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Kirche der ehemaligen Reichsabtei Elchingen - Kupferstich, 1817 (BSB Portrait- und Ansichtensammlung)
Kirche der ehemaligen Reichsabtei Elchingen - Kupferstich, 1817 (BSB Portrait- und Ansichtensammlung)

Ansicht der Reichsabtei Elchingen im 18. Jahrhundert - Zeichnung von K.A. Koch nach einem Gemälde im Ulmer Museum (aus: Franz Josef Hagel, Kloster Elchingen, Augsburg 1928, Bild 1).
Ansicht der Reichsabtei Elchingen im 18. Jahrhundert - Zeichnung von K.A. Koch nach einem Gemälde im Ulmer Museum (aus: Franz Josef Hagel, Kloster Elchingen, Augsburg 1928, Bild 1).

Ansicht der Reichsabtei Elchingen, Zustand um 1619 - Zeichnung von K.A. Koch (aus: Franz Josef Hagel, Kloster Elchingen, Augsburg 1928, Bild 4).
Ansicht der Reichsabtei Elchingen, Zustand um 1619 - Zeichnung von K.A. Koch (aus: Franz Josef Hagel, Kloster Elchingen, Augsburg 1928, Bild 4).

Plan der Reichsabtei Elchingen, Zustand um 1700-nachgezeichnet im frühen 20. Jahrhundert (aus: Franz Josef Hagel, Kloster Elchingen, Augsburg 1928, Bild 2).
Plan der Reichsabtei Elchingen, Zustand um 1700-nachgezeichnet im frühen 20. Jahrhundert (aus: Franz Josef Hagel, Kloster Elchingen, Augsburg 1928, Bild 2).

Ansicht der Reichsabtei Elchingen mit Stifterfamilie - Gemälde von 1685 (aus: Franz Josef Hagel, Kloster Elchingen, Augsburg 1928, Tafel 1).
Ansicht der Reichsabtei Elchingen mit Stifterfamilie - Gemälde von 1685 (aus: Franz Josef Hagel, Kloster Elchingen, Augsburg 1928, Tafel 1).

Die ehemalige Reichsabtei Ottobeuren - Reprint nach einen Holzstich, 1893 (BSB Portrait- und Ansichtensammlung)
Die ehemalige Reichsabtei Ottobeuren - Reprint nach einen Holzstich, 1893 (BSB Portrait- und Ansichtensammlung)

Über die Stiftung Ottobeurens durch den - urkundlich nicht belegten - Grafen Silach im 8. Jahrhundert (aus: Augustin Bayrhammer, Das Tausend-jährige und durch die Bischöfliche Einweihung der neuen Kirche geheiligte ottobeyren oder Merkwürdige Begebenheiten ..., Ottobeyren 1767, S. 146-149).
Über die Stiftung Ottobeurens durch den - urkundlich nicht belegten - Grafen Silach im 8. Jahrhundert (aus: Augustin Bayrhammer, Das Tausend-jährige und durch die Bischöfliche Einweihung der neuen Kirche geheiligte ottobeyren oder Merkwürdige Begebenheiten ..., Ottobeyren 1767, S. 146-149).

Klosterkirche der Reichsabtei St. Ulrich und Afra in Augsburg -  Stahlstich, 1779 (BSB, Portrait- und Ansichtensammlung
Klosterkirche der Reichsabtei St. Ulrich und Afra in Augsburg - Stahlstich, 1779 (BSB, Portrait- und Ansichtensammlung

Ansicht der Reichsabtei Kaisheim - nach einem Kupferstich des [[person:123290236:Joh. Müller]] von Nördlingen von 1790 (aus: P. Marian Gloning, Konrad Reuter. Abt von Kaisheim 1509-1590, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 33 [1912])
Ansicht der Reichsabtei Kaisheim - nach einem Kupferstich des Joh. Müller von Nördlingen von 1790 (aus: P. Marian Gloning, Konrad Reuter. Abt von Kaisheim 1509-1590, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 33 [1912])

Ansicht der Kaisheimer Klosterkirche, ca. 1850 (aus: Martin Scheidler, Chronik des ehemaligen Reichsstiftes Kaisersheim nebst einer Beschreibung der Kirche, Nördlingen 1867, Tafel 6).
Ansicht der Kaisheimer Klosterkirche, ca. 1850 (aus: Martin Scheidler, Chronik des ehemaligen Reichsstiftes Kaisersheim nebst einer Beschreibung der Kirche, Nördlingen 1867, Tafel 6).

