar im nördlichen Baden-Württemberg und in Mittel- und Oberfranken, nicht aber in Unterfranken verbreitet. Auch der Norden des Ober-Ostfränkischen zeichnet sich durch einige thüringische Merkmale aus, die weiter südlich fehlen, wie z. B. die erwähnte Hebung von mhd. ô zu mundartlich [u:].

Süd-Ostfränkisch

Diese auch als "Hohenlohisch" bezeichnete Dialektgruppe weist größere Gemeinsamkeiten mit dem Ober-Ostfränkischen als mit dem Unterostfränkischen auf. Sie wird daher nicht immer als ein dritter Subdialekt des Ostfränkischen, sondern nur als eine Varietät des Ober-Ostfränkischen eingestuft. Wie im (restlichen) Ober-Ostfränkischen ist hier mhd. ei als mundartlich [a:] vertreten (Glaad, braat). Der Infinitiv weist im Gegensatz zum Unter-Ostfränkischen eine Endung auf (i will schloofe). Hauptkriterium zur Abgrenzung gegen das nordöstliche Oberostfränkisch ist die Aussprache von auslautendem –en. Im Süd-Ostfränkischen bleibt der Vokal erhalten und das –n schwindet (i will schloofe); im nordöstlichen Ober-Ostfränkischen schwindet der Vokal, während der Nasal erhalten bleibt (i will schloofm). Die so definierte Grenze verläuft genau auf dem Kamm der Frankenhöhe östlich von Feuchtwangen und Rothenburg.

Übergänge zwischen Ober-Ostfränkisch und Nordbairisch

Südlich des Fichtelgebirges ("Sechsämterland") und vor allem im Raum östlich und südlich von Nürnberg geht das Ober-Ostfränkische schrittweise in das Nordbairische, den Dialekt der Oberpfalz, über. Der Übergang ist im Fichtelgebirge sehr deutlich ausgeprägt, während er in Mittelfranken, in der Gegend um Weißenburg und Gunzenhausen schrittweise erfolgt und über größere Flächen ausgedehnt ist. Hier überschneiden sich ostfränkische, bairische und auch alemannische Merkmale so, dass jede sprachliche "Grenzziehung" sehr schwer fällt und willkürlich erscheinen muss. Auf der Karte erfolgt die nördliche und östliche Abgrenzung des "Weißenburger Raums" gemäß der Lautung von mhd. æ in den Wörtern mähen, sähen, drehen und nähen. Sie lauten im Oberostfränkischen meea, seea, dreea und neea, im Nordbairischen maan, saan, draan und naan.

Besonders gut erforscht ist der Nürnberger Raum (vgl. Steger 1968, S. 543-572). Hier gilt zwar, wie im Ober-Ostfränkischen "Glaad" ("Kleid") und "braad" ("breit"), aber auch, wie im Nordbairischen, "Schou" ("Schuh"), "grouß" ("groß") und "Drout" ("Draht"). Die mhd. Vokale uo, ô und â sind hier als steigende Diphthonge vertreten. Die Mundartmischung entstand im Hochmittelalter, als das ursprünglich zum bayerischen Nordgau gehörige, sehr dünn besiedelte Gebiet von den Staufern im Zuge der Reichslandpolitik kolonisiert wurde. Siedler aus dem westlichen Mittelfranken trafen hier auf eine bairischsprachige Urbevölkerung. Im Kontakt beider Gruppen entstand die Mischmundart des Nürnberger Raums. Im Territorium der Reichsstadt Nürnberg (in etwa dem heutigen Kreis Nürnberger Land entsprechend) verschoben sich die Grenzen einzelner bairischer Sprachmerkmale im Verlauf der Frühen Neuzeit immer weiter nach Osten. Dieser Vorgang hält aktuell immer noch an.

Zusammenfassung

Der historische Name "Fränkisch" wurde und wird auf eine Gruppe von deutschen Dialekten angewendet, die im Westen des deutschen Sprachgebiets verbreitet sind. Diese Dialekte vermitteln zwischen den Extremen des Niederdeutschen, des Alemannischen und des Bairischen und gehen an den Grenzsäumen mehr oder weniger fließend in diese über. Es gibt keine sprachlichen Merkmale, die im ganzen und nur im Gebiet des "Fränkischen" verbreitet und die damit "typisch" für das Fränkische sind. Das Fränkische weist Merkmale auf, die es gemeinsam mit einzelnen der Nachbardialekte hat, so dass zur Abgrenzung nicht immer dieselben sprachlichen Kriterien herangezogen werden können.

Die deutschen Dialekte bilden ein Kontinuum. Während sich die Randgebiete stark voneinander unterscheiden, weist die Mitte von allem etwas auf. Somit kann die Frage "Was ist Fränkisch?" nur durch die negative Definition "Was nicht Bairisch, Alemannisch, Ober- oder Niedersächsisch ist" beantwortet werden.

Literatur

  • Horst Haider Munske/Alfred Klepsch (Hg.), Sprachatlas von Mittelfranken. 7 Bände, Heidelberg 2003-2007.
  • Robert Hinderling (Hg.), Sprachatlas von Nordostbayern, Heidelberg 2004.
  • Werner König/Manfred Renn (Hg.), Kleiner Bayerischer Sprachatlas, München 2. Auflage 2006.
  • Hugo Steger, Sprachraumbildung und Landesgeschichte im östlichen Franken (Schriften des Instituts für Fränkische Landesforschung an der Universität Erlangen-Nürnberg I/13), Neustadt an der Aisch 1968.
  • Eberhard Wagner, Das fränkische Dialektbuch, München 1987.
  • Eberhard Wagner/Alfred Klepsch, Handwörterbuch von Bayerisch-Franken, Bamberg 3. Auflage 2008.
  • Norbert Richard Wolf (Hg.), Sprachatlas von Unterfranken. 6 Bände, Heidelberg 2005-2007.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Alfred Klepsch, Fränkische Dialekte, publiziert am 19.10.2009; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Fränkische_Dialekte> (20.11.2018)