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Außenaufnahme des Deutschen Museums. (Archiv des Deutschen Museums)
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Der Museumsgründer Oskar von Miller (1855-1934). (Archiv des Deutschen Museums)
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Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs: Eisenbahnhalle 1945. (Archiv des Deutschen Museums)
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Demonstration in der Abteilung Starkstromtechnik: Faradayscher Käfig. (Archiv des Deutschen Museums)
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Modell einer menschlichen Zelle (Vergrößerung). (Archiv des Deutschen Museums)
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Deutsches Museum, Verkehrzentrum auf der Theresienhöhe. (Archiv des Deutschen Museums)
Deutsches Museum, Verkehrzentrum auf der Theresienhöhe. (Archiv des Deutschen Museums)

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Deutsches Museum, München

Das "Deutsche Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik" wurde 1903 gegründet. Initiator war Oskar von Miller (1855-1934). Eine provisorische Ausstellung war seit 1906 im Alten Nationalmuseum (heute Völkerkundemuseum) in der Münchner Maximilianstraße 26 untergebracht. Von 1909-1914 existierte eine Zweigstelle in der Schwere-Reiter-Kaserne auf dem Gelände des heutigen Deutschen bzw. Europäischen Patentamts. Am 7. Mai 1925 wurde der Neubau auf der Museumsinsel eingeweiht. Der Bibliotheksbau gegenüber der Sammlung öffnete am 7. Mai 1932 seine Türen, der Kongress-Saal drei Jahre später. Das Museum dokumentiert anhand von rund 100.000 Objekten (20.000 gingen im Zweiten Weltkrieg verloren oder wurden zerstört) die historische Entwicklung von Naturwissenschaften und Technik und verstand sich von Anfang an als überregionale Institution. Es war Vorbild für die Errichtung von technischen Museen weltweit. 1992 kam das Zweigmuseum Flugwerft Schleißheim hinzu, 1995 das Deutsche Museum Bonn. Das Verkehrszentrum zog 2003 in die denkmalgeschützten Messehallen auf der Theresienhöhe. Jährlich verzeichnet das Deutsche Museum als weltweit größtes naturwissenschaftlich-technisches Museum rund 1,5 Mio. Besucher.


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Artikel von Wilhelm Füßl

Museumsinsel in München

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Die heutige "Museumsinsel" in München war bis etwa 1900 unter dem Namen "Kohleninsel" bekannt, da auf ihr seit dem Mittelalter Holz und Holzkohle gelagert wurden. An der Wende zum 20. Jahrhundert fand die Insel mit ihrer zentralen Innenstadtlage zunehmende Aufmerksamkeit. 1898 nutzte man sie für die "Zweite Kraft- und Arbeitsmaschinenausstellung". Auch die Stadtplaner interessierten sich nun für die Insel. Der Ingenieur Theodor Lechner (1852-1932) plante einen Inselbahnhof; der einflussreiche Architekt Theodor Fischer (1862-1938) wiederum wollte sie mit einer kleinen mittelalterlichen Stadt bebauen. Der Vorschlag, auf der Insel ein nationales technisches Museum zu errichten, verknüpfte eine sinnvolle Nutzung mit einem erheblichen Prestigegewinn für die Stadt.

Museumsgründer: Oskar von Miller

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Dieser überraschende Vorstoß kam von Oskar von Miller (1855-1934). Sein Vater Ferdinand von Miller (1813-1887) war einer der weltweit führenden Erzgießer (u. a. der Monumentalstatue "Bavaria" in München). Oskar von Miller hatte ein Bauingenieurstudium absolviert, sich dann aber autodidaktisch der Elektrotechnik zugewandt. Hier wurde er zu einem der Vorreiter der Energieversorgung in Europa. Sein Name ist mit der ersten Gleichstromübertragung von Miesbach nach München über rund 57 km (1882) und der ersten Drehstromübertragung auf ca. 175 km von Lauffen am Neckar nach Frankfurt am Main (1891) verbunden. Auch setzte er 1921 nach langwierigen Verhandlungen die Errichtung des Walchenseekraftwerks und die Gründung des Bayernwerks zur landesweiten Stromversorgung durch. Miller gilt zudem als Begründer der Industriearchäologie in Deutschland.

