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Das Odeon, 1846-1944 Sitz der Musikhochschule. Heute ist dort das Bayerische Innenministerium untergebracht. (Bayerische Staatsbibliothek München, Porträt- und Ansichtensammlung)
Das Odeon, 1846-1944 Sitz der Musikhochschule. Heute ist dort das Bayerische Innenministerium untergebracht. (Bayerische Staatsbibliothek München, Porträt- und Ansichtensammlung)

Heutiges Gebäude der Musikhochschule, der ehemalige "Führerbau" am Königsplatz (Hochschule für Musik und Theater, München)
Heutiges Gebäude der Musikhochschule, der ehemalige "Führerbau" am Königsplatz (Hochschule für Musik und Theater, München)

Großer Konzertsaal in der Musikhochschule. (Foto: Regine Heiland)
Großer Konzertsaal in der Musikhochschule. (Foto: Regine Heiland)

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Hochschule für Musik und Theater, München

1846 gegründete staatliche Ausbildungseinrichtung für musikalischen Nachwuchs. Besondere Bedeutung erlangte die Hochschule in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem sie unter Richard Wagners (1813-1883) maßgeblichem Einfluss ab 1867 neu formiert wurde. In der Zwischenkriegszeit gelang es nicht, an die Blütezeit anzuknüpfen. Erst nach 1945 erlangte die Hochschule wieder internationale Bedeutung.


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Artikel von Josef Focht

Idee und Vorläufer

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Die Hochschule für Musik und Theater München konnte bereits bei ihrer Gründung 1846 auf mehrere Vorläufer-Institutionen aufbauen, die in den vorausgegangenen Jahrzehnten in und außerhalb Münchens entstanden waren. Nach italienischen Vorbildern sind hier zunächst die überregional beachteten Konservatorien in Prag (gegründet 1792), Würzburg (1804), Breslau (1810) oder Wien (1812) zu nennen, denen mehrere Münchner Musikschulen nacheiferten. Diese Institutionen halfen dem Defizit in der Ausbildung des Musikernachwuches für die Oper, das Konzertwesen und die Musikpädagogik ab. Damit sollte den Veränderungen im Schulsystem Rechnung getragen werden, die durch die Umbrüche der Säkularisation - vor allem das Ausscheiden von Klosterschulen aus der Musiker-Ausbildung - entstanden waren. Gleichzeitig kamen sie den Bedürfnissen der Musikkultur des sich emanzipierenden Bürgertums entgegen.

Unter den Münchner Vorläufern ist die 1830 begründete "Central-Singschule" des Hoftenoristen Franz Xaver Löhle (1792-1837) zu nennen, die bis 1843 bestand, zuletzt unter der Leitung des Hofkapellmeisters Franz Lachner (1803-1890). Daneben existierten zwei auf die instrumentale Ausbildung spezialisierte "Musikalische Lehranstalten" der Hofmusiker Karl Mayer (von 1829 bis 1833 bestehend, gest. 1874) und Anton Moralt (1836 bis 1838). Diese Initiativen scheiterten jedoch, weil nicht genügend Mittel zur Verfügung standen.

Das Königliche Konservatorium bis zum Ersten Weltkrieg

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Die bayerische Regierung entschloss sich daher 1844 zur Gründung eines Konservatoriums, das 1846 unter Leitung des Baritons Franz Hauser (1794-1870) die Ausbildung in verschiedenen Gesangs-, Tonsatz- und Instrumentalklassen aufnahm.