Ansicht des Reichsstifts Roggenburg nach einem Stich von 1788 - Künstler: [[person:119059541:Martin Kuen]] (aus: Ludoph Weiler, Versuch einer topographischen Geschichte der Pfarrei Roggenburg ..., Augsburg 1828).
Ansicht des Reichsstifts Roggenburg nach einem Stich von 1788 - Künstler: Martin Kuen (aus: Ludoph Weiler, Versuch einer topographischen Geschichte der Pfarrei Roggenburg ..., Augsburg 1828).

Ansicht des Reichsstifts Wettenhausen, um 1658 (aus: Franz Mayer, Geschichtsbilder vom ehemaligen Reichsgotteshaus Wettenhausen, Illertissen 1928, S. 78).
Ansicht des Reichsstifts Wettenhausen, um 1658 (aus: Franz Mayer, Geschichtsbilder vom ehemaligen Reichsgotteshaus Wettenhausen, Illertissen 1928, S. 78).

Ansicht des Reichsstifts Wettenhausen, um 1760 (aus: Franz Mayer, Geschichtsbilder vom ehemaligen Reichsgotteshaus Wettenhausen, Illertissen 1928, S. 100).
Ansicht des Reichsstifts Wettenhausen, um 1760 (aus: Franz Mayer, Geschichtsbilder vom ehemaligen Reichsgotteshaus Wettenhausen, Illertissen 1928, S. 100).

Leichenpredigt für die Äbtissin des Reichsstifts Edelstetten ( gedruckt in Dillingen 1682) - Titelblatt
Leichenpredigt für die Äbtissin des Reichsstifts Edelstetten ( gedruckt in Dillingen 1682) - Titelblatt

Beschreibung der bayerisch-schwäbischen Reichsstifte/-klöster (aus: A.[...] H.[...], Neu-Bayern, oder: geographisch-topographische Beschreibung der in dem schwäbischen Kreise dem Kurhause Pfalz-Bayern nunmehro zugehörigen Fürstenthümer, Reichsstädte und Reichsprälaturen ..., München 1805, 35-43).
Beschreibung der bayerisch-schwäbischen Reichsstifte/-klöster (aus: A.[...] H.[...], Neu-Bayern, oder: geographisch-topographische Beschreibung der in dem schwäbischen Kreise dem Kurhause Pfalz-Bayern nunmehro zugehörigen Fürstenthümer, Reichsstädte und Reichsprälaturen ..., München 1805, 35-43).

Übersicht: Die (Gebäude-)Nachnutzung der säkularisierten Reichsstifte/-klöster des bayerischen Schwabens (Sarah Hadry).
Übersicht: Die (Gebäude-)Nachnutzung der säkularisierten Reichsstifte/-klöster des bayerischen Schwabens (Sarah Hadry).

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Reichsstifte in Schwaben

Stift oder Kloster, welches den Status der Reichsunmittelbarkeit erlangt hatte und somit außer dem Reichsoberhaupt keiner weiteren zwischengeordneten obrigkeitlichen Instanz unterstand – so zumindest die Theorie, die sich allerdings mit der komplexen Verfassungswirklichkeit im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Oberschwaben häufig nicht ganz deckte. Dem zumeist in den Jahrzehnten nach 1500 erfolgenden Aufstieg in die Reichsunmittelbarkeit gingen in der Regel die Abschüttelung der Vogteiherrschaft und besondere Beziehungen der Klosterleitung zu König bzw. Kaiser voraus. Der Aufbau eines eigenen klösterlichen Territoriums und der Erwerb von Sitz und Stimme in Kreis- und Reichstag gelang vielen, aber nicht allen schwäbischen Reichsstiften. Ein Phänomen, das reichsweit keine Parallele hatte, war die hohe Dichte an Reichsstiften, wie sie in Oberschwaben vorherrschte.


