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Albrecht Altdorfer: Drachenkampf des heiligen Georg (1510). (Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, Inv.-Nr. WAF 2)
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Albrecht Altdorfer: Johannes auf Patmos und Johannes der Täufer in stimmungsreicher Landschaft (wohl 1507). (Stadtmuseum Regensburg, Leihgabe des St. Katharinenspitals - http://www.spitalarchiv.de )
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Albrecht Altdorfer: Donaulandschaft bei Regensburg (um 1520). (Bayerische Staatsgemäldesammungen München, Inv.-Nr. WAF 30)
Albrecht Altdorfer: Donaulandschaft bei Regensburg (um 1520). (Bayerische Staatsgemäldesammungen München, Inv.-Nr. WAF 30)

Albrecht Altdorfer: Alexanderschlacht (1529). (Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, Inv.-Nr. WAF 688).
Albrecht Altdorfer: Alexanderschlacht (1529). (Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, Inv.-Nr. WAF 688).

Meister von Ottobeuren: Relief Aristoteles und Phyllis (um 1520-1530). (Bayerisches Nationalmuseum München)
Meister von Ottobeuren: Relief Aristoteles und Phyllis (um 1520-1530). (Bayerisches Nationalmuseum München)

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Donaustil

Ende des 19. Jahrhunderts in die Kunstgeschichte eingeführter Stilbegriff für die Malerei in Bayern und Österreich zu Beginn der Frühen Neuzeit. Ausgehend von einer raschen Entwicklung der graphischen Techniken im 15. Jahrhundert dynamisierte sich auch die Malerei. Linie, Farbe und Licht wurden inhaltlich und formal über die natürliche Funktion hinausgeführt. Auslaufende Gotik und importierte Renaissance überschnitten sich. Lucas Cranach der Ältere (1472-1553) aus Kronach, der in Regensburg tätige Albrecht Altdorfer (um 1480-1538) sowie der in Passau arbeitende Wolfgang Huber (um 1485-1553) gelten als Hauptvertreter. Auch Albrecht Dürer (1471-1528) setzte wichtige Impulse. Eine Schule im engeren Sinn ist nicht feststellbar. Der Namensbezug zur Donau ist im Sinne eines Kulturraums zu verstehen.


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Artikel von Margit Stadlober

Einführung des Stilbegriffs durch Theodor von Frimmel (1853-1928)

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Im April 1892 führte Theodor von Frimmel (1853-1928) in seiner Rezension der Dissertation des Berliner Kunsthistorikers Max J. Friedländer (1867-1958) über Albrecht Altdorfer (um 1480-1538) den Begriff "Donaustil" ein. Der Donaustil war fortan eng an Altdorfers persönlichen Stil gebunden. Die Bezeichnung bezog sich in erster Linie auf eine Sonderform der deutschen Malerei zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den Donauregionen von Bayern und Österreich. Friedländer würdigte Altdorfer als den Entdecker von Natur und von autonomer Landschaftsmalerei.

Kunstwissenschaftliche Diskussion des Begriffs

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Als eine Alpenrenaissance sah erstmals Robert Stiassny (1862-1917) im Jahr 1908 die "Donauschule" an. Otto Benesch (1896-1964) beschrieb 1928 den Beitrag Österreichs zum Donaustil und nannte drei zu Beginn des 16. Jahrhunderts in diese Region eingewanderte Künstler, nämlich Rueland Frueauf den Jüngeren (gest. vermutlich 1547) aus Passau, Jörg Breu den Älteren (1475/76-1537) aus Augsburg und Lucas Cranach den Älteren (1472-1553) aus Kronach. Karl Oettinger (1906-1979) machte drei Jahre später den Stil mit seinem Buch "Altdeutsche Maler der Ostmark" zur österreichischen Angelegenheit.

