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Gauleiter Otto Hellmuth, ohne Datum. (Bayerische Staatsbibliothek, [[histlexbay:44990:Fotoarchiv Hoffmann]])
Gauleiter Otto Hellmuth, ohne Datum. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

Nationalsozialistische Propagandabroschüre "Mainfranken im Aufbau", Würzburg 1935.
Nationalsozialistische Propagandabroschüre "Mainfranken im Aufbau", Würzburg 1935.

Karte der NSDAP-Gaue Mainfranken, Franken und Bayerische Ostmark, 1939. (Bayerische Staatsbibliothek)
Karte der NSDAP-Gaue Mainfranken, Franken und Bayerische Ostmark, 1939. (Bayerische Staatsbibliothek)

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Mainfranken

Ursprünglich aus dem kulturellen Kontext hergeleitete Bezeichnung für das Maingebiet um Würzburg, Bamberg und Aschaffenburg. Besondere Bedeutung erhielt der Begriff unter den Nationalsozialisten, die den NSDAP-Gau und den Regierungsbezirk Unterfranken und Aschaffenburg 1935 bzw. 1938 danach umbenannten. Da die Bezeichnung nach 1945 zunächst als belastet galt, hieß der Regierungsbezirk seit 1946 "Unterfranken". In den letzten Jahrzehnten zunehmend verwendet, steht "Mainfranken" heute meist synonym für den Regierungsbezirk Unterfranken.


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Artikel von Herbert Schott

Mittelalter

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Der Name "Ostfranken" (Francia orientalis) ist für das Gebiet am Main östlich des Spessarts schon bald nach der Mitte des 8. Jahrhunderts belegbar. Mit "Ostfranken" ist einerseits das Reich Ludwigs des Deutschen gemeint, andererseits bezieht es sich vorrangig auf das Herrschaftsgebiet des Bischofs von Würzburg, nach der Gründung des Bistums Bamberg 1007 auch auf dieses, mitunter aber auch auf alle zu Franken zu rechnenden Gebiete. Die moderne Forschung verwendet für dieses Gebiet mit "dem Main als Achse" häufig den Namen "Mainfranken". Vermutlich wurde dieser Begriff in dieser Bedeutung und für das Mittelalter erstmals 1913 von Günther Schmidt im Zuge seiner Forschungen über das Herzogtum Franken benutzt.

Knapps Mainfranken-Begriff

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Der Begriff "Mainfranken" wurde im 19. Jahrhundert vereinzelt verwendet, erstmals belegt 1839 als Volksbezeichnung (bezogen auf das Mittelalter), als Regionenbezeichnung 1846. Einer der ersten, die den Begriff für ihre Gegenwart verwandten, war Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898), der in seinen 1898 erschienenen Memoiren von der Bevölkerung der "Mainfranken" sprach.

Bekannt und populär wurde der Begriff aber erst durch den Kunsthistoriker Fritz Knapp (1870-1938), der 1928 ein Buch mit dem Titel "Mainfranken. Würzburg, Bamberg, Aschaffenburg. Kunstgeschichtliche Heimatkunde" veröffentlichte. Knapp hatte von 1921 bis 1936 eine Professur für Kunstgeschichte an der Universität Würzburg inne. Für ihn ist "Mainfranken" ein Gebiet, das im Westen vom Spessart, im Norden von der Rhön und dem Thüringer Wald, im Süden vom Odenwald und im Osten von der Fränkischen Schweiz begrenzt wird. Als Zentrum sieht er das mittlere Maingebiet, die Haßberge und den Steigerwald. Politisch-historisch umfasst Mainfranken für Knapp vor allem das Gebiet der (katholischen) Hochstifte Würzburg und Bamberg, dazu Mainzer Gebiete um Aschaffenburg, während für ihn die markgräflichen Gebiete (die Fürstentümer Brandenburg-Ansbach bzw. -Bayreuth) "künstlerisch wie geistig eigene Wege gingen" und damit ausgeschlossen seien (Knapp, Mainfranken, 2). "Mainfranken" war demnach keine politische oder verwaltungsmäßige Einheit, sondern ein Begriff, der eine Kunstlandschaft der Zeit der Romanik bis zum Rokoko beschreiben sollte.

Gauleiter Otto Hellmuth und "Mainfranken"

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Große Verbreitung fand der Name "Mainfranken" erst im "Dritten Reich", genauer gesagt durch Gauleiter Otto Hellmuth (1896-1968). 1928 wurde er von Hitler zum Gauleiter des NSDAP-Gaus "Unterfranken" eingesetzt. Auf seinen Vorschlag hin benannte die Reichsleitung der NSDAP den Gau am 30. Juli 1935 in "Mainfranken" um.