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Artikel von Sarah Hadry

Merkmale und Charakteristika von Reichsstiften

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Als wichtiges Kriterium gilt ein eigenes klösterliches "Territorium", dessen Steuern nicht an einen Landesherrn, sondern direkt ans Reich entrichtet wurden. Allerdings war die verfassungsmäßige Situation um 1500 noch recht offen: Nicht alle zu diesem Zeitpunkt bereits in den Reichsmatrikeln genannten oder sich auf Vogtfreiheit berufenden schwäbischen Klöster und Stifte konnten sich in der Folgezeit in die anerkannte Gruppe der Reichsstifte einreihen. Die tatsächliche Zementierung des reichsunmittelbaren Status' erfolgte durch eine Reihe königlicher und kaiserlicher Privilegien erst während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Wichtig waren hierbei Bestätigungen aller früherer Privilegien (z. B. Verleihung von Niedergerichtsrechten) und die Befreiung von fremdem Gerichtsstand, vor allem aber die Aufnahme des Stiftes in den besonderen Schutz von König/Kaiser und Reich.

Reichs- und Kreisstandschaft erreichten einige Reichsstifte niemals und andere wiederum erst sehr spät, nämlich nach 1750. Hieraus ergibt sich, dass scharfe verfassungsgeschichtliche Kriterien nur bedingt zur Charakterisierung von Reichsstiften dienlich sind. Auch landsässige Klöster wurden im 15. Jahrhundert mit Reichsanlagen belastet, stellten kaiserliche Räte, entwickelten ein Territorium oder kauften und übten Hochgerichtsrechte. Eine allzu schematische Trennung zwischen reichsunmittelbaren und landsässigen Klöstern ist daher problematisch.

Typisch für die schwäbischen Reichsstifte war außerdem eine Zugehörigkeit zu den alten Orden (Benediktiner, Prämonstratenser, Zisterzienser, Augustiner-Chorherren). Man kann sogar sagen, dass die Mehrheit der alten Klöster Oberschwabens zu Reichsstiften wurde (mit Ausnahme der Frauenklöster). Kollegiatstiften, Bettelordensklöstern oder Niederlassungen von neuen Orden der Barockzeit gelang der Aufstieg in die Reichsunmittelbarkeit hingegen nicht. Hier besteht eine Analogie zu den ständischen Klöstern des Herzogtums Bayern. Sonderfälle waren die Kartäuser in Buxheim und die Klarissen zu Söflingen - beide erhielten ihre Reichsunmittelbarkeit nicht als Folge eines längeren Prozesses, sondern durch obrigkeitliche Akte.

Zur Terminologie

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Während "Kloster" sich vom Lateinischen "claustrum" (geschlossener Ort) ableitet, weist der Begriff "Stift" auf die Versorgung seiner Angehörigen aus einem Stiftungsvermögen hin. Im engeren kirchenrechtlichen Sinne bezieht sich "Stift" auf Klerikergemeinschaften sowie Frauenkommunitäten, die nicht nach einer Ordensregel leben (Kollegiatstifte, Damenstifte, Domkapitel). Im allgemeinen Sprachgebrauch und besonders in der Handbuchliteratur werden aber auch die Klöster der Prälatenorden gerne als Stifte bezeichnet.

Letztlich hat sich in der Literatur für diejenigen Klöster und Stifte, die seit dem 16. Jahrhundert auf der Reichsprälatenbank vertreten waren, die Bezeichung "Reichsstift" gegenüber den Begriffen "Reichskloster", "Reichsabtei" oder auch "Reichsprälatur" durchgesetzt - gleichwie auch letztere Verwendung finden. Die in den Quellen oft gebrauchte Eigenbezeichnung als "Reichsgotteshaus" wird hingegen in der Forschung kaum verwendet.

Die Bevorzugung des Begriffs "Reichsstift" und dessen Verwendung auch für Mönchs- und Nonnenklöster mag damit zusammenhängen, dass sich in der Forschung eingebürgert hat, unter "Reichskloster"/"Reichsabtei" vor allem früh- und hochmittelalterliche königliche Eigenklöster zu subsummieren.

Oberschwaben als Kernlandschaft der Reichsstifte

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Die historische Landschaft Oberschwaben, begrenzt durch Donau, Bodensee und Lech, wies eine einmalige Konzentration an Reichsstiften auf. Dieses heute auf die modernen Länder Bayern und Baden-Württemberg verteilte Gebiet unterlag vor 1806 keiner politischen, wohl aber einer kirchlichen Grenze, da die Iller die Bistümer Augsburg und Konstanz voneinander schied. Innerhalb dieser reichsprälatischen Kernlandschaft wiederum befand sich die Mehrheit der Reichsstifte im heute württembergischen Teil von Oberschwaben, also links der Iller. Hauptursache dafür, dass im Südwesten des Reiches eine so hohe Anzahl kleiner und kleinster Herrschaften, darunter die Reichsstifte, entstehen konnte, war das Fehlen einer starken landesherrlichen Zentralgewalt nach dem Aussterben des schwäbischen Herzogshauses der Staufer 1268.