Anfänge

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Während der Jahrestagung des Vereins Deutscher Ingenieure am 28. Juni 1903 wurde die Gründung eines "Museums von Meisterwerken der Wissenschaft und der Technik" beschlossen, das schon bald den Namen "Deutsches Museum" erhielt. Millers weltweite Beziehungen, sein ausgeprägtes Talent als "Fundraiser" und ein geschicktes System der Museumsorganisation waren beim Aufbau äußerst hilfreich. In kurzer Zeit gelang es, weite Kreise der Industrie und Wissenschaft, der Politik und der deutschen Regierungen, aber auch zahlreiche Einzelpersonen für diese Idee zu begeistern und sie zu tatkräftiger finanzieller Unterstützung bzw. für die Stiftung von historischen wie aktuellen Objekten zu gewinnen. So hatte das Museum bis 1910 schon über 27.000 Exponate eingeworben; 1925 waren es über 44.600 Objekte. Große Bedeutung hatte das von Miller installierte System von "Wunschlisten", die von führenden Wissenschaftlern, Industriellen und Ingenieuren ausgearbeitet wurden und die im Wesentlichen alle Fachgebiete aus Wissenschaft und Technik abdeckten.

Die Bezeichnung "Deutsches Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaften und der Technik" ist das Ergebnis eines im Jahr 1905 durchgeführten Namenwettbewerbs. Der Vorschlag stammte von Oskar von Miller, der damit verdeutlichen wollte, dass das neu gegründete Museum als nationales Museum fungieren sollte.

Die ersten provisorischen Sammlungen eröffneten bereits im November 1906 im Alten Bayerischen Nationalmuseum in München (heute: Staatliches Museum für Völkerkunde) und 1909 in der ehemaligen Schwere-Reiter-Kaserne auf dem Gelände des heutigen Deutschen Patent- und Markenamtes. Noch 1906 erfolgte in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. (1859-1941, reg. 1888-1918) die Grundsteinlegung für das Museumsgebäude auf der Isarinsel. Krieg und Inflation verzögerten dessen Eröffnung bis 1925, dann aber wurde es mit einer für Miller typischen Feier und einem aufwändigen Festzug eingeweiht. Vielfach wird diese Feier als das "letzte Fest der Weimarer Republik" bezeichnet.

Das Museumsgebäude war noch nicht vollständig ausgestattet, als Miller 1928 den Bau der Bibliothek und des Kongress-Saals in Angriff nahm. Die Eröffnung der Bibliothek 1932 erlebte Miller noch mit, den Abschluss des Kongressbaus jedoch nicht mehr. Er verstarb 1934, ein Jahr, nachdem er vom Museumsvorstand zurückgetreten war. Sein Rücktritt 1933 sollte die Unterstützung des Museums auch durch die neuen nationalsozialistischen Machthaber ermöglichen, obwohl diese Miller und sein "kosmopolitisches" Museum skeptisch beurteilten.

Konzeption

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Anders als seine Vorbilder, das "Science Museum" in London und das "Conservatoire des Arts et Métiers" in Paris, verfolgte das Deutsche Museum ein breites Museumskonzept. Es sah neben den Ausstellungen auch eine Bibliothek und ein Spezialarchiv zu Naturwissenschaft und Technik vor. Von Beginn an wollte es historische Forschung betreiben und ein ausgeprägtes Vortragswesen installieren. Der Anspruch war, ein Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und der Technik zu schaffen, in dem alle Fachgebiete - mit Ausnahme der Lebenswissenschaften – vertreten sein sollten. Dazu sollten aus allen Teilen der Welt technisch wichtige Originale und, soweit dies nicht möglich war, Nachbildungen oder Modelle gesammelt und ausgestellt werden. Die Intention war, einen Gesamtüberblick über die Naturwissenschafts- und Technikgeschichte zu liefern. Ganz bewusst hob man sich damit von der Spezialisierung bestehender oder im Aufbau begriffener Museen in Deutschland (Postmuseum seit 1872, Urania 1889, Bau- und Verkehrsmuseum 1905, Museum für Meereskunde 1905, alle Berlin) ab.

