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Thomas Wechs, Lessinghof in Augsburg (1930/31). (Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Augsburg)
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Paketzustellamt München von Robert Vorhoelzer, Verteilungshalle. (aus: Das Land Bayern. Seine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung für das Reich, München 1927, S. 371)
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Otto Ernst Schweizer. (aus: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Bd. 2, Berlin 1931, S. 1688)
Otto Ernst Schweizer. (aus: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Bd. 2, Berlin 1931, S. 1688)

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Neues Bauen

Bezeichnung für eine Architektur mit stark funktionalem Charakter, die sich ab dem Ersten Weltkrieg deutlich vom Historismus des 19. Jahrhunderts absetzte. Obwohl das konservativ geprägte Bayern nicht zu den Zentren des "Neuen Bauens" gehörte, entstanden hier seit den 1920er Jahren vor allem in den großen Städten zahlreiche exemplarische Bauwerke dieser architektonischen Reformbewegung.


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Artikel von Wolfram Lübbeke

Zum Begriff

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Neues Bauen ist ein architekturgeschichtlicher Stilbegriff für die formal und technisch fortschrittliche Architektur nach dem Ersten Weltkrieg. Eine Ausstellung vom Mai 1920 des "Arbeitsrats für Kunst", ein Zusammenschluss wegweisender Architekten, mit dem Titel "Neues Bauen" machte den Begriff öffentlich. Diese Architekturerneuerung läuft auch unter der Bezeichnung "moderne Bewegung" (Leonardo Benevolo, Geschichte der Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts, München 1964) oder ist der Neuen Sachlichkeit zugeordnet. Die Begriffskombination Neues Bauen wurde nach den Kriegszerstörungen des Zweiten Weltkriegs erneut für den programmatisch modernen Wiederaufbau und schließlich denkmalpflegerisch-städtebaulich als "Neues Bauen in alter Umgebung" benutzt.

Grundsätze und Merkmale

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Das Neue Bauen zielt darauf, die historistisch verdeckende Architektur des 19. Jahrhunderts durch formal funktionalistische und experimentell entwickelte Bautechniken der zeitgenössischen Bauaufgaben abzulösen.

Für die angestrebte Zweckmäßigkeit sollten die Formen theoretisch aus den Funktionen entwickelt werden mit Konstruktionen in Stahlguss, Eisenskelettbau, Beton mit vorgefertigten Elementen, Klinkermauerwerk, Glasrasterflächen und Fensterbändern.

Solche aus der inneren Funktion zweckerfüllte Architektur wurde in der Regel kubisch rechtwinklig organisiert, seltener organisch entwickelt. Das Flachdach war das Konzept, das allgemein als Erkennungsmerkmal dient.

Die Architektur sollte nicht nur harmonisch und rational, sondern auch gesellschaftlich reformierend wirken. Diesen sozialen Ansatz denunzierten die Nationalsozialisten als Kulturbolschewismus und lehnten ihn ideologisch ab, was den Schwierigkeiten der Allgemeinheit mit der neuen Architektur entgegenkam.

Bauaufgaben

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Die Bauaufgaben spiegeln die Wandlung des veränderten Lebensgefühls nach dem Ersten Weltkrieg. So zählen neben einzelnen programmatischen Villenbauten vor allem die großen Wohnsiedlungen der notwendigen Wohnungsfürsorge zu den Leistungen des Neuen Bauens. Ebenso wurden wegweisende Verwaltungsbauten, wie für die Post, und Bauten für die Gemeinschaft, wie Krankenhäuser, Sportstätten, Schulen und Kirchen, nach diesen Grundsätzen errichtet und selbstverständlich auch die seit der industriellen Revolution fortschrittlicheren Bauten der Arbeit, des Verkehrs und Anlagen der Elektrizitätsversorgung.

Entwicklung und Verbreitung

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Die Tradition des Neuen Bauens reicht auch in Bayern vor den Ersten Weltkrieg zurück und ist unter dem Schlagwort „die andere Tradition“ bekannt gemacht worden. Das Neue Bauen kann daher nicht unmittelbar in Zusammenhang mit der Weimarer Republik gesetzt werden.

Reichsweit wurde das Neue Bauen durch die Gründung des Bauhauses, 1926 als staatliche Hochschule von Anhalt anerkannt, und durch die Werkbundausstellung „Die Wohnung“ 1927 in Stuttgart als architektonisches Phänomen publik. In München und Bayern kam es trotz konservativer Grundstimmungen zu Bauwerken, die in Auseinandersetzung mit früherem Bauen doch formal und technisch Grundsätze des Neuen Bauens aufgriffen. Unter dem Oberbegriff Neue Sachlichkeit sind in der bayerischen Denkmalerfassung zahlreiche Werke aus dem breiten Strom der traditionell-orientierten Architektur herausgestellt worden. Solche herausragenden Bauten finden sich vor allem in den Großstädten München, Augsburg, Nürnberg, Würzburg, Fürth aber auch in kleineren Städten wo Wohnbauten und öffentliche Gebäude benötigt wurden.

Architekten und Werke

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Die bekanntesten Namen deutscher Architekten sind:

Für Bayern sind beispielhaft die folgenden Architekten mit Werken zu nennen:



Theodor Fischer (1862-1938) Siedlung Alte Heide (ab 1919), erste strenge Zeilenanlage Münchens, sowie das Ledigenheim für Männer, München, als sozialfürsorgender, kubisch gegliederter Klinkerbau (1925-1927)
Peter Feile (1899-1972)Weiße Flachdachhäuser in Würzburg (ab 1928)
Thomas Wechs (1893-1970) Sachliche, auf das Erforderliche beschränkte Wohnanlagen Schuberthof (1928-1930) und Lessinghof (1930-1931) in Augsburg
Robert Vorhoelzer (1884-1954)Postbauten in München (radikalste bayerische Beispiele des Neuen Bauens) und zahlreiche weitere exemplarische Postbauten der Postbauschule in ganz Bayern
Otto Ernst Schweizer (1890-1965) Milchhof (1930) und das Stadion mit Stadionbad (1927-1928) (Beispiele seines Architekturkonzeptes der Großform) in Nürnberg
Stadtbaurat Hermann Herrenberger (1881-1953)Krankenhaus der Klassischen Moderne (1928/1931) in Fürth
Walter Brugmann (1887-1944)Hochspannungsstation (1926/27) in Nürnberg
Fritz Landauer (1883-1968) Villenbauten (1930/31) in Augsburg und Fürth
Robert ErdmannsdorfferHaus der Volksbildung in Ansbach (1929/1930) und Frauenklinik in Nürnberg (1928/1930)

Für Neues Bauen nach dem Zweiten Weltkrieg sind folgende Bauten hervorzuheben:



Sep Ruf (1908-1982)Akademie der Bildenden Künste und Gobelinmanufaktur in Nürnberg an der Bingstraße (1952/54 bzw. 1959/61) und Bungalows in Gmund a. Tegernsee (Landkreis Miesbach) (1952/55 bzw. 1954/55)

Literatur:

Quellen:

Weiterführende Recherche:

Externe Links:


Empfohlene Zitierweise:

Wolfram Lübbeke, Neues Bauen, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44921> (27.01.2010)


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Letzte Änderung: 27.01.2010