Reichsstifte im bayerischen Schwaben: Gründung und Gründer

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ReichsstiftOrden / TypLage (heutige Landkreis-Zugehörigkeit)Zeitpunkt der GründungBemerkung
OttobeurenBenediktiner-AbteiUnterallgäuspätes 8. JahrhundertLaut Klostertradition im Jahr 764 durch einen Grafen Silach (unbelegt) gestiftet
St. Ulrich und Afra, AugsburgBenediktiner-AbteiAugsburgvor 1029Umwandlung einer wohl seit dem Frühmittelalter bestehenden Klerikergemeinschaft in ein Benediktinerkloster unter dem Augsburger Bischof Bruno (1006-1029)
ElchingenBenediktiner-AbteiNeu-Ulmvor 1124Laut Klostertradition ein Albert von Ravenstein; vermutet wird eine Abstammung aus dem Hause Stubersheim und ein enger genealogischer Zusammenhang mit den schwäbischen Pfalzgrafen
IrseeBenediktiner-AbteiOstallgäunach 1180Gründer die Markgrafen von Ursin-Ronsberg; Gründungsjahr laut Haustradition: 1182
KaisheimZisterzienser-AbteiDonau-Riesvor 1135Grafen von Lechsgemünd
RoggenburgPrämonstratenser-StiftNeu-Ulmum 1130Herren von Biberegg-Roggenburg; Gründerfamilie bereits um 1160 ausgestorben
UrsbergPrämonstratenser-StiftGünzburgum 1125Herren von Schwabegg-Balzhausen
WettenhausenAugustinerchorherren-StiftGünzburgum 1130In Betracht kommt ein Gründer aus dem verwandtschaftlichen Umfeld der Herren von Eberstall
BuxheimKartauseUnterallgäu14021402: Ansiedlung von Kartäusern in einem seit 1238 in Buxheim bezeugten Kollegiatstift

Grenzfälle: Kempten, Edelstetten und Lindau

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Kempten zählte im frühen 16. Jahrhundert noch zu den Reichsstiften; 1548 erhielt die Benediktinerabtei eine eigene Virilstimme im Reichstag und wurde somit zum Fürststift. Das Damenstift Edelstetten wird wegen seiner Vogtfreiheit und der im 18. Jahrhundert erlangten Hochgerichtsrechte gelegentlich ebenfalls unter die schwäbischen Reichsstifte gerechnet. Andererseits bezahlte das Stift seine Steuern an die Reichsritterschaft, weshalb es formal dem schwäbischen Ritterkanton Donau zugehörte. Die Äbtissinen des Damenstiftes Lindau galten zwar ebenfalls als mit fürstlichen Würden begabt, jedoch führten sie den Titel ohne Erlaubnis der kaiserlichen Kanzlei. Auch hatte Lindau kein Stimmrecht im Reichstag. Ähnlich wie beim Damenstift Buchau ist daher die fürstliche Würde als persönliches Attribut der Äbtissin und nicht als realer Rechtstitel anzusehen. Da Lindau weder über ein reichsunmittelbares Territorium noch über Reichsstandschaft verfügte, gilt es in der Literatur in der Regel nicht als Reichsstift.

Zur sozialen Zusammensetzung der Reichsstifte

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Die Reichsstifte Schwabens waren im Gegensatz zu Fürststiften wie Kempten nicht dem Adel vorbehalten. Sie rekrutierten ihre Mönche und Konventualen seit dem 14. Jahrhundert nicht mehr aus ritteradligen und patrizischen Familien, sondern zunehmend (und seit dem späten 15. Jahrhundert ausschließlich) aus dem stadtbürgerlichen und bäuerlichen Milieu. Selbst die Äbte entstammten nichtadligen Kreisen: Zum Beispiel regierte in der Zisterze Salem mit Jodokus Senner bereits 1395-1417 ein nichtpatrizischer Ravensburger Bürgersohn. Unter dessen Nachfolgern ist eine unterbürgerliche Herkunft erstmals für Johannes Scharpfer (reg. 1494-1510) belegt, der das Kind eines klösterlichen Kleinbauern war.