Alfred Stange (1894-1968) lieferte 1964 die entscheidende zusammenfassende Publikation zur Malerei und zur Graphik der Donauschule und erweiterte die Darstellung um viele bekannte und unbekannte Künstler. Während Charles William Talbot 1968 eine Einzelstudie zu Altdorfers Passionszyklus für den Sebastiansaltar im Stift St. Florian (Bezirk Linz-Land, Oberöstereich) lieferte, veröffentlichte Franz Winzinger (geb. 1910) die umfassendsten Abhandlungen über das Werk Albrecht Altdorfers (1952, 1963 und 1975).

Skepsis gegenüber dem Begriff Donaustil meldete Jörg Krichbaum (1945-2002) in seiner 1978 erschienenen Altdorfermonographie an, so dass auch andere Autoren zu relativieren begannen (z. B. "sogenannte Donauschule" bei Winzinger, Wolf Huber). Weitere innovative Beiträge zur Reflexion des Stilbegriffs lieferte ein Symposium in Regensburg 1981 (vor allem der Aufsatz von Hubel). Im Rahmen der Pariser Altdorferausstellung 1984 ersetze Fedja Anzelewsky (geb. 1919) den Stilnamen Donaustil durch die Bezeichnung "Fantastischer Realismus". Pierre Vaisse (geb. 1938) schätzte schließlich den Stil als betont deutsche "maniera" (Handschrift) ein. Für Gisela Goldberg ist "Donauschule" als Stilbegriff zu eng gefasst. Der Stil stehe vielmehr für ein neues Naturverständnis im Einklang von Mensch und Lebensraum.

Christopher S. Wood band in seiner 1993 erschienenen Dissertation "Albrecht Altdorfer and the Origins of Landscape" den Donaustil wieder enger an Altdorfer. Thomas Noll führte schließlich den Stilbegriff in seiner 2004 veröffentlichten Arbeit über Altdorfer an den Ausgangspunkt zurück, indem er das "Phänomen Donauschule" - wie einst Frimmel - als einen von Albrecht Altdorfer erfundenen Personalstil einschätzte.

Bereits mehrmals erhob sich die Frage, ob die erst 2006 als Strukturismus definierte Charakteristik (Stadlober, Wald in der Malerei) dieser regionalen Kunstproduktion von etwa 50 Jahren ausreiche, um von einem eigenen Stil zu sprechen. Die Probleme der trotz Gegenvorschlägen niemals aufgegebenen Stilnamen Donaustil und Donauschule liegen in der örtlichen Verankerung durch die Donau, die nicht als Ortsangabe, sondern nach neuesten Erkenntnissen nur im übertragenen Sinn als namensgebendes Motiv einer länderübergreifenden Bildungsinstitution des deutschen Humanismus (Sodalitas litteraria Danubiana) zu verstehen ist, sowie im Fehlen einer Schulsituation.

Grundzüge des Donaustils

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Der Donaustil ist die Schnittstelle von auslaufender Gotik und importierter oberitalienischer Renaissance im Raum nördlich der Alpen an der Wende zur Neuzeit. Der Kunsttransfer wurde von Albrecht Dürer (1471-1528) mit seinen beiden Italienreisen 1494/95 und 1505-1507 angekurbelt. Somit ist der Beginn des Donaustils im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts anzusetzen. Er wurde gegen Mitte des 16. Jahrhunderts endgültig von der deutschen Renaissance abgelöst. Bei einzelnen Künstlerpersönlichkeiten fand dieser Wechsel allerdings wesentlich früher statt. Seine Hauptvertreter Albrecht Altdorfer und Wolfgang Huber (um 1485-1553) waren im Bereich der Malerei wie auch der Graphik tätig. Ein verdichtetes Vorkommen in Bayern und in Österreich lässt dort die Kerngebiete vermuten.

