Startseite

Häufige Fragen


Volltext Titel

Neue Artikel

Artikel A-Z

Verwandte Artikel:

Dokumente:

Annonce des Franz Eher Verlages für "Mein Kampf"; Völkischer Beobachter vom 31. Januar 1933, nach der "Machtergreifung".
Annonce des Franz Eher Verlages für "Mein Kampf"; Völkischer Beobachter vom 31. Januar 1933, nach der "Machtergreifung".

Titelblatt der Erstauflage von "Mein Kampf" (1925), mit Brustbild Hitlers. (Bayerische Staatsbibliothek, [[histlexbay:44990:Fotoarchiv Hoffmann]])
Titelblatt der Erstauflage von "Mein Kampf" (1925), mit Brustbild Hitlers. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

Werbeplakat für Adolf Hitlers "Mein Kampf", 1925. (Bayerische Staatsbibliothek, [[histlexbay:44990:Fotoarchiv Hoffmann]])
Werbeplakat für Adolf Hitlers "Mein Kampf", 1925. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

Autorenbereich

Impressum

Nutzungshinweise

Hitler, Adolf: Mein Kampf, 1925/26

Zentrale Programmschrift der nationalsozialistischen Weltanschauung Adolf Hitlers (1889-1945). Die Erstausgabe erschien am 18. Juli 1925 (Band 1) und am 11. Dezember 1926 (Band 2) im Franz Eher Nachf. Verlag in München. Bis 1945 wurden über 12,5 Mio. Exemplare weltweit in 16 Sprachen verkauft oder verschenkt. Seit 1945 nimmt das bayerische Staatsministerium der Finanzen das Urheberrecht des Buches in Anspruch, Druck und Vertrieb von Neuauflagen sind in Deutschland nicht gestattet.


Inhalt (verbergen)


Artikel von Eberhard Jäckel/Ellen Latzin

Entstehungsgeschichte 1924/25

(nach oben)

Das Buch entstand unter dem Titel "Viereinhalb Jahre Kampf gegen Lüge, Dummheit und Feigheit. Eine Abrechnung" seit Juli 1924 in Landsberg am Lech. Dort verbüßte Adolf Hitler (1889-1945) nach dem gescheiterten Putschversuch vom 8./9. November 1923 eine Festungshaftstrafe. Anders als bisher diskutiert, hat er den Text nicht anderen Personen (vermutet wurden Rudolf Heß [1894-1987] und Emil Maurice [1897-1972]) diktiert (Plöckinger, Geschichte eines Buchs, 121-153). Nach der Haftentlassung Hitlers am 20. Dezember 1924 wurde der Text mehrfach umgearbeitet und in zwei Teile aufgespalten. Wesentliche Teile des zweiten Bandes entstanden erst 1926.

Der erste Teil des Buchs erschien am 18. Juli 1925 unter dem neuen Titel "Mein Kampf. Eine Abrechnung" in einer Auflage von zunächst 10.000 Exemplaren im Franz Eher Nachf. Verlag in München, dem von Max Amann (1891-1957) geleiteten Parteiverlag der NSDAP. Den Druck besorgte das Münchner Buchgewerbehaus M. Müller & Sohn in der Schellingstraße 39/41. Der zweite Band mit dem Titel "Die nationalsozialistische Bewegung" erschien im Eher Verlag am 11. Dezember 1926 (mit Erscheinungsjahr 1927)

"Mein Kampf" wurde das erfolgreichste Produkt des Verlages, der seine Finanzen dadurch maßgeblich sanierte. Das Schicksal des Originalmanuskripts, das Hitler möglicherweise Helene Bechstein (1876-1951) schenkte, ist ungeklärt (Plöckinger, Geschichte eines Buchs, 153-157).

Hitlers "Zweites Buch", das insbesondere die außenpolitischen Erörterungen in "Mein Kampf" ergänzt, entstand im Sommer 1928. Das Manuskript blieb jedoch während der nationalsozialistischen Diktatur unveröffentlicht. Es gelangte nach Kriegsende in das Nationalarchiv der Vereinigten Staaten und erschien erst 1961 als kommentierte Edition.

Verbreitung

(nach oben)

Seit 1930 gab es "Mein Kampf" auch in einer einbändigen, ungekürzten Volksausgabe (780 Seiten) für 8 Reichsmark; bis Jahresende 1933 druckte der Eher Verlag 1,5 Mio. Bände. Seit der Machtübernahme wurde das Buch auch bei Eheschließungen, als Buchprämie beim Schulabschluss oder bei der Aufnahme in die NSDAP verteilt. Allerdings weigerten sich zahlreiche Gemeinden und Städte, unter anderem München und Nürnberg, längere Zeit, "Mein Kampf" als Hochzeitsgeschenk zu verwenden. 1939 waren 5 Mio. Exemplare erschienen, bis 1945 erreichte das Buch eine Gesamtauflage von etwa 12,5 Mio. Exemplaren. Kritische Rezensionen in der Auslandspresse nach 1933, so im Daily Telegraph oder The Times und kritische Bücher, etwa von Irene Harand (1900-1975) (1935) und Manuel Humbert (1905-1979) (1936), beeinträchtigten die Verbreitung nicht. Es wurde zudem in 16 Sprachen übersetzt.