Zwar galten gerade die Zisterzienserklöster als für Nichtadlige besonders leicht zugänglich, jedoch kamen auch die Benediktiner vor dem Hintergrund der spätmittelalterlichen Reformbewegungen (u. a. Kastler, Melker und Bursfelder Reform) von ihrer - hauptsächlich infolge von Gewohnheitsrecht entwickelten – Adels-Exklusivität ab. Auch für Prämonstratenserstifte wie Roggenburg oder Weißenau läßt sich diese Entwicklung belegen.

Die Mehrheit der schwäbischen Reichsstifte war auf dem Schwäbischen Kreis vertreten und hatte Anteil an der Kuriatstimme der Reichsprälaten auf dem Reichstag. Für nichtadlige Personen eröffneten sich durch eine Abtskarriere also politische Betätigungsfelder, die ihnen aufgrund ihrer Herkunft sonst verschlossen geblieben wären.

Kreis- und Reichsstandschaft im Rahmen des schwäbischen Reichsprälatenkollegiums

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Nicht alle als reichsunmittelbar geltenden Klöster und Stifte des heute bayerischen Schwaben besaßen neben der Reichsunmittelbarkeit auch die Reichsstandschaft (Sitz und Stimme im Reichstag) und Kreisstandschaft (Sitz und Stimme im Kreistag). Ottobeuren und Buxheim waren weder auf dem Reichs- noch auf dem schwäbischen Kreistag vertreten, und auch das Damenstift Edelstetten hatte keine Standschaft. Allerdings scheinen gelegentlich auch Stifte und Klöster mit umstrittener oder nicht vorhandener Standschaft an Sitzungen des Kreistags teilgenommen zu haben, so zum Beispiel Buchau und Lindau.

Wege in die Reichsunmittelbarkeit

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Der Aufstieg eines Stiftes oder Klosters in die Reichsunmittelbarkeit ergab sich vor allem aus einer kaiserlichen Würdigung und Bezeichnung als solches und lässt sich bis auf wenige Ausnahmen bzw. Nachzügler nicht an einem einzelnen Rechtsakt oder Quellenbeleg festmachen. Ausschlaggebend war es letztlich, ob das betreffende Kloster in den Jahrzehnten um 1500 einem Einbau in ein landesherrliches Territorium entgehen konnte oder nicht. Ein relativ deutliches Kennzeichen einer nichtvollzogenen Integration in ein solches landesherrliches Territorium stellt die Nennung in der Reichsmatrikel von 1521 dar. Vorausgegangen war meist eine Mitgliedschaft im Schwäbischen Bund.

Sehr hilfreich für die Erlangung von Reichsunmittelbarkeit war eine frühe Abnabelung von vogteilichen Bindungen - ermöglichte doch der Titel der Vogtei (Schutzherrschaft) seinem Inhaber Eingriffe in innere und vor allem gerichtliche Angelegenheiten von Klöstern. Seit dem 15. Jahrhundert machte sich unter Abkehr von den alten personenbezogenen Traditionen (Lehensbindungen, Grundherrschaft, Hörigkeit) eine neue, flächenbezogene Auffassung von Herrschaft breit. Klöster, die infolge überkommener vogteilicher Bindungen in den Einflussbereich der sich herausbildenden Gerichtsherrschaften ihrer Schutz- und Schirmherren gerieten, wurden somit Teil von deren fürstlichen oder reichsstädtischen Territorien.

Abteien wie Kempten oder Ochsenhausen war es gelungen, diese Vogteirechte im Laufe des Spätmittelalters käuflich zu erwerben. Bei einer anderen Gruppe von Klöstern hatten sich die Vogteibindungen infolge besonderer Privilegien vor allem des 12. und 13. Jahrhunderts gar nicht erst bis ins Spätmittelalter erhalten. Hierzu zählten vor allem die unter den Staufern besonders protektionierten Zisterzen (Salem), aber auch einige linksillerische Prämonstratenserstifte (u. a. Weißenau) sowie die Benediktinerabtei Weingarten.

