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Emblem der Gutehoffnungshütte, um 1910. (aus: Die Gutehoffnungshütte Oberhausen, Rheinland. Zur Erinnerung an das 100jährige Bestehen. 1810-1910, Oberhausen 1910)
Emblem der Gutehoffnungshütte, um 1910. (aus: Die Gutehoffnungshütte Oberhausen, Rheinland. Zur Erinnerung an das 100jährige Bestehen. 1810-1910, Oberhausen 1910)

Werk Sterkrade, 1898. (aus: Gutehoffnungshütte in zwei Jahrhunderten, Oberhausen 1958, 37 oben)
Werk Sterkrade, 1898. (aus: Gutehoffnungshütte in zwei Jahrhunderten, Oberhausen 1958, 37 oben)

Werk II Sterkrade, 1928. (aus: Gutehoffnungshütte in zwei Jahrhunderten, Oberhausen 1958, 37 unten)
Werk II Sterkrade, 1928. (aus: Gutehoffnungshütte in zwei Jahrhunderten, Oberhausen 1958, 37 unten)

Paul Reusch (1868-1956), Generaldirektor der GHH; nicht datiert. (aus: Gutehoffnungshütte in zwei Jahrhunderten, Oberhausen 1958, 45)
Paul Reusch (1868-1956), Generaldirektor der GHH; nicht datiert. (aus: Gutehoffnungshütte in zwei Jahrhunderten, Oberhausen 1958, 45)

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Gutehoffnungshütte (GHH)

Eines der größten deutschen Montan- und Maschinenbau-Unternehmen des 20. Jahrhunderts. Die Gutehoffnungshütte wandelte sich in mehreren Phasen, vor allem unter Generaldirektor Paul Reusch (1868-1956), von einem im Ruhrgebiet tätigen Berg- und Hüttenbetrieb zu einem Mischkonzern mit rund 250 nationalen und internationalen Beteiligungen. Dabei erregte die Übernahme der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) 1920/21 großes Aufsehen und wurde als Einbruch der Ruhrmagnaten in Süddeutschland gesehen. Über Beteiligungen gewann die Gutehoffnungshütte auch Einfluss auf die Presselandschaft. 1986 ging die GHH in der umgegründeten Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) Aktiengesellschaft mit Sitz in München auf.


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Artikel von Gerhard Hetzer

Von der Urproduktion zu Verarbeitung und Vertrieb

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Die Wurzeln der Gutehoffnungshütte führen zu verschiedenen, im 18. Jahrhundert gegründeten Eisenhütten im Ruhr-Emscher-Gebiet zurück. Diese Betriebe wurden 1810 zur Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen vereinigt. Damit begann die bis in die 1960er Jahre reichende Dominanz von Angehörigen der Familie Haniel bei den Geschäftsanteilen des Unternehmens, das ab 1873 als "Gutehoffnungshütte Actienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb" mit Sitz in Sterkrade (seit 1929 ein Stadtteil von Oberhausen/Ruhrgebiet) firmierte. In dem nahe der preußisch-kurkölnischen Grenze gelegenen Sterkrade war seit 1782 die Hütte "Gute Hoffnung" betrieben worden, die nun für das Gesamtunternehmen namengebend wurde.

Der Aufstieg der Gutehoffnungshütte verbindet sich vor allem mit den Namen der Generaldirektoren Paul Reusch (1868-1956) und - dessen Sohn - Hermann Reusch (1896-1971), die den vertikalen Konzern seit 1905 in nur kurz unterbrochener Generationenfolge aufbauten und umstrukturierten. Unter Paul Reusch trat das Unternehmen über das rheinisch-westfälische Industriegebiet hinaus. Hierzu gehörten Erwerbungen und Neugründungen in Norddeutschland sowie im internationalen Handelsbereich. Ein wichtiges Zielgebiet war auch Süddeutschland.

Die Gutehoffnungshütte in Bayern

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Mit maßgeblichen Beteiligungen an Betrieben in Nürnberg (Eisenwerk Tafel, Fritz Neumayer AG), Augsburg (Zahnräderfabrik vorm. Joh. Renk) und Eßlingen in den Jahren 1919 bis 1923 errichtete das Unternehmen Stützpunkte in der süddeutschen Verarbeitungsindustrie, die von Tochtergesellschaften im Verhüttungs- (Wasseralfingen) und Werft-Bereich (Deggendorf) flankiert wurden. Kernstück der Erwerbungen war aber die Aktienmehrheit an der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN) 1920/21 gegen starke Mitbewerber. Die Aufsehen erregende Eingliederung, die gegen den Willen wichtiger Führungskräfte der MAN erfolgte, wurde in Teilen der Öffentlichkeit als Einbruch von Ruhrmagnaten in eine süddeutsch-bayerische Unternehmenskultur und damit als Parallele zum Verlust föderaler Elemente in der neuen Reichsverfassung gesehen. Der schrittweise Erwerb der Mehrheit der MAN-Aktien durch die GHH mündete Ende 1921 in einer heftigen Pressepolemik: "Die industrielle Mainlinie" sei überschritten.