1864 verfasste Richard Wagner (1813-1883) in der Hoffnung auf die Uraufführung seines Opernzyklus' "Der Ring des Nibelungen" einen "Bericht an seine Majestät König Ludwig II. von Bayern (1845-1886, reg. 1864-1886) über eine in München zu errichtende deutsche Musikschule". Die zentralen Anliegen Wagners waren eine Gesangsausbildung, die den Anforderungen seiner Bühnenwerke genügte, und eine enge Bindung der Institution an die Münchner Hofoper. Unter Berücksichtigung dieses elitären Konzepts wurde das bestehende Konservatorium im Folgejahr geschlossen und 1867 unter der Leitung des Hofkapellmeisters Hans von Bülow (1830-1894) mit den drei Abteilungen einer Gesangs-, Instrumental- und Musiktheorieschule neu eröffnet. Die Finanzierung leistete zunächst König Ludwig II. aus seinen persönlichen Verfügungsmitteln, ab 1874 dann der Staat.

In den folgenden Jahrzehnten intensivierte sich die enge Bindung an das Münchner Hoforchester, wodurch die repräsentativen Elemente bürgerlicher Musikerziehung (Klavierspiel, Konzertwesen, Musikpädagogik) zunehmendes Gewicht erhielten. Besonders in der "Prinzregentenzeit" um die Jahrhundertwende trug das Konservatorium wesentlich zum Ruf Münchens einer hervorragenden Kunstmetropole bei: Berthold Kellermann (1853-1926) führte 1905 eine Klavier-Meisterklasse ein. Carl Baermann (Klarinette), Ernst Reichenbächer (Oboe) oder Rudolf Tillmetz (Flöte) wirkten im Bereich der Holzblasinstrumente an der Profilierung des Hauses mit. Auch die Alte Musik oder die junge Musikwissenschaft erhielten daraus prägende Anstöße.

Akademie und Musikhochschule in der Weimarer Republik und der NS-Zeit

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Nach dem Zusammenbruch des Unterrichtsbetriebs infolge des Ersten Weltkriegs und der Abwanderung einiger Musiker – Lehrer wie Schüler – nach Berlin (der in den 1920er Jahren konkurrenzlos führenden Metropole des Deutschen Reichs) gelang es der zur "Staatlichen Akademie der Tonkunst" erhobenen Münchner Musikhochschule nach 1920 nicht mehr, an ihre Hochblüte der Vorkriegszeit anzuknüpfen. Während das Ausbildungsangebot stärker differenziert und zugunsten der Schulmusik verschoben wurde, war spätestens ab 1927 die Dominanz konservativer Strömungen erkennbar, die sich z. B. in der Ablehnung moderner Kompositionsrichtungen wie des französischen Impressionismus oder der Dodekaphonie (Zwölftontechnik) äußerte.

Der Beginn der NS-Herrschaft ist durch die weithin bekannte Auseinandersetzung um einen Vortrag des Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann (1875-1955) anlässlich des 50. Todestags von Richard Wagner 1933 charakterisiert: An dem "Protest der Richard-Wagner-Stadt München", der Mann in das Exil zwang, beteiligten sich im April 1933 neben den renommierten Dirigenten und Komponisten Hans Knappertsbusch (1888-1965), Siegmund von Hausegger (1872-1948), Richard Strauss (1864-1949) und Hans Pfitzner (1869-1949) auch eine Vielzahl von Nationalsozialisten und Opportunisten aus der Professorenschaft der Musikhochschule.

In den Jahren der NS-Regierung waren alle Bereiche des Hochschullebens im Sinne der Nationalsozialisten kontrolliert: Die Hochschulleitung, die Lehrkräfte und sogar die Studenten wurden auf ihre Gesinnung geprüft. Im Hinblick auf die propagandistische Bedeutung des "Gemeinschaftssingens und Gemeinschaftsmusizierens" wurde vorrangig die Schulmusik aufgewertet.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

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1946 wurde die Musikhochschule unter ihrem ersten Nachkriegspräsidenten Joseph Haas (1879-1960) wieder gegründet. Seitdem zählt die Komposition zu ihren Schwerpunkten; in jüngerer Zeit traten die darstellenden Künste – in Kooperation mit der Bayerischen Theaterakademie und den Bayerischen Staatstheatern – sowie die Musikwissenschaft als weitere Ausbildungsinhalte hinzu. Die Geschichte der Institution seit 1946 und ihre Bewertung harren noch einer detaillierten Untersuchung.