Allerdings konnten auch Klöster mit fortbestehenden Vogteien den Aufstieg in die Reichsunmittelbarkeit schaffen, wenn eine entsprechende kaiserliche Unterstützung vorlag. So wurde Roggenburg schon seit den 1480er Jahren als ein Kaiser und Reich unmittelbar unterstelltes Gotteshaus bezeichnet – obwohl das Prämonstratenserstift in jenen Jahren vom Herzog von Niederbayern bzw. der Reichsstadt Ulm bevogtet wurde. Als Hintergrund kann neben den guten Kontakten des Roggenburger Abts zum Kaiser vor allem die antiwittelsbachisch ausgerichtete Schwabenpolitik Friedrichs III. (1415-1493, Regierungszeit 1440-1493) und seine damit verbundene Absicht zur Stärkung der ihm loyalen Klöster angesehen werden. Auch waren so manche Vogteiverhältnisse schon seit dem Spätmittelalter durch häufige Besitzwechsel oder sogar Teilungen relativ instabil und deshalb für die Klöster mit der Zeit aushöhlbar bzw. aufkaufbar. Bei Elchingen, Marchthal, Isny, Irsee und Ottobeuren konnten die das Mittelalter überlebenden Bindungen an die Reichsstädte Ulm und Biberach, an die Truchsessen von Waldburg, das Fürststift Kempten und das Hochstift Augsburg die Erlangung von Reichsunmittelbarkeit letztlich nicht verhindern. Allerdings konnte sich unter solchen Umständen der Weg in die Reichsunmittelbarkeit bis ins späte 18. Jahrhundert hinziehen.

Als verfestigend für den besonderen Status der reichsunmittelbaren Klöster erwies sich die Reformation, da diese den besonderen kaiserlichen Schutz für die Reichsstifte erst recht forcierte. Gerade der Schmalkaldische Krieg (1546/47) bewirkte bei mehreren Klöstern den "Durchbruch" bzw. im Falle Buxheim sogar erst die Konstituierung als Reichsstift: Im Zuge der anfänglichen protestantischen Überlegenheit war es zu mehreren, von reichsstädtischen Magistraten ausgehenden Mediatisierungs- und Reformationsversuchen gegenüber städtischen Schutzklöstern gekommen. Zur Strafe wurden die Vogteirechte der betreffenden Reichsstädte vom Kaiser kassiert. Daher gingen nach 1546 die Schutzherrschaften über die Klöster Roggenburg, Elchingen, Ochsenhausen (jeweils Ulm), Petershausen (Konstanz), Weißenau (Ravensburg), Heggbach (Biberach) und Buxheim (Memmingen) auf die Landvogtei Schwaben bzw. die Markgrafschaft Burgau über. Als Folge häuften sich insbesondere im 18. Jahrhundert die Konflikte zwischen der Landvogtei bzw. der Markgrafschaft und einzelnen Klöstern, die sich dem landesherrlichen Obrigkeitsanspruch ihrer Vogteimächte entgegenzustemmen hatten. Habsburgische Hausmachtspolitik im schwäbischen Österreich und kaiserliche Klosterschutzpolitik waren demnach häufig nur schwer miteinander zu vereinen.

Reichsunmittelbarkeit und Landeshoheit

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Letztlich muss man sagen, dass kaum ein Reichsstift unzweifelhafte landeshoheitliche Rechte erreichen konnte. Zum Beispiel standen Roggenburg und Ursberg bis zum Jahr 1719 unter der Schirmherrschaft der Markgrafschaft Burgau, während die Hochgerichtsbarkeit über einen guten Teil ihrer klösterlichen Herrschaftsgebiete sogar bis zum Ende des Alten Reichs bei der Markgrafschaft und damit bei Vorderösterreich lag.

In der Handbuchliteratur wird die Erlangung landeshoheitlicher Rechte gerne mit dem Kauf oder der Pfandschaft von Hochgerichtsrechten gleichgesetzt. Betrachtet man jedoch den genauen Wortlaut solcher Kaufverträge, so stellt man fest, dass bei den vorderösterreichischen Verkäufen die Landeshoheit ausgenommen war. Zudem bezogen sich die verkauften Hochgerichtsrechte nicht selten lediglich auf die Bereiche innerhalb der Dorfzäune, während die Gemeindefluren weiterhin unter vorderösterreichischer Hochgerichtsbarkeit verblieben. Bezeichnenderweise fällt die große Mehrheit der klösterlichen Blutbannerwerbungen ins späte 18. Jahrhundert. Voraussetzung hierfür war die seit dem späten 17. Jahrhundert in der staatsrechtlichen Lehre verstärkt aufkommende Trennung zwischen Hochgerichtsbarkeit und Landeshoheit. Auch Geleits- und Zollrechte blieben nicht selten bei solchen Verkäufen ganz oder in wichtigen Teilen außen vor.