1923 wurde als Dachgesellschaft für die Konzernbetriebe der "Gutehoffnungshütte, Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetriebe" geschaffen (Sitz: Nürnberg), während als Produktionsgesellschaft die neue "Gutehoffnungshütte Oberhausen Aktiengesellschaft" (Sitz: Oberhausen) entstand (Bezeichnungen ab 1953, nach der seit 1947 durchgeführten Entflechtung der GHH-Betriebe: Gutehoffnungshütte-Aktienverein bzw. Gutehoffnungshütte Sterkrade Aktiengesellschaft).

In den 1920er Jahren wurde der aus Württemberg stammende Paul Reusch zu einem der mächtigsten deutschen Industriekapitäne. Er war ein früher Förderer des Deutschen Museums in München, dessen Ausschuss und Vorstandsrat er seit 1911 bzw. 1915 angehörte. Er gab auch das 1930 nach heftigen Auseinandersetzungen vor dem Museum aufgestellte Bismarck-Denkmal in Auftrag. Über Beteiligungen der Familienaktionäre im Verlagswesen und die Präsenz in der Münchner Gesellschaft "Gäa" hatte die Gutehoffnungshütte Einfluss in der süddeutschen Presse (v. a. Münchner Neueste Nachrichten, Fränkischer Kurier, Verlag Knorr&Hirth, Süddeutsche Monatshefte), was Reusch 1932 - erfolglos - zugunsten einer Einbindung samt Zähmung der NSDAP in eine rechtsgerichtete, wirtschaftsfreundliche Reichsregierung nützen wollte.

Politisch stand Reusch in der Tradition des rechten Flügels der Nationalliberalen des Kaiserreiches, pflegte in der Weimarer Zeit eine grundsätzliche Distanz zur Parteipolitik, unterhielt allerdings Kontakte zu verschiedenen Denkern der "Konservativen Revolution" (Oswald Spengler [1880-1936], Edgar Jung [1894-1934]). Von der NSDAP befürchtete er seit den frühen 1920er Jahren wirtschafts- und sozialpolitisches Abenteurertum. Seit 1933 suchte er die Interessen seines Unternehmens auch unter den neuen Rahmenbedingungen zu wahren, dabei aber deutlichere Bekenntnisse zu meiden.

Schwerpunktverlagerung nach 1945

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1942 trat Paul Reusch nach konzerninternen Konflikten auf Druck des Sicherheitsdienstes (SD) des Reichsführers SS zurück. Sein Sohn Hermann amtierte von 1947 (kommissarisch seit 1945) bis 1966 als Vorstandsvorsitzender und machte sich als streitbarer Interessenvertreter der Industrie (u. a. gegen die Mitbestimmung der Gewerkschaften) einen Namen. Die GHH-Grundstoffbetriebe (Bergbau und Hüttenbetriebe im Ruhrgebiet) wurden durch die 1946 errichtete Treuhandverwaltung bis 1952 als neue Unternehmen im Zuge der Entflechtung aus dem Konzern gelöst.

Dies förderte die Konzentration der verbliebenen Bereiche auf den Anlagenbau (u. a. Schiffe, Brücken, Großgetriebe) und den Handel. Die Gutehoffnungshütte entwickelte sich zum größten bundesdeutschen Maschinenbau-Unternehmen. Daneben wurde der Nutzfahrzeugbau vorangetrieben (1955 Gründung des entsprechenden MAN-Werks in München, zahlreiche Übernahmen nach 1970, auch in Österreich, der Schweiz, Dänemark, England und Polen). Bereits in den 1960er Jahren wurden konzernintern Werke nach verwandten Produktpaletten zusammengelegt.

1986 erfolgte unter wesentlichem Einfluss der Münchner Allianz-Versicherung der Schritt zum Vertragskonzern, der sich unter dem Namen MAN AG in einzelne Aktiengesellschaften mit eigener betriebswirtschaftlicher Verantwortung gliedert. Der Firmensitz wurde von Oberhausen nach München verlegt. Wichtigste Produktionsstandorte in der Bundesrepublik sind heute München, Salzgitter, Augsburg, Oberhausen und Essen. Erinnerungen an die Gutehoffnungshütte bestehen noch in Namensteilen einiger Nachfolgegesellschaften in Oberhausen.

Beschäftigtenzahlen

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JahrAnzahlBemerkung
18738.300 
190519.500 
192380.500 
1938ca. 80.000 
1953knapp 53.000 
198280.000davon ca. 60.000 bei MAN
199067.000nun MAN
200755.000MAN (33.000 im Inland)

Literatur:

Weiterführende Recherche:

Externe Links:


Empfohlene Zitierweise:

Gerhard Hetzer, Gutehoffnungshütte (GHH), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44888> (08.10.2009)


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Letzte Änderung: 08.10.2009