Charakteristische Merkmale

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Kennzeichend für den Stil ist, dass die Landschaftsbereiche inhaltlich und formal bis zur topographischen Identifizierbarkeit und Autonomie ausgebaut wurden. Die Figuralszenen mit ihrem Umraum wurden durch ein Struktursystem (Strukturismus) vernetzt, das selbständigen Charakter erhielt. Die zügig geführte Linie trat nun aus den natürlichen Konturen heraus und befreite sich von der natürlichen Form. Die Formkriterien der frühen Zeichnungen Altdorfers stehen in Verbindung mit ihrem Bedeutungs- und Darstellungswert (Lipp, Natur). Durch die Abstraktion der Details entstanden Wesensbilder der einzelnen Bildbestandteile, die anhand von Formanalogien im linearen Netzwerk miteinander in Verbindung stehen. Hand in Hand damit ging der gleichzeitige Ausbau von Farbe und Licht - zwei Gestaltungskomponenten, die ebenfalls eine übernatürliche Intensivierung und, im Falle des Bildlichts, eine Linearisierung erfuhren. Da sich diese Stilqualität besonders in der Fläche entfalten konnte, erfolgte eine Ausstrahlung des Donaustils auf die Plastik, Skulptur und Architektur erst später und auch nur marginal (Wutzel, Kunst).

Impulse zur Stilbildung

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Die Impulse zum Linearismus erfolgten von Seiten der raschen Entwicklung der graphischen Techniken ab Mitte des 15. Jahrhunderts. Der junge Albrecht Dürer gewann auf diesem Gebiet eine Vorrangstellung und modernisierte die Druckgraphik durch die Verfeinerung des Lineaments. Im gleichen Zuge stellte sich eine Konkurrenz zwischen Graphik und Malerei ein. Die Malerei änderte durch Oberflächenlichtsetzung das Arbeitstempo und erhöhte somit ihre Flexibilität. Auch der vermehrte Einsatz kleinerer Formate veränderte die innerbildliche Form. Dies war dem Einfluss des kleinteilig arbeitenden Kunsthandwerks zuzschreiben (Wood, Altdorfer).

Mit der neuen dynamisierten Gestaltungsweise konnte dem Niederländischen Realismus des 15. Jahrhunderts und seiner glatten und unnatürlich präzisierten Oberflächengestaltung, aber auch dem Ebenmaß der italienischen Renaissance wirkungsvoll begegnet werden. Ausgehend von der Graphik des jungen Dürer vertraten sie Lucas Cranach der Ältere während seiner Frühzeit in Wien, der in Regensburg angesiedelte Albrecht Altdorfer, der Meister der Historia Friderici et Maximiliani in Wien und in Niederösterreich, Wolfgang Huber in Passau, der in Oberbayern tätige Meister von Mühldorf am Inn sowie viele namentlich unbekannte Künstler einer Achsenzeit zwischen Mittelalter und Neuzeit nördlich der Alpen.

Eine Auswahl von Werken des Donaustils in Bayern

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a) Albrecht Altdorfer: Drachenkampf des heiligen Georg (1510)

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Das Gemälde gilt als ein Initialwerk der erweiterten Landschaftsdarstellung mit dem "deutschen Wald". Es könnte sich um die Darstellung des Galio rotundifolii-Abietetum, einer Waldstufe der Bayerischen Alpen, handeln. Der Wald ist mit kompakten, grünenden Laubmassen über die gesamte Bildfläche gespannt und vermittelt erstmals im Raum nördlich der Alpen verdichtete, gegenständliche Realität, wirkt aber auch durch die strukturelle Vernetzung als Bildzeichen und als Wesensbild des im natürlichen Proportionsverhältnis zu ihm stehenden heiligen Georg. Der kleine Ausblick in die Ferne öffnet seiner inhaltlichen und formalen Dichtheit ein Ventil. Diese Waldlandschaft wirkt hochgradig sympathetisch (mitwirkend) für das Bildthema und kultiviert die innerbildliche Struktur. Sie ist regional geprägt und erreicht durch ihre Monumentalisierung auch die Wirkungskraft der Bedeutungslandschaft.