Reichsstifte als Kleinstaaten

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Im Laufe vor allem des 13. und 14. Jahrhunderts vergrößerten und arrondierten viele südwestdeutsche Klöster ihren aus der Gründungsausstattung und späteren Zustiftungen stammenden Grundbesitz durch eine systematische Erwerbspolitik. Möglich war dies nicht zuletzt durch die finanziellen Schwierigkeiten des Adels in Folge von Erbteilungen, teuren Mitgiften und der spätmittelalterlichen Agrarkrise. Allerdings geriet manches Reichsstift durch die Güterkäufe selbst in finanzielle Schwierigkeiten - gerade im ausgehenden 16. Jahrhundert kam es zu vielen Besitzveräußerungen durch Klöster.

Jedoch brachte die Anhäufung von Grund und Boden noch nicht automatisch auch die Herrschaft über Land und Leute mit sich. Um neben grundherrlichen auch weitreichendere Verfügungsrechte über die Bewirtschafter der klösterlichen Bauernhöfe in die Hände zu bekommen, gingen viele südwestdeutsche Klöster im 15. Jahrhundert verstärkt daran, den Status der Hörigkeit auf einen möglichst großen Kreis der auf klösterlichen Besitzungen lebenden Menschen auszudehnen. Mittel hierzu war unter anderem die Gepflogenheit, Bauerngüter nur dann auszugeben, wenn die Interessenten sich vorher in die Leibeigenschaft ergeben hatten.

Zu den grund- und leibherrlichen Rechten traten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zunehmend Niedergerichtsrechte hinzu. Solche Gerichtsrechte konnten einem Kloster per Privileg verliehen werden; möglich waren aber auch der gezielte Erwerb von Pfand- bzw. Eigentumsrechten. Der Ausbau von – mehr oder weniger geschlossenen, das heißt mit der Grundherrschaft deckungsgleichen – Niedergerichtsherrschaften war in Schwaben in der Regel sowohl bei kleinen geistlichen als auch bei kleinen weltlichen Herrschaften am Ausgang des 15. Jahrhunderts abgeschlossen.

Diese "innere Territorialisierung" (Hans-Martin Maurer, geb. 1929) der "Klosterstaaten" verlief oftmals eher stockend, denn die bäuerliche Bevölkerung wollte sich ihre gewohnten Rechte - wie etwa die Mitwirkung an der Dorfgerichtsbarkeit - nicht widerstandslos schmälern lassen. Zudem hatten die immer stärker nach Herrschaftsausübung strebenden Klöster, deren Aufgabe eigentlich vor allem im Gebet und in der Seelsorge bestand, mit Legitimationsdefiziten zu kämpfen: Schließlich war der ihnen einst zugedachte Grundbesitz doch ursprünglich lediglich zur materiellen Versorgung der Mönche und Kleriker gedacht. Die Gerichtsrechte hingegen wurden durch die adligen und somit zur Herrschaftsausübung befähigten Klostervögte gehandhabt. Als Folge solcher Konflikte zwischen herrschaftswilligen Klosterleitungen und ihrer Untertanenschaft entstanden im Südwesten des Reiches vor allem im ausgehenden 15. Jahrhundert zahlreiche "Agrarverfassungsverträge" (Peter Blickle). In ihnen wurden, meist unter schiedsrichterlicher Vermittlung, strittige Fragen wie z. B. die bäuerlichen Erb- und Besitzrechte, das Problem der Leibeigenschaft und anderes mehr geregelt. Dass die Klöster und Stifte dabei trotz ihrer inzwischen zumeist schon bestehenden Niedergerichtsrechte zu Kompromissen und Zugeständnissen gezwungen waren, bezeugt die Langsamkeit des klösterlichen Territorienaufbaus "von unten".

Zwar gilt die Ausbildung eigener Territorien als ein wichtiges Merkmal der Reichsstifte, jedoch sollte nicht übersehen werden, dass auch landsässige Klöster eigene Herrschaftsgebiete aufbauten und verwalteten (z. B. Oberschönenfeld, Lkr. Augsburg oder Wiblingen, OT Ulm). Umgekehrt verfügten nicht alle Reichsstifte über zusammenhängende Territorien - so besaßen Buxheim und St. Ulrich und Afra nur relativ wenig bzw. weit verstreuten Splitterbesitz.