Bezeichnungen und Trägerschaften (einschließlich der Vorläufer-Institutionen)

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1830-1843Central-Singschule in der Dompfarrei
1846-1865Königliches Konservatorium für Musik
1865-1874Richard Wagner Münchner Atelier für Musik (Musikschule), private Finanzierung durch König Ludwig II.
1874-1892Staatliche Musikschule
1892-1920 Königliche Akademie der Tonkunst
1920-1924Staatliche Akademie der Tonkunst
1924-1944Staatliche Hochschule für Musik, Akademie der Tonkunst
1946-1998Staatliche Hochschule für Musik
seit 1998Staatliche Hochschule für Musik und Theater München

Führungskräfte der Hochschulleitung (einschließlich der Vorläufer-Institutionen)

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1830-1837Franz Löhle(1792-1837) Leiter
1837-1841Georg Mittmayer(1784-1858) Leiter
1842-1843Franz Lachner(1803-1890) Leiter
1846-1864 Franz Hauser (1794-1870) Direktor
1846-1864 Andreas Wohlmuth(1809-1884) Stellvertretender Direktor
1864-1865Ludwig Nissl Kommissarischer Leiter
1867-1869Hans von Bülow (1830-1894) Artistischer Direktor
1869-1901 Carl von Perfall (1824-1907)Leiter, ab 1874 Direktor
1874-1877Franz Wüllner (1832-1902)Inspektor
1874-1901Joseph Gabriel Rheinberger(1839-1901) Inspektor
1878-1895Ludwig Abel(1835-1895)Inspektor
1895-1904Hans Bußmeyer (1853-1930) Inspektor
1901-1904Bernhard Stavenhagen (1862-1914) Direktor
1904-1911Felix Mottl (1856-1911) Direktor
1911-1919 Hans Bußmeyer(1853-1930) Direktor
1912-1917Viktor Gluth (1852-1917) Mitglied des Direktoriums
1912-1920Felix von Kraus(1870-1937) Mitglied des Direktoriums
1912-1920 Eberhard Schwickerath (1856-1940)Mitglied des Direktoriums
1912-1920 Berthold Kellermann (1853-1926) Mitglied des Direktoriums
1917-1919 Friedrich Klose (1862-1942) Mitglied des Direktoriums
1920-1934 Siegmund von Hausegger(1872-1948) Direktor, ab 1923 Präsident
1920-1933 Hermann Wolfgang von Waltershausen(1882-1954) Ständiger Vertreter, ab 1923 Akademiedirektor
1934-1944 Richard Trunck(1879-1968) Präsident
1933-1936August Schmid-Lindner(1870-1959) Stellvertretender Präsident
1944 Johannes Hobohm(1890-1974) Stellvertretender Präsident
1946-1950 Joseph Haas (1879-1960) Präsident
1950-1954Robert Heger (1886-1978) Präsident
1954-1972Karl Höller (1907-1987) Präsident
1972-1981Fritz Schieri (geb. 1922)Präsident
1981-1988Diethard Hellmann(geb. 1928)Präsident
1988-1991Klaus Schilde(geb. 1926)Präsident
1991-1995Cornelius Eberhardt(geb. 1932)Präsident
1995-2003Robert M. Helmschrott (geb. 1938)Präsident, ab 1999 Rektor
seit 2003Siegfried Mauser(geb. 1954)Rektor

Standorte

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1830-1843Dompfarrschule
1846-1944 Odeon
1946Maximilianeum
1946-1957Villa Stuck und Villa Larisch
seit 1957Arcisstraße 12 (ehemaliger "Führerbau" von 1933-1937)
seit 1999mit zusätzlichen Institutsgebäuden (Luisenstraße)

Literatur:

Weiterführende Recherche:

Externe Links:


Empfohlene Zitierweise:

Josef Focht, Hochschule für Musik und Theater, München, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44831> (25.01.2010)


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Letzte Änderung: 25.01.2010