Startseite


Volltext Titel

Häufige Fragen

Neue Artikel

Artikel A-Z

Verwandte Artikel:

Dokumente:

Kapp-Putsch, 13. März 1920: Kapitän Ehrhardt beim Einmarsch seiner Brigade in Berlin. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Habermann)
Kapp-Putsch, 13. März 1920: Kapitän Ehrhardt beim Einmarsch seiner Brigade in Berlin. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Habermann)

Autorenbereich

Impressum

Nutzungshinweise

Brigade Ehrhardt, 1919/20

Freikorps, im Februar 1919 hervorgegangen aus der 2. Marinebrigade, dem schlagkräftigsten der drei Marine-Korps, das besser unter dem Namen seines Kommandeurs Hermann Ehrhardt (1881-1971) bekannt war. Die Brigade Ehrhardt wurde im April 1919 gegen die Räterepublik in München eingesetzt und war maßgeblich am gescheiterten Kapp-Putsch im März 1920 beteiligt. Sie wurde zum 31. Mai 1920 aufgelöst, ihre aktionsbereiten Teile gruppierten sich im Geheimbund der "Organisation Consul" (O.C.) neu.


Inhalt (verbergen)


Artikel von Bruno Thoß

Vom Freikorps zur Kerntruppe der gegenrevolutionären Aktion 1919/20

(nach oben)

Als Antwort auf einen linken Putschversuch wurde in Wilhelmshaven im Februar 1919 die Aufstellung einer Regierungstruppe aus Offizieren, Deckoffizieren und Berufssoldaten eingeleitet. Diese 2. Marinebrigade wuchs unter ihrem Kommandeur, dem hochdekorierten Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt (1881-1971), binnen kürzester Zeit auf ca. 1.500 Mann an. In Mitteldeutschland und bei der Niederschlagung der Münchner Räterepublik errang der Verband bereits im Frühjahr 1919 den Ruf einer besonders schlagkräftigen Truppe. Seit Sommer 1919 in den Grenzkämpfen in Oberschlesien eingesetzt, erreichte die Brigade bis Ende des Jahres eine zeitweilige Höchststärke von 4.000-5.000 Mann.

Frühzeitig verbreiteten sich in dem radikal nationalistischen Einsatzverband offen antirepublikanische und antisemitische Parolen. Die Forderung der Alliierten seit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages im Januar 1920, alle paramilitärischen Verbände aufzulösen, drohte der konsequent gegenrevolutionären Brigade die Existenzgrundlagen zu entziehen. Der in Norddeutschland dafür verantwortliche Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos 1 in Berlin, General Walther Freiherr von Lüttwitz (1859-1942), widersetzte sich dem jedoch und löste mit seinem Befehl an die Brigade, die Reichshauptstadt zu besetzen, den sog. Kapp-Lüttwitz-Putsch (12.-17. März 1920) aus. Die Flucht der Reichsregierung, der sofort ausgerufene Generalstreik und die Verweigerung von Beamtenschaft und Reichswehr ließen den Umsturzversuch schon nach wenigen Tagen zusammenbrechen. Die Brigade wurde nach ihrer Verlegung in die Lüneburger Heide mit Wirkung vom 31. Mai 1920 offiziell aufgelöst; ihr Kommandeur floh vor der Strafverfolgung über Bayern nach Ungarn.

Von der Brigade Ehrhardt zur Organisation Consul

(nach oben)

Teile der Brigade wurden in die Reichsmarine aufgenommen und dauerhaft in die militärische Ordnung eingefügt. Der weiterhin aktionsbereite Teil der Offiziere und Unterführer der früheren Brigade schloss sich unter dem Schutz des Polizeipräsidenten von München, Ernst Pöhner (1870-1925), im Sommer 1920 in Bayern zu einer geheimen Arbeitsgemeinschaft zusammen. Ihre ebenfalls in den Süden ausgewichenen Soldaten wurden in Oberbayern in der getarnten Auffangorganisation der "Bayerischen Holzverwertungsgesellschaft" untergebracht.

In der Illegalität finanzierte sich der Bund, dem rund 250 Aktivisten angehörten, stark aus privaten Spenden, teilweise aber auch immer noch aus Geldern der Reichswehr. Seit Sommer 1921 tauchte er in den polizeilichen Aufklärungsberichten unter dem Decknamen "Organisation Consul (O.C.)" auf; der Name bezog sich auf ihren steckbrieflich gesuchten Führer Ehrhardt (= Consul). Zwischen 1921 und 1924 führte die O.C. eine Serie gezielter Morde an führenden Politikern der Weimarer Republik durch, um so das verhasste Weimarer System im erneuten Bürgerkrieg zu destabilisieren.


Literatur:

Weiterführende Recherche:

Externe Links:


Empfohlene Zitierweise:

Bruno Thoß, Brigade Ehrhardt, 1919/20, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44457> (25.03.2011)


Druckversion des Artikels (pdf)

Haben Sie Anmerkungen zu diesem Artikel? Schreiben Sie an die Redaktion (histlexbay@bsb-muenchen.de).

Letzte Änderung: 25.03.2011