Die "Klosterstaaten" des bayerischen Schwaben: Größe und Einwohnerzahlen um 1803 (Angaben nach Dotterweich, Herrschafts- und Vermögenssäkularisation, 126).

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ReichsstiftGröße des Herrschaftsgebietes (ca.)Seelenzahl (ca.)Bemerkung
Buxheim28 Quadratkilometer*1.000kein geschlossenes Herrschaftsgebiet; Grundbesitz in 8 Dörfern und Weilern
Elchingen112 Quadratkilometer4.000-4.200 
Irsee112 Quadratkilometer3.200-4.200 
Kaisheim136 Quadratkilometer9.500-10.000 
Ottobeuren266 Quadratkilometer10.000 
Roggenburg112 Quadratkilometer3.300-5.000 
Ursberg101 Quadratkilometer3.000-3.600 
St. Ulrich und Afra, Augsburg*112 Quadratkilometer5.000kein geschlossenes Herrschaftsgebiet
Wettenhausen56 Quadratkilometer*5.400 
* Schätzungswerte, erstellt durch Dotterweich in Relation zu bekannten Daten vergleichbarer Klöster   

Zur Historiographie

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Monographien und Aufsätze territorial-, wirtschafts-, kirchen- und mitunter auch sozial- und kulturgeschichtlicher Art liegen in mehr oder weniger großer Anzahl sowohl zu den bayerischen als auch zu den württembergischen Reichsstiften vor. Als Einstieg empfehlen sich die entsprechenden Artikel im Handbuch der bayerischen bzw. baden-württembergischen Geschichte sowie die online verfügbaren Klosterdatenbanken beider Länder (siehe Linkliste unten). Vergleichende Zusammenschauen fehlen bislang. Erste Auswertungen und Typologien vor allem zu herrschaftsgeschichtlichen Fragen bieten - jedoch auf das jeweilige moderne Land beschränkt - die Aufsätze von Pankraz Fried und Hans-Martin Maurer sowie der Forschungsbericht Armgard von Reden-Dohnas im Sammelband "Suevia Sacra". "Grenzübergreifend" hat man sich bislang lediglich mit dem Reichsprälatenkollegium beschäftigt.

Während sich die Forschung lange Zeit vor allem auf Fragen der Herrschafts- und Territorialgeschichte konzentrierte, werden seit den 1990er Jahren Ansätze zu einer positiven Neubewertung der lange Zeit als rückständig geltenden geistlichen Staaten unternommen (Stichworte: Leibeigenschaft, hohe Frondienste, agrarische Wirtschaftsweise, Kleinstaaterei). In diesem Zusammenhang wurde besonders die Rolle der schwäbischen Prälaturen als bedeutende kulturelle Zentren gewürdigt (hierzu zusammenfassend Peter Hersche). Die alte Frage, ob es sich "unterm Krummstab" besser leben ließ als unter einem weltlichen Herrschaftsträger, ist angesichts des derzeitigen Forschungsstandes für eine Beantwortung noch nicht ganz reif.

Vergleichende Bewertung

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Die Einzigartigkeit der schwäbischen Reichsstifte und der sie beherbergenden Landschaft wird man daher nicht nur in ihrer "Klosterstaatlichkeit" und einer Beteiligung bäuerlich-bürgerlich geprägter geistlicher Gemeinschaften an der reichsprälatischen Kuriatstimme im Reichstag sehen dürfen. In stärkerem Maße sind zukünftig wohl auch das reichsstiftische Selbstverständnis (Aspekte des Zeremoniells, Kaisersäle u. a.), eine besondere Einbettung in Kommunikations- und Informationsströme (z. B. Tätigkeit der Prälaten als kaiserliche Kommissare) und vor allem die – freilich schwer erforschbare – emotionale Bindung an Kaiser und Reich zu berücksichtigen.

Vergleicht man die schwäbische mit der fränkischen, altbayerischen und reichsweiten Klosterlandschaft, so ist sicherlich die hohe Dichte an Reichsstiften sowie deren hochentwickelte Vernetzung im Rahmen des schwäbischen Reichskreises und der schwäbischen Reichsprälatenbank als ein für den Südwesten spezifisches Phänomen herauszustellen.


Literatur:

Quellen:

Weiterführende Recherche:

Externe Links:


Empfohlene Zitierweise:

Sarah Hadry, Reichsstifte in Schwaben, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45346> (09.07.2012)


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Letzte Änderung: 09.07.2012