Schon 1933 wurde der Begriff aber von Helmut Nicolai (1895-1955) für ein Verwaltungsgebiet verwendet. In seiner Adolf Hitler gewidmeten Schrift (Grundlagen der kommenden Verfassung. Über den staatsrechtlichen Aufbau des Dritten Reiches, Berlin 1933) schlugt der Staatsrechtler eine Aufteilung Deutschlands "nach völkischen Gesichtspunkten" in 14 Länder vor; dabei sollte "Main-Franken" aus den bayerischen Regierungsbezirken Ober-, Mittel- und Unterfranken bestehen. Es kam aber im Dritten Reich nicht mehr zu einer großen Reichsreform.

Der Regierungsbezirk hieß seit 1837 "Unterfranken und Aschaffenburg". Hellmuth, seit Ende 1934 auch Regierungspräsident, strebte auch die Umbenennung des Regierungsbezirks in "Mainfranken" an. Im Mai 1937 gewann er den bayerischen Ministerpräsidenten Ludwig Siebert (1874-1942) dafür, aber nur mit großer Mühe konnten sich die beiden gegen den Widerstand des bayerischen Innenministers Adolf Wagner (1890-1944) durchsetzen. Gegner der Umbenennung hatten auf die erwartete Reichsreform verwiesen, der nicht vorgegriffen werden solle. Ab dem 1. Juni 1938 hieß der Regierungsbezirk offiziell "Mainfranken".

Hellmuth wollte aus "seinem" Gau Mainfranken einen Mustergau machen und der Bevölkerung eine Art mainfränkische Identität geben. Er sah Mainfranken als "Bauerngau" und den mainfränkischen "Stamm" in der Tradition der Bauern, die 1525 für ihre Freiheit gekämpft hatten. Neben Florian Geyer (um 1490-1525), dem Bauernführer von 1525, wurden Künstler und Dichter wie Wolfram von Eschenbach (1170/75-nach 1220) und Balthasar Neumann (1687-1753) als Vorbilder gepriesen. Hellmuth initiierte zum Beispiel einen Mainfränkischen Kunstpreis; das Attribut "Mainfranken" wurde vielen Namen beigegeben (Mainfränkisches Museum, Mainfränkische Zeitung und so weiter).

Die Gauausstellung "Mainfranken, wie es strebt und schafft" 1937 sollte ein umfassende Leistungsschau sein. Hellmuth versuchte, den Begriff der "Mainlinie" zu instrumentalisieren. Er betonte, er habe für Hitler die "Mainlinie" erobert, die für die BVP eine Grenzlinie politischen Denkens gewesen sei. Er strebte nach einem größeren Mainfranken als Einflussbereich. Hellmuth wollte über die Grenzen seines Gaues hinausgehen, 1939 strebte er offen danach, Gebiete in Baden (Landkreis Wertheim, Teile der Kreise Buchen und Mergentheim), Thüringen (Enklave Ostheim), Mittelfranken (Uffenheim) und Oberfranken (Bamberg, Lichtenfels, Coburg) seinem Gau zuzuschlagen, was aber am Widerstand der anderen Gauleiter und der Regierung scheiterte. Hellmuths Absicht, den Begriff "Mainfranken" auszudehnen, zeigt etwa die Umbenennung der Zeitschrift „Spessart“, ab Mai 1935 hieß sie „Mainfranken. Illustrierte Monatsschrift für Spessart, Odenwald, Rhön und Steigerwald“ .

Der Begriff "Mainfranken" nach 1945

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Da der Begriff "Mainfranken" nach 1945 vielen als durch das "Dritte Reich" belastet galt, wurde der Regierungsbezirk am 9. April 1946 durch eine Verordnung der Regierung Hoegner, die am 14. Juli 1946 publiziert wurde, in "Unterfranken" umbenannt. Für die Durchsetzung sorgte ab dem 15. Juli 1946 der Regierungspräsident Jean Stock (1893-1965). Der Zusatz "und Aschaffenburg" wurde trotz Protesten, insbesondere aus Aschaffenburg, nicht mehr hinzugefügt. Nur wenige Institutionen behielten die Bezeichnung "mainfränkisch" bei (Mainfränkisches Museum). Aber der Begriff erschien vielen politisch vorbelastet.

Doch bald setzte die Gegenbewegung ein, "Mainfranken" oder das Adjektiv "mainfränkisch" wurden immer häufiger verwendet (etwa "Mainfrankenmesse" seit den 1950er Jahren, "Mainfränkisches Jahrbuch" seit 1949). Im letzten Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende wurde der Begriff "Mainfranken" immer populärer. Er verdrängte den offiziellen Namen Unterfranken aus den Medien und steht heute meist synonym für den Regierungsbezirk Unterfranken oder auch immer häufiger für den Regierungsbezirk ohne das Untermaingebiet, z. B. "Industrie- und Handelskammer Mainfranken" (früher: IHK Würzburg-Schweinfurt).


Literatur:

Weiterführende Recherche:

Externe Links:


Empfohlene Zitierweise:

Herbert Schott, Mainfranken, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44763> (10.09.2013)


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Letzte Änderung: 10.09.2013