Ein zentraler Aspekt der Museumskonzeption schon in den Gründungsjahren war die ausgeprägt pädagogische Orientierung des Deutschen Museums. Diese Zielrichtung erklärt sich zuerst aus dem Informationsbedürfnis der Ingenieure und Techniker, die dem technischen Laien um 1906 die Bedeutung ihrer Leistungen vermitteln wollten. Andererseits stand der deutsche Durchschnittsbürger zu Beginn des 20. Jahrhunderts den gravierenden Umwälzungen, die beispielsweise elektrischer Strom oder Automobile mit sich brachten, nicht nur mit Unverständnis, sondern auch mit Skepsis gegenüber. Das Deutsche Museum wollte die Technikakzeptanz in der Bevölkerung erhöhen und zu einer Popularisierung der Technik beitragen. Eine der wichtigsten Neuerungen im Deutschen Museum war der Einsatz voll funktionsfähiger Originale, Nachbauten und Modelle. Sie sollten Technik und ihre Wirkungsweise veranschaulichen. Nur ein Teil dieser Objekte wurde und wird vom Museumspersonal vorgeführt. Berühmt ist die tägliche Demonstration der "Knallenden Blitze" in der Starkstromtechnik. Viele Experimente und Demonstrationen sollten allerdings von den Besuchern selbst durch Knopfdruck in Gang gesetzt werden können.

Deutsches Museum im Nationalsozialismus

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Das "Dritte Reich" brachte für das Museum erhebliche Einschränkungen und Konfrontationen. Zeitweise wollten die Nationalsozialisten das Deutsche Museum mit einem gigantischen "Haus der deutschen Technik", das direkt gegenüber dem Museum gebaut werden sollte, übertrumpfen. Der Museumsleitung gelang es teilweise, eine allzu direkte Einflussnahme der Nationalsozialisten auf die Museumspolitik abzuwehren und eine Unterstellung unter das "Hauptamt für Technik" zu verhindern. Trotzdem arrangierte sich das Museum weitgehend mit der NS-Regierung: Treue Gefolgsleute wie Hugo Bruckmann (1863-1941) oder Fritz Todt (1891-1942) wurden in einflussreiche Museumsgremien aufgenommen und eine Adolf Hitler (1889-1945) genehme "Autohalle" wurde mit Unterstützung führender deutscher Industrieller angebaut.

Auch gegen eine Reihe von NS-Propaganda-Ausstellungen im Bibliotheksbau des Deutschen Museums wehrte sich die Museumsleitung nur halbherzig. So werden noch heute die politischen Gräuelschauen "Antibolschewistische Ausstellung" (1936) und "Der ewige Jude" (1937) mit dem Deutschen Museum verbunden, obwohl sie Fremdausstellungen nationalsozialistischer Organisationen waren.

Neuere Forschungen weisen auch Eingriffe in die bestehenden Ausstellungen nach, indem z. B. Erfindungen und Entdeckungen jüdischer Wissenschaftler durch Veränderungen von Texttafeln übergangen wurden.

Kaum bekannt ist, dass sich unter den Museumsmitarbeitern eine kleine Widerstandsgruppe gegen das Regime bildete. Sie flog 1942 auf; mehrere Mitglieder wurden inhaftiert und starben in der KZ-Haft oder an deren Folgen. Mitglieder der Widerstandsgruppe am Deutschen Museum waren u. a. Simon Hutzler (1889-ca. 1942), Johann Reisinger (1897-1944), Franz Herb (gest. 1943) oder Friedrich Krebs. Hutzler galt als einer der führenden Kommunisten in München und hatte enge Kontakte zu den Untergrundorganisationen in Berlin und in der Schweiz.

Der Zweite Weltkrieg mit den Bombardierungen Münchens hatte für das Museum schwerste Auswirkungen. Mehr als 5.000 Spreng- und Brandbomben trafen 1944 die Gebäude. Das Museum erlitt schwerste Treffer; manche Abteilungen brannten vollständig aus. Rund 20.000 Objekte wurden vernichtet oder unbrauchbar.

Wiederaufbau und Erweiterung um Zweigstellen

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Nach dem Krieg begann der erneute Aufbau. Dank Mieteinnahmen aus dem rasch hergerichteten Kongress-Saal und einer breiten Unterstützung durch die Industrie erfolgte in rund 25 Jahren der Wiederaufbau. 1947 begann mit der Sonderausstellung "50 Jahre Dieselmotor" der Ausstellungsbetrieb, ein Jahr später folgte die Dauerausstellung zur Physik. Sukzessive wurden die einzelnen Abteilungen eröffnet. Ziel war anfangs, das Museum ganz im Stil der Gründungsväter herzurichten. Erst allmählich fanden neue Technikbereiche wie Atom- und Weltraumtechnik, Mikroelektronik oder Informatik ihren Platz im Museum. Am 23. November 1973 konnte erstmals der millionste Besucher binnen eines Jahres im Deutschen Museum begrüßt werden. Insgesamt haben bis heute über 70 Mio. Menschen das Museum besucht.