Das Werk ist auf dem zweiten Baumstamm von rechts mit dem Monogramm AA (verbunden) und der Jahreszahl 1510 bezeichnet (Pergament auf Lindenholz; 28,2 x 22,5 cm; München, Alte Pinakothek, Inv.-Nr. WAF 2).

b) Albrecht Altdorfer: Johannes auf Patmos und Johannes der Täufer in stimmungsreicher Landschaft (wohl 1507)

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Die beiden Johannes sind die Namenspatrone des Johannes Trabolt (gest. 1505), eines Regensburger Doktors für Kirchenrecht. Das Werk befand sich ursprünglich im Kloster St. Emmeram in Regensburg. Das in der freien Natur auf einer Waldlichtung mit großer Ausdruckskraft und inhaltlicher Aufladung im Einklang von Figuralszene und Naturraum dargestellte Wirken Johannes des Täufers steht im Zusammenhang mit der Bewegung der Wiedertäufer, die ihre Versammlungen und Predigten im Wald abhielten.

Links unten befindet sich das ergänzte Monogramm und das schlecht lesbare Datum (wohl 1507). Auf dem Federbehälter des Evangelisten die Aufschrift: S. IOHAN, 1507 (?) (Öl auf Laubholz; 133,6 x 173,2 cm; Regensburg, Stadtmuseum, Leihgabe des Katharinenspitals in Stadtamhof).

c) Albrecht Altdorfer: Donaulandschaft bei Regensburg (um 1520)

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Die fast autonome Landschaft vollzieht eine Balance zwischen topographischem und phantasievoll interpretiertem Landschaftsbild. Im Mittelgrund liegt Schloss Wörth (Stadt Wörth a. d. Donau, Lkr. Regensburg) auf dem Schlossberg, das zur Entstehungszeit des Bildes bis 1525 höchstwahrscheinlich unter Altdorfers Leitung zu einem Renaissanceschloss als Residenz der Regensburger Fürstbischöfe ausgebaut wurde. Die baulichen Abweichungen könnten aus Planungsversuchen resultieren.

Das Namenszeichen findet sich auf dem Baumstamm links unten; eine Jahreszahl fehlt (um 1520, Öl auf Pergament auf Buchenholz; 30,5 x 22,2 cm; verso: Federskizze, Ortschaft am Wasser; München, Alte Pinakothek, Inv.-Nr. WAF 30).

d) Albrecht Altdorfer: Alexanderschlacht (1529)

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Die Schlacht tritt aus dem Rahmen der neuen Gestaltung des Naturraumes als Weltenlandschaft mit historischen und allegorischen Sinnebenen heraus. Sie ist der Gipfelpunkt der sympathetischen, d. h. mitwirkenden und strukturintensivierten Landschaft des Donaustils.

Das Werk ist auf der unteren Rahmenleiste der Inschrifttafel bezeichnet ("ALBRECHT ALTDORFER ZV REGENSPVRG FECIT"). Monogramm und Datum (1529) finden sich rechts neben dem Baumstamm in der linken unteren Bildecke (Öl auf Lindenholz; 158,4 x 120,3 cm; München, Alte Pinakothek, Inv.-Nr. WAF 688).

e) Wolfgang Huber: Christus am Ölberg (um 1525)

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Die Tafel eines Passionsaltars von Wolfgang Huber vertritt die ausdrucksintensive Landschaftswiedergabe des Donaustils. Wie auf einem Bildschirm erscheint in der geheimnisvollen Öffnung einer hohen Felswand die unmittelbare Zukunft in Form der heranziehenden Häscher. Eine dämmrige Alpenlandschaft begleitet auf bekräftigende Weise das Geschehen (Öl auf Lindenholz; 60,4 x 67,4 cm; München, Alte Pinakothek, Inv.-Nr. WAF 8779).

f) Meister von Ottobeuren: Relief Aristoteles und Phyllis (um 1520-1530)

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Das Werk des Meisters von Ottobeuren überträgt die Gestaltungskriterien des Donaustils mit betontem Linearismus und intensiviertem Ausbau der Struktur zur Detailverbindung und zum Wesensaustauch (Strukturismus) auf die Skulptur (Lindenholz; 35 x 37 cm; um 1520-1530; München, Bayerisches Nationalmuseum).


Literatur:

Quellen:

Weiterführende Recherche:

Externe Links:


Empfohlene Zitierweise:

Margit Stadlober, Donaustil, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45286> (25.01.2012)


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Letzte Änderung: 25.01.2012