Die Rechte für die amerikanische Ausgabe erhielten Houghton, Mifflin and Co., die am 11. Oktober 1933 die erste englische, gekürzte Übersetzung herausbrachten. Die Urheberrechte an der deutschen Ausgabe nimmt seit 1945 der Freistaat Bayern in Anspruch, dem die Alliierten nach Kriegsende die Vermögenswerte des Franz Eher Nachf. Verlags und Hitlers übertragen hatten. Nach 1945 erschien das Buch daher in zahlreichen Übersetzungen, aber nicht mehr in deutscher Sprache. Auch eine kritische Gesamtausgabe fehlt bis heute, obwohl bereits Bundespräsident Theodor Heuss (1884-1963) in den 1950er Jahren eine kommentierte Edition anregte (Maser, Kampf, 45).

Überarbeitungen

(nach oben)

Redaktionelle Überarbeitungen des ersten Bandes nahmen Joseph Stolzing-Cerny (1869-1942) und Ilse Pröhl (1900-1995), die spätere Frau von Rudolf Heß, vor. Den zweiten Band überarbeitete Rudolf Heß. (Vgl. Plöckinger, Geschichte eines Buchs, 121-153). Auch in den späteren Auflagen glätteten zahlreiche stilistische Verbesserungen den Redestil Hitlers.

Ferner erfuhr das Buch einige sachliche Berichtigungen. Inhaltlich gab es nur 1930 eine Änderung. Sie bestimmte, dass die Unterführer der NSDAP nicht mehr gewählt, sondern durch den ranghöheren Führer eingesetzt werden. Ansonsten blieb der Inhalt aller späteren Ausgaben unverändert.

Inhalt

(nach oben)

Während angeblich der erste Band das Leben Hitlers und der zweite die Entwicklung der NSDAP beschreibt, soll das Buch auch, wie das Vorwort besagt, die Ziele und die Lehre Hitlers festlegen. In Wahrheit sind die autobiographischen Angaben weithin falsch und lückenhaft. Sie dienen nur als Mittel, um die erst nach 1919 entstandenen Anschauungen Hitlers scheinbar aus seinem Leben abzuleiten. Im selben Sinne tritt im zweiten Band die Parteigeschichte fast ganz hinter programmatischen Äußerungen zurück.

Das Buch erörtert alle Bereiche der Politik, beschreibt aber mit besonderer Deutlichkeit im 4. Kapitel des ersten Bandes und im 13. und 14. Kapitel des zweiten Bandes das Programm einer künftigen deutschen Außenpolitik. Deren Ziel sollte es sein, zunächst Bündnisse mit Italien und England zu schließen und dann Frankreich in einem Krieg zu besiegen, um so die Voraussetzungen zu schaffen, in Osteuropa und Sowjetrussland so genannten Lebensraum für das deutsche Volk zu erobern.

Das Buch enthält ferner Hitlers antijüdisches Programm. Während er seit 1919 zunächst nur die "Entfernung" der Juden gefordert und damit meist ihre Auswanderung oder Ausweisung aus Deutschland gemeint hatte, forderte er nun ihre Tötung, der eine Bedeutung für die ganze Welt zukomme: "Kein Volk entfernt diese Faust (des unerbittlichen Weltjuden) anders von seiner Gurgel als durch das Schwert (...) Ein solcher Vorgang bleibt aber ein blutiger". Hitler beklagte, dass es die deutsche Regierung versäumt hätte, die Juden bei Beginn des Ersten Weltkrieges "unbarmherzig auszurotten" und behauptete, dass die Niederlage nicht erfolgt wäre, wenn man 12.000 oder 15.000 von ihnen "unter Giftgas gehalten" hätte (14. und 15. Kapitel des zweiten Bandes).

Bedeutung

(nach oben)

Die Bedeutung des Buches ist in der historischen Forschung umstritten. Während einige meinen, es habe nur der Propaganda gedient, erblicken andere in ihm, vor allem angesichts von Hitlers späterer Politik, die ernstgemeinte Darstellung seiner Ziele bereits in den 1920er Jahren. Trotz seiner weiten Verbreitung haben die Zeitgenossen das Buch insgesamt nur wenig beachtet. Verbindliche Angaben, etwa über die Zahl der deutschen Leser, gibt es nicht. 2006 versuchte Othmar Plöckinger (geb. 1965) den Mythos des "ungelesenen Bestsellers" zu widerlegen, indem er die seit 1930 intensivierte Rezeption des Buchs bei politischen Gegnern und Anhängern des Nationalsozialismus' materialreich dokumentierte. Seine Thesen stießen in der Fachwelt allerdings auf Skepsis.


Literatur:

Quellen:

Weiterführende Recherche:

Externe Links:


Empfohlene Zitierweise:

Eberhard Jäckel/Ellen Latzin, Hitler, Adolf: Mein Kampf, 1925/26, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44547> (09.10.2009)


Druckversion des Artikels (pdf)

Haben Sie Anmerkungen zu diesem Artikel? Schreiben Sie an die Redaktion (histlexbay@bsb-muenchen.de).

Letzte Änderung: 09.10.2009