Nach dem Krieg ist eine deutliche Verwissenschaftlichung des Museums feststellbar. Die enge Zusammenarbeit mit den Münchner Universitäten führte erstmals 1963 zu einem gemeinsamen Forschungsinstitut. In dem 1997 neu gegründeten "Münchner Zentrum für Wissenschafts- und Technikgeschichte" wurde die lose Zusammenarbeit institutionalisiert. Auch die Bildungsarbeit, die traditionell im Deutschen Museum eine herausragende Rolle spielt, erfuhr durch die Gründung des Kerschensteiner Kollegs 1976 eine dauerhafte Organisation.

Das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts brachte dem Museum mit dem Bau der Luftfahrthalle 1978-1984 eine erneute räumliche Ausdehnung. Damit waren allerdings die Raumkapazitäten auf der Insel erschöpft. Seit den 1990er Jahren ergriff das Museum die Chance zum Aufbau von Filialen, zuerst im nahe gelegenen Oberschleißheim (1992), dann im Wissenschaftszentrum Bonn (1995) und im Jubiläumsjahr 2003 mit der Eröffnung des Verkehrszentrums auf der Theresienhöhe (vollständige Eröffnung 2006). Parallel dazu erfolgte die Modernisierung des Fächerkanons im Hauptgebäude auf der Museumsinsel. Abweichend vom ursprünglichen Fächerkanon zeigt das Museum in jüngster Zeit auch Ausstellungen zu Lebenswissenschaften und Medizintechnik. Seit dem Jahr 2000 wird die aufwändig gestaltete Abteilung "Pharmazie" gezeigt; zwei Jahre später eröffnete erstmals das "Kinderreich". Neuestes Projekt ist das "Zentrum Neue Technologien", das im Jahr 2009 eröffnet werden wird.

Deutsches Museum Forum

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Nach verschiedenen Konkursen und zunehmend zweckfremder Programmgestaltung wurde der Gebäudetrakt des ehemaligen Kongress-Saals im Jahr 2008 an das Deutsche Museum zurückgeführt. Künftig entsteht dort ein "Haus der Wissenschaft" als Ort für relevante, aktuelle und zukunftsweisende Themen und deren Lösungen. Forschungseinrichtungen, Universitäten und wissenschaftlichen Gesellschaften bietet sich hier die Möglichkeit, ihre Arbeit zu präsentieren. Mit seiner prominenten Lage an der Ludwigsbrücke wird das Deutsche Museum Forum in Zukunft auch als Entree zu den Museumsausstellungen dienen. Die Umgestaltung des Forums ist der erste Schritt der 2008 angestoßenen Zukunftsinitiative Deutsches Museum, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Insel grundlegend zu sanieren und die Ausstellungen zu modernisieren.

Struktur und Finanzierung

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An der Spitze des Museums stehen zwei Gremien, das Kuratorium mit mehreren hundert Mitgliedern sowie der Verwaltungsrat, dessen Vorsitzender seit 1998 Wolfgang Herrmann (geb. 1948), Präsident der Technischen Hochschule München, ist. Die Amtsgeschäfte führt seit 1968 der Generaldirektor, während es zuvor nur ehrenamtliche Museumsvorstände gab. Generaldirektoren waren Theo Stillger (1920-1982, amtiert 1970-1982), Otto Mayr (geb. 1930, amtierte 1983-1993), Wolf Peter Fehlhammer (geb. 1939, amtierte 1993-2004) und Wolfgang A. Heckl (geb. 1958, amtiert seit 2004).

Die Finanzierung des Deutschen Museums basiert auf einer Mischfinanzierung. Einen Teil seiner Einnahmen erzielt das Museum durch Mitgliedsbeiträge, Eintrittsgelder, Verkaufserlöse, Vermietung und Verpachtung sowie durch sonstige Verwaltungseinnahmen. Als anerkanntes Forschungsmuseum (der ehemaligen "Blauen Liste", heute Leibniz-Gemeinschaft) erhält das Deutsche Museum 30 % des Etats abzüglich der Eigeneinnahmen. Für die Neugestaltung erhält das Museum zudem Spenden aus der Industrie und von Privatpersonen.


Literatur:

Quellen:

Weiterführende Recherche:

Externe Links:


Empfohlene Zitierweise:

Wilhelm Füßl, Deutsches Museum, München, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44474> (14.10.2013)


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Haben Sie Anmerkungen zu diesem Artikel? Schreiben Sie an die Redaktion (histlexbay@bsb-muenchen.de).

Letzte Änderung: 14.10.2013